
Der Vorarlberger Verpackungsproduzent kann seine Umsätze trotz schwacher Konjunktur steigern. Jetzt will Alpla-CEO Philipp Lehner weniger Digitalstress und mehr Fokus in seinem Konzern etablieren – mit einem Papierkalender.
Auf TikTok ist er so selbstverständlich zu Hause, wie er in Podcasts eloquent über Geschäftliches spricht. Mit 41 Jahren führt Philipp Lehner einen Konzern mit 25.500 Mitarbeitenden auf vier Kontinenten. 2025 stieg der Umsatz von Alpla - trotz Marktschwäche - von 4,9 auf 5,2 Milliarden Euro. Lehner sorgt als Digital Native mit einem Projekt für Aufsehen, das analoger nicht sein könnte. Der CEO des Vorarlberger Verpackungsspezialisten Alpla trifft einen kollektiven Schmerzpunkt: das Gefühl, nicht mehr Hoheit über die Zeitplanung zu haben.
Genau das will Lehner seinen Mitarbeitenden zurückgeben, mit einer auf den ersten Blick unorthodoxen Methode: Er verpflichtet sie zur Planung mit einem analogen Kalender. Sein Ziel ist, die Leute aus dem Stress eines digitalen Dauerfeuers zu holen, das mit konstanten Unterbrechungen vom Arbeiten abhält. „Es geht darum, das persönliche Zeitmanagement bewusster zu machen“, sagt Lehner gegenüber dem trend: „Anders als elektronische Systeme, die mit Daten und Features vollgepackt sind, führt der Papierkalender, den wir bei MasterPlanning nutzen, zu einer klaren Fokussierung ohne digitale Ablenkung. Zudem ist wissenschaftlich bewiesen, dass handschriftliche Aufzeichnungen intensiver wahrgenommen werden und mehr Neuronen im Gehirn aktivieren. Das hilft, über Relevanz und Abläufe konzentrierter nachzudenken, statt sie nur auf einem Monitor durchzuwischen.“ Und: „Die Verbindung zur eigenen Zeit wird wieder direkter. Und die Gestaltung des Alltags effizienter – mit gut geplanten Aktionen, kürzeren Meetings und verbindlichen Absprachen. Das macht die Arbeit entspannter. Was in allem gesünder ist.“
Weltweit ausgerollt mit Trainings
Diese Erfahrungen sollen alle im Konzern machen, und dafür lässt der CEO Führungskräfte vom Management Board bis hin zu regionalen Teamebenen von zertifizierten MasterPlanning-Trainern mit der Unterstützung von Planungsexpertin Claudia Wörner schulen. „Im Moment wenden rund 500 Mitarbeiter MasterPlanning an. Durch Schulungen, Coaching und Empfehlungen wächst die Zahl der Anwender exponentiell“, sagt Lehner. Dass er damit nicht überall offene Türen einrennt, weiß er: „Skepsis gehört am Anfang dazu. Daraus entsteht oft die tiefste Überzeugung. Der Zuspruch ist bei uns nicht nur eine Zahl, er ist sichtbar: Wir sehen immer mehr Mitarbeiter, die MasterPlanning-Kalender benutzen. Das kleine schwarze Buch gehört zunehmend zum Bild von Alpla. Es gibt viele persönliche Rückmeldungen, die von positiven Effekten berichten.“
Outlook wird nicht abgedreht
Lehner dreht seinen Mitarbeitenden aber keine Systeme ab, auch wenn das MasterPlanning für die Führungskräfte verbindlich ist: „Natürlich verwenden wir auch weiterhin Projektplanungssysteme oder Microsoft Outlook für Terminabstimmungen und Besprechungseinladungen. Im Bereich des persönlichen Zeitmanagements jedoch setzen wir konsequent auf MasterPlanning, bei dem der Papierkalender eines der zentralen Werkzeuge ist.“
Ein Bericht in der „Neue Zürcher Zeitung“ Anfang Jänner sorgte für großes Echo, und die „Vorarlberger Nachrichten“ griffen das Thema mit einer Umfrage unter 2.000 Teilnehmern auf, die diese Art der analogen Planung zu 60 Prozent positiv bewerteten und Vorteile für Fokus und Struktur sahen.
Lehner ist nicht allein mit seiner Einschätzung: „Wir kommen nicht mehr zum Wichtigen, reagieren nur noch auf Dringliches. Ich bin mir sicher: Die Planung der Zeit wird in einer dynamischen und komplexen Welt über unsere Arbeits- und Lebensqualität entscheiden.“
Der Artikel ist in der trend.EDITION vom 16. Jänner 2026 erschienen.
Wir kommen nicht mehr zum Wichtigen, reagieren nur noch auf Dringliches. Ich bin mir sicher: Die Planung der Zeit wird in einer dynamischen und komplexen Welt über unsere Arbeits- und Lebensqualität entscheiden.

Führungskräfte und andere Mitarbeitende bei Alpla planen mit dem kleinen Schwarzen: dem MasterPlanner ihre Agenda.
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