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Im gesamten ersten Halbjahr 2026/27 erhöhte der im Wiener Leitindex ATX notierte Konzern seinen Erlös um 45,4 Prozent (währungsbereinigt 45,6 Prozent) auf 1.230,6 Mio. Euro (Vorjahr: 846,3 Mio. Euro). Das operative Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) legte im Halbjahr um 134,1 Prozent auf 409,0 Mio. Euro zu, wodurch die EBITDA-Marge von 20,6 auf 33,2 Prozent stieg. Unterm Strich erwirtschaftete das Unternehmen in den ersten sechs Monaten seines Geschäftsjahres einen Konzerngewinn von 166,2 Mio. Euro, nachdem im Vergleichszeitraum des Vorjahres noch ein Verlust von 63,5 Mio. Euro angefallen war. Das Ergebnis je Aktie verbesserte sich von minus 1,86 Euro auf plus 3,98 Euro. Das Management bestätigte den Ausblick für das Gesamtjahr 2026/27 mit einem währungsbereinigten Umsatzwachstum von 45 bis 55 Prozent und einer EBITDA-Marge von 32 bis 37 Prozent bei geplanten Investitionen von 1,0 bis 1,2 Mrd. Euro.
Eine Dividende stellt der Vorstand für das laufende Geschäftsjahr erneut nicht in Aussicht. Die Eigenkapitalquote lag zum Stichtag 30. September 2026 bei 23,9 Prozent (pro forma nach Tilgung der Alt-Hybridanleihe bei 25,5 Prozent). "Ich glaube, wir haben in den letzten 18 Monaten bewiesen, dass das Geld im Unternehmen gut angelegt ist und dass wir über unsere Investitionen in Wachstum und Innovation den Aktionären einen viel, viel höheren Wert auf ihr eingesetztes Kapital geben und das auch absehbar tun", betonte Mertin die Priorität des Eigenkapitalaufbaus. Ziel sei es, die Liquiditäts- und Cash-Situation nachhaltig abzusichern und das Unternehmen krisenfest aufzustellen.
Sorgen vor einem raschen Abflauen der Nachfrage nach KI-Komponenten wies Mertin entschieden zurück: "Im Moment sind Rechenzentren im Bau und in Planung und es laufen erste Ausrüstungsinvestitionen, aber das ist nicht mal die Spitze des Eisbergs, was wir gerade sehen." Hinter den Investitionen stünden fundamentale und langfristige Geschäftsmodelle globaler Tech-Konzerne wie Microsoft, Amazon oder Google. Das Geschäft mit IC-Substraten habe sich durch KI-Anwendungen mehr als verdoppelt. Zudem habe sich die Wertschöpfung drastisch verändert: Während klassische Substrate früher kleine Stücke (5 x 5 cm) für etwa 8 US-Dollar waren, lägen aktuelle KI-Substrate in der Spitze bereits bei etwa 200 US-Dollar. Künftige Substrate in der Größe eines Tablets werden laut Mertin 1.000 US-Dollar pro Stück kosten - wobei darauf Komponenten verbaut werden, die nochmals einige 1.000 US-Dollar kosten.
Auf die Verbindlichkeit der Kundenvereinbarungen für Ausbauprojekte wie am Standort Kulim (Malaysia) mit Partnern wie AMD und Marvell angesprochen, betonte Finanzvorstand Gerrit Steen das neue Modell der Risikoteilung: "Wir wollen die AT&S so aufstellen, dass wir in Wachstum investieren können, aber gleichzeitig auch Cashflow generieren. Und das haben wir umgesetzt, indem wir mit den Kunden Vereinbarungen getroffen haben, die zum einen diese Investitionen finanzieren für uns, sodass wir eben nicht in Vorleistung gehen müssen, sondern die Kunden in Vorleistung gehen." Es gebe langfristige Abnahmeverpflichtungen, "in der Regel 5 Jahre". AT&S agiere nicht mehr als bloßer Auftragsfertiger: "Wir sind eben nicht mehr der Lohnhersteller oder wie es auch immer so schön heißt, der steirische Leiterplattenhersteller. Wir sind mittlerweile wirklich ein globales Technologieunternehmen, das mit den Kunden langfristig sehr eng zusammenarbeitet."
Dabei kämen die laufenden Investitionen im aktuellen Ergebnisbericht noch gar nicht voll zum Tragen, sagte Mertin. "Die Investitionen, von denen wir gerade gesprochen haben, (...) die sind ja im Moment noch gar nicht im Umsatz zusätzlich drin." Dass der operative Cashflow im ersten Halbjahr mit 100,4 Mio. Euro unter dem Vorjahreswert von 209,4 Mio. Euro lag, begründete Steen mit der bewussten Rückführung des teuren internationalen Factoring-Programms. Durch die erfolgreiche Emission einer neuen Hybrid-Wandelschuldverschreibung (400 Mio. Euro mit 2,5 Prozent Kupon) und die vorzeitige Tilgung der Alt-Hybridanleihe über 350 Mio. Euro im Oktober spare AT&S jährlich 10 Mio. Euro an Zinsaufwand. Das Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA verbesserte sich von 3,2x auf 2,0x.
Auf die starken Kursschwankungen der AT&S-Aktie in den vergangenen zwölf Monaten angesprochen, verweist die AT&S-Führung auf fundamentale Bewertungskennzahlen. Bei einer Jahres-EBITDA-Guidance von knapp einer Milliarde Euro und einem Unternehmenswert unter 5 Mrd. Euro notiere die Aktie beim Fünffachen des EBITDA und sei damit extrem günstig bewertet. Über die breite Spreizung der Analysten-Kursziele zeigte sich Mertin wenig verwundert: "Wenn Sie Vertrauen einmal verloren haben, dann geht das innerhalb von Sekunden. Das Vertrauen wieder aufzubauen dauert Jahre."
Neben dem Substratbereich wird auch das klassische Leiterplattengeschäft umgebaut. Einfache Serienfertigung sei in Europa nicht mehr konkurrenzfähig, erklärte Mertin. Deshalb investiere AT&S an Standorten wie Fehring und Leoben in Hightech-Lösungen wie Leistungselektronik, Co-packaged Optics und Minitransformatoren. In der zweiten Jahreshälfte sollen flächendeckend durchgesetzte Preiserhöhungen und Effizienzgewinne greifen. Für weitere Ausbauten stehe in Kulim in Malaysia noch Platz für ein drittes Werk zur Verfügung; zudem habe AT&S zwei neue Grundstücke erworben, um künftig Werke für Accelerator Boards und Substrat-Cores zu errichten. Eine Entscheidung dazu soll in der ersten Jahreshälfte 2027 fallen.
Der weltweite Personalstand stieg zum Stichtag 30. September 2026 auf 15.657 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Durchschnitt H1: 15.014). Während in Malaysia monatlich bis zu 250 Kräfte neu aufgenommen werden, beschäftigt AT&S in Österreich aktuell 2.240 Personen in Leoben-Hinterberg und 440 in Fehring. Die Personalsuche in Österreich bezeichnete Mertin aufgrund der hohen Anforderungen im Reinraumbereich als herausfordernd.
Geopolitische Bedenken bezüglich China entgegnete Mertin mit der Strategie "Local for local". Eine Abkopplung Chinas vom weltweiten Markt hält er für realistisch unmöglich: "Wenn man in unserer Branche China abschalten würde, dann stirbt die gesamte weltweite Computerindustrie. So einfach ist das nicht." Ein solcher Schritt wäre "ein Todesstoß für die gesamte amerikanische Hightechindustrie".