Solange der Ölhahn offen bleibt, hilft auch das Wischen nichts

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Fredrika Klarén
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Gastkommentar: Hitzewellen kosten Europa schon heute Milliarden. Statt die Folgen der Klimakrise zu bekämpfen, müsse die Politik die Abhängigkeit von fossilen Energien konsequent reduzieren, argumentiert Polestar-Nachhaltigkeitschefin Fredrika Klarén.

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Der europäische Sommer ist da – und jedes Jahr führen wir inzwischen dieselbe Diskussion.

Krankenhäuser bereiten sich auf hitzebedingte Erkrankungen vor. Städte versuchen mit Hochdruck, ihre Bevölkerung vor der Hitze zu schützen. Unternehmen beziffern die Kosten sinkender Produktivität. Auch dieses Jahr ist keine Ausnahme: Eine weitere Rekord-Hitzewelle zieht über den Kontinent.

Im Juni stiegen die Temperaturen in Teilen Europas auf über 40 Grad Celsius. Mehr als 100 Millionen Menschen in Europa – einschließlich Österreich – waren innerhalb nur einer Woche extremer Hitze ausgesetzt. Und da im Juli bereits die nächsten Hitzewellen folgen, wird deutlich: Das sind längst keine Ausnahmeereignisse mehr.

Neben dem menschlichen Leid und den gesundheitlichen Folgen entwickelt sich extreme Hitze zunehmend zu einer erheblichen wirtschaftlichen Belastung. Das britische Office for National Statistics schätzt, dass extreme Hitze die britische Wirtschaft jährlich rund 1,2 Milliarden Pfund an entgangener Bruttowertschöpfung kostet. Der Versicherungskonzern Allianz kommt auf Basis eigener Modelle zu dem Ergebnis, dass wohlhabende europäische Volkswirtschaften bis 2030 kumulierte hitzebedingte BIP-Verluste von fünf bis sieben Prozent erleiden könnten.

Die genaue Höhe dieser Verluste mag je nach Land und Berechnungsmethode variieren. Unstrittig ist jedoch: Extreme Hitze verursacht bereits heute erhebliche wirtschaftliche Kosten.

Unsere Reaktion folgt dabei einem vertrauten Muster. Wie schon während der Pandemie schalten wir in den Krisenmodus. Wir streiten um die letzten Ventilatoren im Baumarkt, diskutieren über die besten Klimaanlagen, und Kinder springen in Paris zur Abkühlung in die Seine. All das sind kurzfristige Maßnahmen, um die Folgen zu bewältigen – ohne die eigentliche Ursache anzugehen.

Es ist, als würden wir den Boden wischen, während der Ölhahn weiterläuft.

Viel zu lange wurde Nachhaltigkeit als Verzicht dargestellt. Tatsächlich geht es darum, Gesellschaften zu schaffen, die gesünder, unabhängiger und widerstandsfähiger sind – Gesellschaften, die ihre Zukunft selbstbestimmter gestalten können.

Der Verkehrssektor zeigt besonders deutlich, warum wir die Ursachen bekämpfen müssen – und nicht nur die Symptome. Jeder Anstieg des Ölpreises erinnert uns daran, dass wir unsere Mobilität auf einer endlichen Ressource aufgebaut haben, die wir weder kontrollieren noch von der wir abhängig sein müssen.

Immer mehr Menschen entscheiden sich bereits für den Umstieg auf Elektromobilität. Warum? Weil sie eine grundlegende Fehlentwicklung korrigiert. Elektroautos sind im Betrieb schon heute deutlich günstiger. In Europa kosten 100 Kilometer mit Strom – je nach Land – oft nur drei bis sechs Euro, während für ein vergleichbares Benzinfahrzeug etwa sieben bis elf Euro anfallen. Sie werden mit Energie betrieben, die lokal und aus erneuerbaren Quellen erzeugt werden kann – günstiger, nachhaltiger und unabhängiger. Elektroautos verbessern die Luftqualität, entlasten die Gesundheitssysteme und stärken Europas energiepolitische Resilienz.

Europa sollte diesen Kurs konsequent fortsetzen. Instrumente wie das neue europäische CO₂-Bepreisungssystem für den Straßenverkehr tragen dazu bei, die tatsächlichen Kosten fossiler Energieträger sichtbar zu machen und klimafreundliche Alternativen attraktiver werden zu lassen. So beginnen wir, den Ölhahn zuzudrehen – anstatt immer höhere Kosten für das Aufwischen der Folgen zu tragen.

Klimaschutz ist längst nicht mehr nur Umweltpolitik. Er ist Wirtschaftspolitik. Gesundheitspolitik. Sicherheitspolitik. Mehr politische Entscheidungsträger müssen diese Realität erkennen – ihre Wählerinnen und Wähler haben das längst getan.

Die meisten Menschen stehen morgens nicht auf und denken über CO₂-Budgets nach. Sie denken daran, ihre Familie zu schützen, ihre Lebenshaltungskosten zu bewältigen und ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Und immer häufiger weisen genau diese Prioritäten in dieselbe Richtung.

Der Übergang zur Elektromobilität bedeutet nicht, Menschen zum Verzicht aufzufordern. Er gibt ihnen mehr Kontrolle – darüber, wie sie sich fortbewegen, womit sie ihren Alltag mit Energie versorgen und wofür sie ihr Geld ausgeben. Die besten Klimaschutzlösungen sind jene, die gleichzeitig alltägliche Probleme lösen.

Auch Automobilhersteller sollten Nachhaltigkeit nicht als Kompromiss verstehen, sondern als strategischen Wettbewerbsvorteil. Bessere Technologie für Fahrerinnen und Fahrer. Sauberere Luft für unsere Städte. Mehr energiepolitische Unabhängigkeit für Europa.

Dies ist keine Geschichte des Verzichts. Es ist eine Geschichte des Fortschritts. Und davon, endlich den Ölhahn zuzudrehen.

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