Trotz Zinstief: Warum ein variabler Kredit besser sein kann

Trotz Zinstief: Warum ein variabler Kredit besser sein kann

Derzeit stürzen sich Kreditnehmer auf Fixzins-Angebote. Doch das muss, selbst bei steigenden Zinsen, langfristig nicht die bessere Wahl sein. trend.at erklärt warum.

Derzeit denken Häuselbauer, wenn sie einen Kredit aufnehmen, nicht lange darüber nach, ob es ein Fixzinskredit wird oder einer der flexibel auf das aktuelle Zinsumfeld reagiert, schließlich ist das Zinsniveau so niedrig, dass viele das niedrige Niveau als Fixzins einfrieren möchte. Bereits 35 Prozent aller Neukredite, die länger als fünf Jahre laufen, werden, laut Österreichischer Nationalbank, als Fixzinskredit abgeschlossen. In den Jahren davor lag der Anteil deutlich unter zehn Prozent.

Wer sein Eigenheim in der Vergangenheit finanziert hat, hat das in der Regel mit einem an einen Indikator (Euribor), also variabel verzinsten, Kredit getan. Im Gegensatz dazu wird beim Fixzinskredit der Zinssatz zu Beginn des Kreditvertrags festgesetzt und bleibt bis zum Laufzeitende unverändert.

So setzen sich die Kosten für einen variabler und fixen Kredit zusammen

Variabel verzinste Kredite sind in der Regel an den 3-Monats-Euribor als Indikator gebunden. Beim Fixzinskredit wird der Zinssatz zu Beginn des Kreditvertrags festgesetzt und bleibt bis zum Laufzeitende unverändert. Zur Höhe des Kreditzinses wird, je nach Konditionen der jeweiligen Bank und der Bonität des Kreditnehmers, ein Aufschlag addiert.

Planrechnungen zeigen, wie sich Zinsanstieg auf Kredit auswirkt

Obwohl die Beliebtheit von Fixzinskrediten stark gestiegen ist, ist diese Form des Hypothekarkredites nicht immer die beste Idee, wie nun Stefan Kersc hbaumer, Finanzspezialist bei der Schoellerbank anhand von Planrechnungen festgestellt hat. „Planrechnungen können ein gutes Gefühl dafür geben, wie stark und rasch Zinsen steigen müssen, damit die variable Variante genauso teuer oder teurer wie der entsprechende Fixzinskredit wird.“ Wichtig ist auch, im Vorhinein zu berechnen, wie hoch die Rate bei einem Ansteigen des Indikators wird. So kann abgeschätzt werden, ob die monatliche Rückzahlung noch problemlos erfolgen kann.

Steigen die Zinsen pro Jahr im Schnitt um 0,30 Prozent spart man bei einem Kredit trotzdem langfristig Geld

Wer einen Kredit über 200.000 Euro mit einer Laufzeit von 20 Jahren aufnimmt und jeweils die Hälfte in einen variablen und einen flexiblen Kredit wählt, steigt, laut Planrechnung der Schoellerbank mit einem variablen Anteil besser aus.

1,9 Prozent Fixzins versus variablem Zins von 0,87 Prozent

Dem Rechenbeispiel liegt folgende Annahme zugrunde: Der Fixzinssatz beträgt 1,9 Prozent auf die ersten zehn Jahre oder alternativ einen variablen Zinssatz basierend auf den 3-Monats-Euribor zuzüglich einem Aufschlag von 1,2 Prozent. Der 3-Monats-Euribor liegt derzeit bei etwa minus 0,33 Prozent, zuzüglich des Aufschlages von 1,20 Prozent ergibt das aktuell einen variablen Kreditsatz von 0,87 Prozent.

109.400 Euro Restschuld bei Fixzinskredit

Daraus resultiert, im Vergleich zum fixen Zinssatz von 1,9 Prozent, ein Zinsvorteil von über ein Prozent auf den anfänglich aushaftenden Kreditsaldo. Nach zehn Jahren, bei der unterstellten fixen Verzinsung, ohne Berücksichtigung anderer Faktoren wie Gebühren, liegt die Restschuld bei rund 109.400 Euro.

100.300 Euro Restschuld bei variablem Kredit

Demgegenüber steht in einem Szenario der variablen Verzinsung auf Basis des 3-Monats-Euribor (zzgl. Aufschlag von 1,2%) mit moderaten Zinsanstiegen von jährlich 0,10 Prozent eine Restschuld von rund 104.300 Euro abzüglich einer Zahlungsersparnis von 4.000 Euro, die ebenfalls für die Tilgung verwendet werden kann. In Summe ergibt dies eine Restschuld von rund 100.300 Euro. Das wäre demnach ein deutlicher Vorteil von ca. 9.100 Euro für den variabel verzinsten Kredit.

