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Das Gesamtbild an den Weltbörsen war am Dienstag durchwachsen. In Asien wurden zwar die Vortagsgewinne nachgeholt, aber im Handelsverlauf deutlich begrenzt. In der zweiten deutschen Börsenliga sank der MDAX zuletzt auch um fast ein halbes Prozent auf 28.101 Punkte.
Außerdem hat sich die Stimmung in den Unternehmen der Eurozone im März wegen der Folgen des Iran-Kriegs verschlechtert. Bei der Umfrage unter Einkaufsmanagern konnte erstmals der Ausbruch des Kriegs im Nahen Osten mit einem starken Anstieg von Energiepreisen voll berücksichtigt werden. Der von S&P Global ermittelte Einkaufsmanagerindex fiel um 1,4 Punkte auf 50,5 Punkte, wie S&P am Dienstag in London nach einer ersten Schätzung mitteilte.
Der Börsenbrief-Autor Hans Bernecker erwähnte am Morgen wieder einmal den sogenannten "TACO-Trade", der für "Trump Always Chickens Out" steht und die Erwartung ausdrückt, dass Trump bei seinen Ankündigungen Rückzieher macht. Offenbar habe er die Situation als so verfahren angesehen, dass er sich und den Märkten erst einmal etwas Luft verschaffen wollte. Wegen der Wankelmütigkeit Trumps stellt der Experte aber ein großes Fragezeichen dahinter, ob ein baldiges Kriegsende realistisch ist.
Zu Belastung für den DAX wurde die fast fünf Prozent schwächere SAP-Aktie. Nachdem die US-Bank JPMorgan ihr bisher optimistisches Votum für das Index-Schwergewicht aufgegeben hat, erreichten die Aktien ein Tief seit mehr als einem Jahr. Toby Ogg argumentierte, das Bild einer erwarteten Wachstumsbeschleunigung und Margenexpansion habe sich geändert. Er sieht ein Problem in einer verlangsamten Auftragsentwicklung im Cloud-Geschäft und befürchtet Ergebnisschwankungen durch den Umbau des Geschäftsmodells.
Auch die Bayer-Aktien waren am Morgen mit mehr als zwei Prozent Minus unter den großen DAX-Verlierern. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, will der 2023 eingestiegene Aktionär Inclusive Capital Partners ein Aktienpaket des Pharmakonzerns los werden. Ein Händler vermutet, dass der dahinter steckende aktivistische Investor Jeff Ubben das Potenzial des zuletzt deutlich angezogenen Kurses als ausgeschöpft betrachtet.
Die Privatbank Berenberg hat das Kursziel für Airbus von 210 auf 190 Euro gesenkt, aber die Einstufung auf "Hold" belassen. Risiken wegen des Iran-Kriegs seien zwar vorhanden, aber bisher seien die Verwerfungen begrenzt, schrieb George McWhirter am Dienstag. Dabei präzisierte er, dass der Nahe Osten 11 Prozent der Lieferungen des Flugzeugbauers ausmache. In Paris gaben Airbus daraufhin 1,9 Prozent nach.
Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat das Kursziel für Iberdrola von 20,50 auf 21,00 Euro angehoben und die Einstufung auf "Neutral" belassen. Analyst Alberto Gandolfi passte seine Prognosen für die Stromnachfrage am Montag an die aktuellen Verwerfungen am Energiemarkt an. Historisch seien Energiekrisen für Versorger ein zweischneidiges Schwert gewesen, so Gandolfi. Höhere Preise sorgten zwar für höhere Gewinne, es gebe aber auch Risiken. Ibderdrola bauten in Madrid marginale 0,8 Prozent ab.