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Experten warnen angesichts der stark gestiegenen Energiepreise durch den Iran-Krieg vor enormen Kosten für Wirtschaft und Verbraucher. "Zieht sich die Krise über Monate, könnte es für die deutsche Wirtschaft ernst werden", sagte die Handelsexpertin des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), Samina Sultan, am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Nach IW-Berechnungen würde ein Ölpreis von 150 Dollar (129,75 Euro) je Barrel die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr rund 0,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes kosten, 2027 dann bereits 1,3 Prozent.
"Real verliert Deutschland damit über 80 Mrd. Euro in zwei Jahren", sagte Sultan. "Hält die Krise an, droht eine neue Inflationswelle." Bei Lebensmitteln dürften nicht nur Transport und Verarbeitung teurer werde. "Auch Düngemittel werden knapp - mittelfristig steigen dann die Preise im Supermarkt", fügte die Expertin hinzu.
Von einem Ölpreisdeckel - wie nach dem russischen Angriff auf die Ukraine - sollte die Politik absehen. "Er hat den Fiskus Milliarden gekostet und kaum gewirkt", sagte Sultan. "Sinnvoller wäre es, gemeinsam mit den G7-Staaten die strategischen Ölreserven freizugeben." Die Finanzminister der sieben führenden Industrienationen (G7) wollen noch am Montag über eine mögliche Freigabe von Notfall-Ölreserven beraten, wie Reuters aus französischen Regierungskreisen erfuhr.
Die vom Ölpreis ausgelösten Schwankungen zeigen sich am Montag in vielen Branchen mit den üblichen Ausschlägen. Aktien großer Ölkonzerne sind gefragt, während die Titel in der Tourismusbranche stark leiden. Für die Werte der Lufthansa ging es um mehr als vier Prozent bergab. Dass die Barclays Bank ihr negatives Votum für die Fluggesellschaft aufgab, erleichterte nicht groß. Der Analyst hatte seine Studie noch vor der erneuten Ölpreisrally verfasst.
Auf Unternehmensebene verloren Siemens Energy 4,34 Prozent. Continental gaben um fast vier Prozent nach. Zudem sanken Bankenwerte deutlich. Konjunktursorgen infolge der Rally der Energiepreise setzten auch der europäischen Rohstoffbranche zu. In London fielen Anglo American um mehr als sechs Prozent, Antofagasta um mehr als fünf Prozent. Die Immobilien-Aktien British Land Company und Segro gaben ebenfalls um mehr als fünf Prozent nach.
Gesucht waren hingegen Werte im Rüstungsbereich. Rheinmetall legte um 2,05 Prozent zu. In dieser Branche schauten die Anleger am Montag auf den ersten Handelstag des Unternehmens Gabler im Börsensegment Scale der Frankfurter Wertpapierbörse. Die Aktien des U-Boot-Zulieferers starteten mit 47,20 Euro über ihrem Ausgabepreis, der bei 44 Euro in der oberen Hälfte der Angebotsspanne gelegen hatte. Zuletzt zahlten Anleger dann 47,70 Euro für ihre Aktien.
FRANKFURT - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/AFP/DANIEL ROLAND