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Der bereinigte operative Gewinn (EBITDA) ging im dritten Quartal um 40 Prozent auf 629 Millionen Euro in die Höhe. Der Umsatz kletterte dank höherer Verkaufsmengen und Preise um 13 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro. Evonik lag damit im Rahmen der Erwartungen des Marktes. Analysten hatten nach einer Vara-Umfrage mit einen Umsatz von 3,8 Milliarden Euro und einem bereinigten EBITDA von 633 Millionen Euro gerechnet.
Für 2026 wird das Management des Essener Konzerns optimistischer, dem Lieferengpässe asiatischer Wettbewerber durch die Nahost-Krise in die Karten spielen. Beim erst im Juni angehobenen Ausblick für 2026 zeigte sich der Vorstand zuversichtlicher: Er erwartet nun, beim bereinigten operativen Gewinn die obere Hälfte der Spanne zwischen 2 und 2,2 Milliarden Euro zu erreichen.
"Wir sind stark und robust", betonte Rettig am Dienstag: "Im Gegenwind fliegen Drachen am höchsten." Der Evonik-Vorstand hatte zuletzt gegenüber BASF die Eigenständigkeit des Konzerns unterstrichen. BASF hat Evonik ins Visier genommen, die Essener hatten zuletzt aber ein Übernahme-Angebot des größeren Konkurrenten von 24,00 Euro je Evonik-Aktie abgelehnt. BASF hatte im Quartal ebenfalls von gestiegenen Preisen und einer höheren Nachfrage durch den Nahost-Konflikt profitiert. Unsicherheiten um Lieferunterbrechungen durch Probleme in der Straße von Hormuz sorgen für ein Nachfrageplus. Evonik hat aber seinerseits ein Auge auf den US-Konkurrenten Ashland geworfen.
Evonik hatte die Tür für Gespräche mit BASF aber trotz der Absage einen Spalt offengelassen. Der Vorstand sei bereit "zu einem rein informativen und vertraulichen Austausch", hatten die Essener in der vergangenen Woche erklärt. Darin könne BASF seine "Motive und die aus ihrer Sicht maßgeblichen Erwägungen" für das Übernahmeangebot erläutern. Das Management bekräftigte, man bleibe "auf die strategische Ausrichtung und Weiterentwicklung von Evonik als eigenständiges Unternehmen fokussiert".
BASF-Chef Markus Kamieth wirbt für den Zusammenschluss als "starke deutsche Antwort auf den globalen Wettbewerb". Er verwies erneut auf "umfangreiche Zusagen" für die Beschäftigten und Standorte von Evonik.
Evonik-Interimschef Rettig setzt indes weiter auf eine Strategie der Eigenständigkeit. Er baut den Konzern um und will ihn damit auf mehr Wachstum und Gewinn trimmen. Einschließlich der bereits umgesetzten Sparprogramme könnte die Belegschaft von Evonik dadurch um insgesamt rund 10.000 Menschen schrumpfen. Der Verkaufsprozess für die Tochter Oxeno liege im Plan, in den kommenden Monaten solle ein Käufer präsentiert werden. "Für den Verkauf von Syneqt, der Betreiberin der Chemieparks in Marl und Wesseling, laufen die Vorbereitungen an", hieß es weiter. Durch den Umbau will Evonik die Rendite in die Höhe treiben - im Jahr 2029 soll die Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROCE) bei etwa elf Prozent liegen, bekräftigten die Essener.
Auch BASF tritt angesichts der strukturellen Probleme der Branche auf die Kostenbremse - und will mit der Evonik-Übernahme einen deutschen Chemieriesen formen. Die Essener beschäftigen weltweit etwa 31.000 Menschen, mehr als 11.000 davon in Nordrhein-Westfalen. In dem Bundesland stehen im kommenden Jahr Landtagswahlen an - und die Politik hat großen Einfluss auf den größten Einzelaktionär Evoniks, die RAG-Stiftung. BASF beschäftigt rund 95.000 Menschen.
ARCHIV - 02.03.2023, Nordrhein-Westfalen, Essen: Flaggen mit dem Firmenlogo von Evonik wehen vor der Zentrale des Unternehmens. (zu dpa: «BASF-Interesse an Evonik: SPD schlägt Landesbeteiligung vor») Foto: Federico Gambarini/dpa +++ dpa-Bildfunk +++