ORF - Weißmann: Beziehung in "beidseitigem Interesse"

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Roland Weißmann legt seine Sicht der Dinge dar
 © EVA MANHART, APA
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Nach dem Rücktritt von Roland Weißmann als ORF-Generaldirektor wegen Vorwürfen rund um Fehlverhalten gegenüber einer Mitarbeiterin hat dieser am Freitag ausführlich seine Sicht der Dinge mitteilen lassen. In einer von seinem Anwalt verbreiteten Aussendung wird betont, dass die Beziehung zu der Frau "in beidseitigem Interesse" gewesen sei. Bis heute habe er keinen Überblick über das der ORF-Stiftungsratsspitze vorgelegte Material und sei vom ORF bisher nicht angehört worden.

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Weißmann melde sich nun zu Wort, da in der ORF-Stiftungsratssitzung am Donnerstag, im Zuge derer auch Ingrid Thurnher als neue vorläufige ORF-Chefin eingesetzt wurde, den Räten eine einseitige Stellungnahme der betroffenen ORF-Mitarbeiterin vorgelesen worden sei. Auch würden die Rechte von Weißmann seit Tagen "massiv verletzt" werden.

Der 57-Jährige betont, dass die Beziehung zu der Frau seit Ende 2019 bestanden habe. Er sei damals weder Generaldirektor noch ihr Vorgesetzter gewesen. Neben persönlichen Treffen habe es auch regen Austausch per Telefon und via Chats gegeben - darunter auch "intime und höchstpersönliche Nachrichten". Die Beziehung sei 2021 deutlich abgekühlt.

2022 habe die Frau ihn aber wieder kontaktiert und zu einem "romantischen Essen" eingeladen, wo sie ihm mitgeteilt habe, dass ihre Ehe am Ende sei. Laut Weißmann habe sie Interesse an einer Beziehung signalisiert, es sei auch zu "einvernehmlichem physischen Kontakt" gekommen. Doch bald habe sich die Frau wieder zurückgezogen, was sie mit Nachrichten und Telefonaten mitteilte, die offenbar ohne Zustimmung mitgeschnitten worden seien. Zu diesem Zeitpunkt war Weißmann bereits ORF-Generaldirektor.

Daraufhin seien im Abstand mehrerer Monate vereinzelt gemeinsame Laufausflüge erfolgt. Als sie Weißmann mitgeteilt habe, dass sie einen neuen Lebensgefährten habe, habe er sich zurückgezogen, heißt es in der Aussendung. Es habe nur noch oberflächlichen Kontakt, aber auch "keine Spannungen" gegeben. "Die Tätigkeit der Mitarbeiterin beim ORF war während der gesamten Zeit niemals Thema zwischen ihr und ihm. Es gab auch niemals irgendeine Form der Druckausübung oder eines Machtmissbrauchs", betonte Anwalt Oliver Scherbaum.

Das Stiftungsratspräsidium habe Druck auf Weißmann ausgeübt, den ORF-Chefposten abzugeben - egal, ob die Vorwürfe zutreffend seien oder nicht - und den ORF mit einer Veröffentlichung der unbewiesenen Vorwürfe "ins Chaos gestürzt" sowie Weißmann "massiver Rufschädigung ausgesetzt", meint der Anwalt. ORF-Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer hat wiederholt zurückgewiesen, dass Weißmann zum Rücktritt gedrängt worden sei. Weißmann sei lediglich dazu angehalten worden, möglichst rasch "die Fakten zu klären" - also die Echtheit der Chats, Bilder und Co. zu überprüfen. Daraufhin habe er mit etwas zeitlichem Abstand seinen Rücktritt erklärt.

Weißmanns Anwalt bestätigt in der Aussendung die bereits kolportierten Forderungen der Frau: den Rücktritt von Weißmann als Generaldirektor, einen Verzicht auf eine weitere Kandidatur, eine Geldspende an eine karitative Organisation und die Übernahme des Rechtsanwaltshonorars. Dabei sei eine Frist für ursprünglich 10. März und später 9. März gesetzt worden. Die Drohung habe gelautet, ansonsten den Journalismus, das Unternehmen oder die Öffentlichkeit in die Causa einzubeziehen.

Auch zu den Streitigkeiten rund um den Pensionsvertrag eines hochrangigen ORF-Managers, der ein "besonderes Naheverhältnis" zur betroffenen Frau pflegen solle - gemeint ist wohl Pius Strobl, der sich schon selbst in der Angelegenheit äußerte -, geht Weißmanns Anwalt in der Aussendung ein: Die vom ORF-Manager für sich reklamierten Ansprüche aus Pensionszusagen seien Weißmann Ende 2021 erstmals mitgeteilt worden. "Da hierzu im ORF bis zu diesem Zeitpunkt keinerlei Dokumentation vorgelegen war, hat Mag. Weißmann eine externe rechtliche Überprüfung beauftragt. Diese Prüfung kam zu dem eindeutigen Ergebnis, dass die Ansprüche nicht zu Recht bestünden", heißt es. Das sei dem Manager auch "unmissverständlich" mitgeteilt worden.

Strobl hat am Donnerstag dem "Standard" bestätigt, dass Weißmann eine ihm vom früheren ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz zugesicherte Pensionsregelung nicht umsetzten wollte. Er müsse sie nach seinem ORF-Abschied Ende 2026 einklagen, so Strobl. Die Weißmann angelasteten Vorkommnisse würden in keinem Zusammenhang mit Strobls beruflicher Tätigkeit stehen, hielt er fest und dementierte, die Frau zur Erhebung der Vorwürfe motiviert zu haben.

Weißmann sei an der Spitze des ORF immer bemüht gewesen, gemeldete Fälle von Machtmissbrauch und sexueller Belästigung aufzuklären und abzustellen, betont dessen Anwalt. Die ihm während seiner Amtszeit mitgeteilten Fälle hätten alle aus der Zeit vor seiner Tätigkeit als ORF-Chef gerührt und seien korrekt aufgearbeitet worden.

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