Bisher eine Bewerberin und ein klarer Favorit für ORF-Wahl

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In wenigen Wochen steht fest, wer den ORF ab 2027 führt
 © Themenbild, Apa, GEORG HOCHMUTH
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Die Ausschreibung für die ORF-Generaldirektion ab 2027 ist bereits Ende April veröffentlicht worden und mit ORF-TV-Magazinchefin Lisa Totzauer hat sich erst eine Bewerberin offiziell ins Rennen um den Chefsessel des öffentlich-rechtlichen Medienhauses begeben. Für weitere Interessenten ist aber noch bis 28. Mai Zeit, um Unterlagen einzureichen. Dabei wird in zahlreichen Medienberichten davon ausgegangen, dass APA-CEO Clemens Pig die Unterstützung der Regierung hat.

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Die Bewerbungen müssen an ORF-Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer geschickt werden. Im APA-Gespräch ging er davon aus, dass noch weitere Profis an den Unterlagen arbeiten und sie rechtzeitig einreichen werden. Er hofft auf möglichst viele Anwärterinnen und Anwärter.

Pig wird seit geraumer Zeit als klarer Favorit benannt. Angesichts der gesetzlich festgeschriebenen Unabhängigkeit des ORF kritisch beäugte Aussagen aus der Politiksphäre untermauern den Status des APA-CEOs als heißester Anwärter auf die ORF-Spitze. So hielt ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti gegenüber der "Presse" vor wenigen Tagen fest: "Der Generaldirektor muss von außen kommen, unbelastet von all diesen Verstrickungen und Intrigen." Ob damit Pig gemeint sei? "Er ist definitiv ein Profi und ich würde mich freuen, wenn er sich bewirbt", so Marchetti.

Beobachter sprechen davon, dass auch die SPÖ gut mit Pig leben könnte und bei den maximal vier Direktorenposten mitmischt. Die Wahl selbst wird am 11. Juni getroffen - von den formell weisungsfreien 35 ORF-Stiftungsräten. Darauf pocht auch Lederer, der sich von Marchettis Äußerung wenig erfreut zeigt. "Ich weise Zurufe zurück. Wir entscheiden frei im Stiftungsrat und werden uns in Hearings unser eigenes Bild machen", sagte der Stiftungsratsvorsitzende. Ein öffentliches Hearing in Anwesenheit von Stiftungs- und Publikumsräten soll am 8. Juni stattfinden, bestätigte Lederer. Zuvor noch soll eine Findungskommission die eingelangten Bewerbungen begutachten und prüfen, ob sie die Anforderungen erfüllen, um die Personen für Hearings einzuladen.

Konkurrenz erhält Pig jedenfalls von Totzauer, die ihre Bewerbung am Dienstag öffentlich gemacht hat und am Mittwoch bei einem Pressegespräch näher dazu Auskunft geben will. Sie hatte sich bereits 2021 um den ORF-Chefsessel beworben und kam dabei auf fünf von 35 Stimmen, wobei sie als bürgerliche Alternative zum damaligen ORF-Chef Alexander Wrabetz gehandelt wurde. Sie unterlag letztlich Roland Weißmann und wurde von diesem wenig später zur TV-Magazinchefin bestellt. Zuvor betätigte sie sich etwa als Infochefin und Channelmanagerin von ORF 1.

Über eine Bewerbung der amtierenden ORF-Chefin Ingrid Thurnher wird spekuliert. Sie ist im Zuge der Causa Weißmann gegenwärtig intensiv mit Aufräumarbeiten beschäftigt und macht sich dabei nicht nur Freunde, wie sie selbst schon einmal anmerkte. Ob sie sich - auch angesichts ihres Alters von bald 64 Jahren - noch weitere fünf wohl kräftezehrende Jahre im ORF antun will, ist fraglich. Die bekannte Vollblutjournalistin hat sich noch nicht dazu geäußert, aber betonte, wie sehr ihr das Haus am Herzen liege.

Der "Standard" hielt am Wochenende fest, dass wohl auch Medienmanager Markus Breitenecker eine Bewerbung abgeben dürfte. Er war lange Zeit Chef der Privatsendergruppe ProSiebenSat.1Puls4 und zuletzt im Vorstand des Mutterkonzerns in Deutschland tätig. Seit wenigen Monaten ist er wieder am Markt und könnte sich nach einer Beschäftigung umsehen. Er selbst dementierte das wiederholt. Ruhig wurde es zuletzt um den Kronehit-Geschäftsführer Philipp König, der der ÖVP nahe steht, hat er doch schon im Bundeskanzleramt als Medienrechtsexperte unter Gernot Blümel und später mit dem Medienbeauftragten von Sebastian Kurz, Gerald Fleischmann, gearbeitet.

Abseits der Wahl und der Causa Weißmann beschäftigt den ORF nach wie vor auch der Spardruck. Dieser könnte sich weiter verschärfen, will doch die ÖVP die Abgeltung des Bundes für den Entfall der Umsatzsteuer mit dem Umstieg auf den ORF-Beitrag streichen, wie etwa der "Standard" berichtete. Die Republik sprang damals mit 70 Millionen Euro ein, um den für den ORF weggefallenen Vorsteuerabzug zu kompensieren. Marchetti sprach davon, dass der ORF einen Beitrag in der Größenordnung von 100 Mio. Euro zur Budgetkonsolidierung leisten solle.

Angesichts der Sparvorstellungen beruft Lederer am 22. Mai einen Sonderfinanzausschuss im ORF-Stiftungsrat ein. "Der Spielraum ist nicht so groß, wie die Politik sich das vorstellt", sagte er der APA. Der ORF müsse sparen, aber sollte über diese "sensible Sache" nicht in den Medien verhandelt werden, forderte er Marchetti auf, von "Basarverhalten" Abstand zu nehmen.

Bereits am Donnerstag (21. Mai) um 18 Uhr ist eine von der gemeinnützigen Organisation #aufstehn organisierte Kundgebung am Ballhausplatz in Wien angesetzt. Dabei fordern u.a. Presseclub-Concordia-Generalsekretärin Daniela Kraus und der ehemalige ORF-Journalist und im Vorstand von Reporter ohne Grenzen tätige Michael Kerbler eine unabhängige ORF-Spitze. Die Wahl im Juni müsse frei von parteipolitischen Interessen erfolgen, heißt es.

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