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Am größten Werk des Konzerns würden derzeit monatlich 300 bis 350 Stellen abgebaut. Der Rückgang sei "ein wichtiger und notwendiger Schritt, um den Standort wieder wettbewerbsfähig zu machen". Seit Jänner 2024 strich BASF weltweit rund 7.000 Stellen, davon etwa zwei Drittel in Deutschland. Insgesamt sank die Zahl der Beschäftigten bis Ende Juni im Jahresvergleich um gut 14 Prozent auf rund 94.900.
Im Tagesgeschäft profitierte BASF im abgelaufenen Quartal von einer anziehenden Nachfrage und kräftigen Preiserhöhungen. Dazu trugen auch Lageraufstockungen von Kunden aus Sorge vor Lieferunterbrechungen infolge der Blockade der Straße von Hormuz bei. Zugleich sorgte das Hochfahren des neuen Verbundstandorts im chinesischen Zhanjiang für ein kräftiges Mengenwachstum.
Größere finanzielle Risiken durch das aktuelle Niedrigwasser im Rhein - einem wichtigen Transportweg für das Unternehmen - sieht Kamieth derweil nicht. BASF sei heute deutlich besser auf Wetterextreme vorbereitet als noch im Dürrejahr 2018. Lieferengpässe bei einzelnen Produkten in den kommenden Wochen schloss er jedoch nicht aus.
Bereits Mitte Juli hatte BASF überraschend starke vorläufige Quartalszahlen veröffentlicht und die Jahresziele erhöht. Für 2026 erwartet der Konzern nun einen bereinigten operativen Gewinn (EBITDA) zwischen 6,9 und 7,7 Milliarden Euro (statt 6,2 bis 7,0 Milliarden). Der Vorstand kündigte am Mittwoch zudem ein neues Aktienrückkaufprogramm von bis zu 1 Milliarde Euro an, das bis Ende April 2027 laufen soll. BASF-Aktien stiegen um 3,7 Prozent und gehörten zu den größten Gewinnern im deutschen Leitindex DAX.
Hintergrund des Sparkurses ist die tiefe Krise der europäischen Chemiebranche, die unter schwacher Nachfrage und hohen Energiepreisen leidet. Auch Evonik, Wacker und Lanxess haben zuletzt den Abbau Tausender Arbeitsplätze angekündigt. Kamieth hatte zu Jahresbeginn das Ziel für jährliche Einsparungen bereits auf 2,3 Milliarden Euro erhöht. Besonders unter Druck steht Ludwigshafen, das zuletzt das vierte Jahr in Folge rote Zahlen schrieb. Finanzvorstand Dirk Elvermann räumte ein, dass der Standort noch nicht über den Berg sei: "Stand heute können wir noch nicht vermelden: Ludwigshafen ist jetzt wieder profitabel."
Zwar schützt eine Standortvereinbarung die Beschäftigten in der Pfalz bis Ende 2028 vor betriebsbedingten Kündigungen. Dennoch legte BASF im Mai mit dem Umbauprogramm "CoreShift" nach: Bis 2029 sollen die Fixkosten im Kerngeschäft um bis zu 20 Prozent sinken. Dazu gehören auch weitere Stellenstreichungen und die Verlagerung von Dienstleistungsfunktionen nach Indien. Um dieses Ziel zu erreichen, müsse man "ein paar heilige Kühe, von denen wir in der Vergangenheit immer dachten, dass sie existieren, auch mal weglassen können", sagte Kamieth.
Erste Fortschritte sieht der Konzern bereits: Der Anteil hoch wettbewerbsfähiger Produktionseinheiten in Ludwigshafen sei seit 2024 von 78 auf 88 Prozent gestiegen. Für die verbleibenden Sorgenkinder fand Kamieth deutliche Worte: "Wir beobachten diese zwölf Prozent ständig mit der einfachen Frage: Können wir sie wettbewerbsfähig machen, oder sind das Anlagen, die wir auf lange Sicht auf eine Restrukturierung oder Schließung vorbereiten müssen?"
Mit dem 2024 angestoßenen Konzernumbau will Kamieth den Chemieriesen stärker auf die Kerngeschäfte fokussieren, die eng in den BASF-Produktionsverbund eingebunden sind. Randbereiche werden abgestoßen: Die Mehrheit am Lack-Geschäft wurde für 7,7 Milliarden Euro an den Finanzinvestor Carlyle verkauft, die Agrarsparte soll bis Mitte kommenden Jahres fit für einen Börsengang gemacht werden. Die Erlöse sollen vor allem zum Schuldenabbau genutzt werden.
Zugleich hält BASF Ausschau nach Zukäufen. Akquisitionen hätten gegenüber dem Bau eigener Großanlagen an Attraktivität gewonnen, sagte Kamieth. BASF sei hier ein "aktiver Beobachter", suche aber keine angeschlagenen Firmen zu Schnäppchenpreisen: "Wir schauen uns Werte an, die Synergien bilden können."