
Polestar-Österreich-CEO Matthias Schabetsberger, Wirtschaftsprüferin Marie-Theres Micheltisch, trend-CEO Ralf Six, Enery-CEO Richard König und trend-Chefredakteur Bernhard Ecker (v.l.)
©trend/Alina EgelhoferBeim zweiten trend.CEO Breakfast am Europäischen Forum Alpbach diskutierten junge CEOs darüber, was es in Zeiten von Trump, KI und wirtschaftlicher Unsicherheit für die Führung von Unternehmen braucht.
Einmal im Jahr wird bei Enery Bilanz gezogen – nicht nur finanziell, sondern mit jeder Mitarbeiter:in. Wurde die festgelegte Performance-Steigerung von den Mitarbeiter:innen nicht erreicht, kann es im Februar zur Trennung kommen, erzählt Enery-CEO Richard König im Gespräch mit trend-Chefredakteur Bernhard Ecker beim trend CEO Breakfast am Europäischen Forum Alpbach. „Wir brauchen diese Performance-Culture, um gegen die Konkurrenz bestehen zu können. Bei uns gibt es aber dennoch keine Angstkultur“, erklärt der Co-Gründer des Energieunternehmens. Die Ziele für die Mitarbeiter:innen sind realistisch, durch Beteiligungsmodelle wird ihre Motivation unterstützt.
Der Spagat zwischen Leistungsanspruch und einer Unternehmenskultur, in der Mitarbeiter:innen Verantwortung übernehmen und Freiräume genießen können, zog sich durch die Diskussion zwischen jungen CEOs und einem hochkarätigen Publikum beim trend.CEO Breakfast am Europäischen Forum Alpbach. Neben König diskutierten Marie-Theres Michelitsch von der Wirtschaftsprüfungskanzlei HHP und Matthias Schabetsberger von Polestar Österreich mit trend-Chefredakteur Ecker darüber, was Führung in geopolitisch unsicheren Zeiten und sich stetig verändernden Arbeitskulturen bedeutet.
Wirtschaftsprüferin Michelitsch betonte im Gespräch die Wichtigkeit individueller Führungsansätze. „Nicht jeder Mitarbeiter will aus seiner Komfortzone, das muss man akzeptieren“, fasste sie zusammen. Mit Druck komme man daher nicht weit, individuelle Weiterentwicklungsmöglichkeiten werden immer bedeutender.
Die Wirtschaftsprüferin führt ein sehr jungen Team, Work-Life-Balance ist dementsprechend ein großes Thema. „Gehalt ist nicht mehr das Entscheidende.“ Durch Work-Life-Balance verändert sich ebenfalls die Kommunikation innerhalb des Unternehmens, Stichwort Transparenz. In der Kanzlei müsse man daher die Gehälter gar nicht transparent offenlegen. Das machen die Mitarbeiter:innen automatisch, schmunzelt Michelitsch.
Transparente Gehalts- und Bonilisten gab es hingegen bei Enery eine Zeit lang. Je größer und internationaler das Unternehmen wurde - mittlerweile ist man in 11 Ländern aktiv -, desto schwieriger wurde die Kommunikation dazu, erklärt König. Mittlerweile wurde es abgestellt. Enery beschäftigt europaweit rund 260 Mitarbeiter:innen.
Für den Polestar-Österreich-Chef Schabetsberger ist vor allem die geopolitische Unsicherheit zur Führungsfrage geworden. Zölle und Handelskonflikte machen eine langfristige Planung im Automarkt fast unmöglich. Das muss dem Team transparent kommuniziert werden. „Wir machen unsere Ziele durch Kennzahlen erklärbar. Dadurch weiß jeder Mitarbeiter, warum Entscheidungen getroffen werden“, erklärte Schabetsberger. Von seinen rund 30 Mitarbeiter:innen wird dynamischeres Agieren verlangt. Das geht nur mit Entgegenkommen von der Führungsebene, fasst er zusammen. Bei Polestar bedeutet das flache Hierarchien und nachvollziehbare Führungsentscheidungen.
Einig waren sich die drei CEOs darin, dass gute Führung mit Benefits für die Mitarbeitenden zusammenhängt – sei es ein Firmenurlaub am Meer wie bei Enery, gemeinsame Fußballmatches und gemeinsames Kochen wie bei Polestar oder eine Büro-Bar, die ab 17 Uhr geöffnet ist und vom Führungsteam gesponsert wird, wie bei HHP.
Stillstand in der Führung, so die gemeinsame Botschaft, kann sich in unsicheren Zeiten niemand leisten.