Variabel schlägt Fixzins

Vorteile eines variablen Zinssatzes:
1. Ein variabel verzinster Kredit ermöglicht es vom historisch tiefen Niveau direkt zu profitieren. Solange der Indikatorsatz auf einem ähnlich niedrigen Niveau bleibt, bleibt auch die Zinsbelastung und somit die Kreditrate entsprechend niedrig.
2. Günstiger als Fixzinskredit. Wer jetzt einen Kredit mit fixen Zinsen abschließt, zahlt einen Wert, der über dem aktuellen variablen Zinssatz liegt.
3. Jederzeit ohne Entschädigungszahlung kündbar. Bei einem variablen Kredit sind vorzeitige (Teil-)Tilgungen ohne Weiteres und in jeder Höhe möglich - im Gegensatz zum Fixzinskredit. Bei Fixkrediten muss eine Kündigungsfrist eingehalten oder eine Vorfälligkeitsentschädigung entrichtet werden. Wer also noch über Reserven verfügt oder diese in Zukunft erwartet, etwa aus einer Erbschaft, ist vielleicht mit einem variablen Kredit besser beraten.
4. Zinserhöhungen wirken sich nur auf die verbleibende Restschuld aus . Bei eventuell späteren Zinserhöhungen wirken sich diese bei einem variablen Kredit nur noch auf den noch offenen Kredit aus. Ist der variable Kredit endfällig, wirken sich die Zinserhöhungen zumindest nicht auf die gesamte Kreditlaufzeit aus. Wie groß dieser Effekt ist, hängt von der Höhe und dem Zeitpunkt der Zinssteigerungen und der Gesamtlaufzeit des Kredites ab. Bei kürzeren Kreditlaufzeiten verringert sich der offene Saldo viel schneller als bei sehr langen Laufzeiten.

Ein variabel verzinster Kredit ermöglicht es Kreditnehmern derzeit vom historisch tiefen Zinsniveau direkt zu profitieren. Kerschbaumer: „Solange der Indikatorsatz auf einem ähnlich niedrigen Niveau wie aktuell bleibt, bleibt auch die Zinsbelastung und somit die Kreditrate entsprechend niedrig.“

Die Nachteile eines Fixzinskredits:
- Höhere Zinsbelastung. Die höhere Zinsbelastung bei einem Fixzinskredit wirkt sich auf die gesamte Kreditlaufzeit aus. Dagegen haben eventuelle spätere Zinserhöhungen bei einem variablen Kredit nur noch auf den dann bereits – durch die zwischenzeitlichen Tilgungen – verringerten Saldo eine negative Auswirkung. Ist der variable Kredit jedoch endfällig, wirken sich die Zinserhöhungen zumindest nicht auf die gesamte Kreditlaufzeit aus. Wie groß dieser Effekt ist, hängt natürlich von der Höhe und dem Zeitpunkt der Zinssteigerungen und der Gesamtlaufzeit des Kredites ab. Bei kürzeren Kreditlaufzeiten verringert sich der offene Saldo viel schneller als bei sehr langen Laufzeiten.
- Höherer Aufschlag. Je länger der Zinsbindungszeitraum, desto höher ist der Aufschlag auf den aktuellen Zins. Es wird quasi eine Prämie bezahlt, die einen in der Zukunft vor höheren Zahlungen schützt. "Gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld ist es ein schmerzlich, mehr zu bezahlen, als bei variabler Verzinsung notwendig wäre", so Kerschbaumer. Zu verlockend seien aber oft die geringen Zinsen und die Hoffnung, dass diese noch für längere Zeit auf diesem Niveau verbleiben.

Vergleich der Konditionen das Um und Auf

Doch sowohl Zinsbeispiel als auch Aufschläge variieren von Bank zu Bank teilweise erheblich. Vergleiche von Zins-Angeboten für Hypothekarkredite finden Sie unter creditnet.at. Der Sollzinssatz für ein Rechenbeispiel von creditnet beträgt beispielsweise 1,125 Prozent, der effiktive Jahreszinssatz 1,4 Prozent. Achten Sie immer auf den Effektivzinssatz. Dieser beinhaltet sämtliche Kosten.

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