
Max Emanuel Cenčić
©Laura ChapmanDer gefeierte Countertenor und Regisseur Max Emanuel Cenčić investiert am liebsten in Dinge, von denen er etwas versteht, bevorzugt in seine eigene Produktionsfirma. Auch in Sachen Parfum hat er einen guten Riecher.
trend: Der Opernbetrieb ist einer der exakten Planung mit langen Vorlaufzeiten. Sind Sie in der Planung ihrer privaten Finanzen auch so vorausschauend? Haben Sie eine gute Hand fürs Geld?
Max Emanuel Cenčić: Ich versuche, in Schätzungen zu arbeiten, weil man als freiberuflich Tätiger nicht immer genau weiß, was man verdient. Bei der Bilanz am Ende des Jahres, wenn die Steuer bezahlt ist, bekommt man ein klareres Bild und nimmt das gleich als Maßstab für die Planung des nächsten Jahres. So klappt das gut.
Sind Sie ein guter Verhandler in eigener Sache?
Ich verhandle nicht. Opernsänger haben Agenturen. Es kommt nicht gut an, wenn Künstler selbst über Gagen verhandeln. Dennoch muss man auf seine Interessen achten. Als freier Künstler wird man mit allerlei Erwartungen und Verträgen konfrontiert. Dafür hat man einen Manager.
Sie sind international tätig. Warum wird hierzulande immer noch so wenig über Gagen gesprochen?
Gerade im angloamerikanischen Raum ist das noch viel strenger reglementiert, da reden Künstler noch weniger über Geld. Wenn man einen Manager hat, wird man ernst genommen, wenn man als Künstler selbst anruft und über Geld verhandelt, kommt man billig rüber. Das bedeutet einen Imageschaden. Ein Künstler muss mit seinem Namen ein Image aufb auen, das muss man ein bisschen wie eine Luxusmarke sehen.
Sie sind nicht nur Regisseur und Sänger, sondern haben auch Ihre eigene Produktionsfirma. Was ärgert Sie am aktuellen Wirtschaftssystem?
Mich ärgert gar nichts Spezielles, es geht uns ja insgesamt nicht schlecht, dennoch gibt es belastende Themen wie etwa die Leistbarkeit von Wohnen. In den letzten Jahren ist Wohnen sehr teuer geworden, das merkt man vor allem, wenn man kurzfristig, also etwa für die Dauer einer Produktion, Wohnungen mieten muss.
Was ist derzeit ein sinnvolles Investment? Immobilien? Gold?
Ich habe mich grundsätzlich in den letzten 25 Jahren darauf konzentriert, nur in meine eigenen unternehmerischen Projekte zu investieren – meine Produktionsgesellschaft Parnassus Arts Productions hat vier Angestellte – und weniger zu spekulieren. Ich habe weder in Immobilien noch in Gold angelegt. Das wäre mir zu unsicher, weil es von zu vielen Faktoren abhängt, die ich nicht beeinflussen kann. Ich investiere lieber in Dinge, von denen ich etwas verstehe.
Sie waren schon als Sängerknabe ein Kinderstar – was hat Sie familiär in Sachen Geld geprägt?
Ich bin ein Kriegskind. Ich habe Flucht und Finanzmisere in meiner Jugend in den 1990er-Jahren erlebt, als meine Eltern durch den Krieg im damaligen Jugoslawien plötzlich vor dem Nichts standen und wir bei null beginnen mussten. Ich bin dadurch ein etwas vorsichtigerer Mensch geworden.
Was würden Sie als Künstler auch für viel Geld nicht machen?
Meine Würde für Instagram verkaufen. Das geht mir persönlich zu weit, wenn ich sehe, welch peinlichen Sachen manche da machen, nur um Follower zu bekommen.
Wie wichtig ist Ihnen eine gewisse Opulenz im privaten Leben? Also wofür geben Sie leichten Herzens Geld aus?
Ich lebe eigentlich ein sehr einfaches Leben. In jungen Jahren bin ich auf bestimmte Labels gestanden, aber mittlerweile habe ich das überwunden, weil ohnehin alles made in China ist. Und ob ich bei Zara und H&M oder bei Prada und Gucci kaufe, macht eigentlich oft nicht mehr so einen Unterschied. Wo ich aber nicht Nein sagen kann, ist bei guten Parfums. Ich habe eine große Parfumsammlung.
Was bedeutet Luxus für Sie?
Wenn man sich dafür nicht selbst versklavt. Luxus muss entspannend sein.
Und wofür würden Sie Ihren letzten Cent ausgeben?
Für gutes gesundes Essen.
Zur Person
Max Emanuel Cenčić, 49. Der Countertenor, Regisseur und Produzent wuchs als Sohn eines Dirigenten und einer Opernsängerin in Zagreb auf und wurde früh von seiner Mutter stimmlich ausgebildet. Nach der Flucht aus dem damaligen Jugoslawien kam er mit acht Jahren nach Österreich zu den Sänger knaben, wo er als „bester Knabensopran" gefeiert wurde und 1992 seine Solokarriere startete. Mittlerweile gilt Cenčić als einer der weltbesten Countertenöre. Er ist künstlerischer Leiter des Bayreuth Baroque Opera Festivals und hat mit Parnassus Arts Productions seine eigene Produktionsfirma.
Der Artikel ist im trend.PREMIUM vom 3. April 2026 erschienen.
