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Zum Wochenausklang standen die veröffentlichten US-Arbeitsmarkdaten auf fundamentaler Ebene im Fokus. Der Arbeitsmarktbericht aus der weltgrößten Volkswirtschaft fiel gemischt aus, könnte damit aber Hoffnungen auf Fed-Zinssenkungen geschürt haben, was an den Börsen positiv aufgenommen wurde. Während die Arbeitslosenquote im Dezember überraschend klar auf 4,4 Prozent von 4,6 Prozent im Vormonat fiel, wurden nur 50.000 neue Stelle geschaffen. Experten hatten im Vorfeld bis zu 70.000 neue Jobs erwartet.
Insgesamt ist die Stimmung an den Aktienmärkten weiter gut, obwohl sich die geopolitische Lage zu Beginn des neuen Jahres weiter verschärft hat. "Die spektakuläre Militärintervention der USA in Venezuela wie auch die vielen weiteren geostrategischen Initiativen des US-Präsidenten, allen voran die öffentlichen Überlegungen zu Grönland, hatten keine weiteren negativen Nachwirkungen an den Finanzmärkten", konstatiert der Chefvolkswirt der DekaBank, Ulrich Kater.
Kater erklärt die historischen Höchststände an vielen Börsenplätzen damit, dass die neue Geo-Ökonomie nicht nur Risiken mit sich bringt, sondern auch wirtschaftliche Dynamik entfacht. "Allerdings werden die Risiken, die sich aus der hohen Dynamik der Weltpolitik ergeben, zurzeit an den Märkten ausgeblendet und die positiven Wirtschaftsdaten in den Vordergrund gestellt", räumt er ein.
Mit Abstand stärkster Sektor waren in Europa die Technologiewerte. ASML kletterten um 6,8 Prozent hoch. Gute Vorgaben aus Fernost beflügelten hier. Der weltweit größte Auftragsfertiger für Halbleiterprodukte, Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC), hatte mit seinem Umsatz die Erwartungen übertroffen. Dies untermauerte Hoffnungen auf anhaltende Investitionen in Künstliche Intelligenz und dämpfte die Sorgen vor einer Bewertungsblase in diesem Bereich.
Gefragt waren auch L'Oreal. Die Aktie zog um 6,3 Prozent an und reagierte damit auf eine Hochstufung auf "Buy" durch die UBS. Erstmals seit mehr als zwei Jahren dürfte der Anlagehintergrund für den Kosmetikhersteller von einer seltenen Kombination günstiger Faktoren profitieren, schrieb Guillaume Delmas in seiner am Freitag vorliegenden Neubewertung. Analystin Celine Pannuti von JPMorgan äußerte sich ebenfalls positiv. Sie rechnet mit Blick auf die anstehenden Jahreszahlen, dass das Geschäft zum Jahresende an Schwung gewonnen hat. Die Gewinne zogen den Sektor der Konsumgüter und die darin enthaltenen Luxuswerte nach oben.
Im Rohstoffsektor standen die wieder aufgenommenen Fusionsgespräche von Rio Tinto und Glencore im Mittelpunkt. Glencore sprach am Donnerstagabend von vorläufigen Gesprächen mit dem Rivalen und bestätigte damit einen Bericht der "Financial Times" ("FT"). Ein Deal könnte den weltgrößten Rohstoffkonzern mit einem Unternehmenswert inklusive Schulden von mehr als 260 Milliarden US-Dollar schaffen. Die Aktien reagierten gegenläufig. Während Glencore um fast zehn Prozent anzogen, sanken Rio Tinto um drei Prozent.
Im Bankensektor waren BNP Paribas gefragt und gewannen 5,7 Prozent auf 87,2 Euro. Die US-Bank JPMorgan hatte die Aktie von "Neutral" auf "Overweight" hochgestuft und das Kursziel von 89 auf 102 Euro angehoben. Die Kapitalsorgen ließen nach, während sich die Profitabilität verbessere, hieß es in der Studie.
Am Ende des Feldes lagen die Versicherer. Dabei litten Swiss Re mit minus 1,2 Prozent unter einer Kurszielsenkung von Morgan Stanley mit bekräftigter "Underweight"-Einstufung.
FRANKFURT - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/AFP/DANIEL ROLAND