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Zudem sackten die Ölpreise prozentuell zweistellig ab. Sie sind derzeit der wichtigste Gradmesser für die Inflations- und Konjunktursorgen. Wichtig für die globalen Märkte ist vor allem, dass der Iran die Straße von Hormuz nun wieder für den Schiffsverkehr öffnen will. Allerdings erwägt das Land nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars zufolge, aus der vereinbarten zweiwöchigen Feuerpause mit den USA auszusteigen. Hintergrund seien die anhaltenden israelischen Angriffe auf die Hisbollah im Libanon.
Der Euro-Stoxx-50 gewann 4,97 Prozent auf 5.913,37 Punkte. Damit verbuchte er den höchsten Tagesgewinn seit Anfang März 2022, als Hoffnungen auf eine Entspannung im Ukraine-Krieg eine kräftige Rally ausgelöst hatten. Gleichzeitig steht der Eurozonen-Leitindex aber noch fast vier Prozent unter dem Niveau von Ende Februar, also von vor Beginn des Iran-Kriegs.
In Frankfurt steigerte sich der DAX um 5,06 Prozent auf 24.080,63 Einheiten. Außerhalb des Euroraums zog der Schweizer SMI um 2,5 Prozent auf 13.113,43 Punkte an und der britische FTSE-100 legte um 2,51 Prozent auf 10.608,88 Zähler zu.
Die Bewegungen der Einzelsektoren entsprachen dem Szenario einer Entspannung mit deutlich sinkenden Ölpreisen. An der Spitze der Sektoren standen die Reise- und Freizeitwerte, wo vor allem die Aktien der Fluggesellschaften gefragt waren. So kletterten Air France-KLM um 11,3 Prozent. Bei der AUA-Mutter Lufthansa gab es ein Plus von 10,3 Prozent zu sehen.
Weit vorne standen zudem die Technologie- und Bankwerte. Beide waren wegen Sorgen um die Lieferketten und die Auswirkungen hoher Energiepreise auf die Konjunktur zuvor unter Druck geraten. ASML kletterten um 8,9 Prozent in die Höhe. Unter den Banken waren BNP Paribas ähnlich stark. Bei den energieintensiven Stahltiteln ragten ArcelorMittal mit 11,8 Prozent Plus hervor.
Im Sektor der Industriewerte waren auch Rüstungstitel gesucht. Diese hatten zuletzt trotz des Iran-Kriegs geschwächelt, da europäische Staaten eine direkte Beteiligung am Konflikt vermieden hatten. Grundsätzlich erwarten Marktbeobachter jedoch steigende Verteidigungsausgaben, was die Perspektiven der Branche stützt.
Am Ende des Feldes rangierten dagegen die Ölwerte. Nach dem Höhenflug der vergangenen Wochen kam es zu Gewinnmitnahmen. Shell verloren dabei 4,7 Prozent. Der Öl- und Gaskonzern hatte von den Folgen des Iran-Krieges im ersten Quartal nicht nur durch steigende Ölpreise profitiert, sondern auch die Kriegsfolgen zu spüren bekommen. So beeinträchtigte der Krieg die Gas-Liefermengen aus Katar. Bei einem iranischen Angriff in Katar war im März eine Gasaufbereitungsanlage des Konzerns beschädigt worden.