Langzeit-Miete statt Leasing bei Autos: Die Pioniere in Österreich

Mazda startet ab März mit Autos zur Langzeitmiete. Das erste Modell: Ein Madza 3.

Mazda startet ab März mit Autos zur Langzeitmiete. Das erste Modell: Ein Madza 3.

Bisher gab es für Private, die ein Auto erwerben wollen nur die Option Barzahlen, Kredit oder Leasing. Doch künftig bietet Mazda als erster Hersteller Autos in Langzeitmiete. Auch erste Mietfirmen stürzen sich auf das Geschäft. Die Vorteile, die Preise und die Unterschiede zwischen Mietwagenfirmen und Herstellern.

Im März plant Mazda, als erster Autoimporteur Österreichs, mit einem völlig neuen Mobilitätskonzept nach vorne zu preschen. Erstmals sollen Neuwagen längerfristig auch gemietet werden können. „Eine Anzahlung wie beim Leasing ist damit nicht mehr nötig“, erläutert Günther Kerle, Chef von Mazda-Österreich. Hintergrund der Innovation: „Nicht jeder hat mehr wie früher das Bedürfnis ein Auto auch tatsächlich besitzen zu müssen. Vor allem bei jungen Leuten ist der Wunsch ein Auto zu besitzen nicht mehr so ausgeprägt wie früher. Darauf wollen wir mit unserem neuen Angebot eine Antwort bieten“, so Kerle.

300 Euro im Monat für einen Kompaktwagen

In einem ersten Schritt sollen ab März Madza 3 zur Langzeit-Miete angeboten werden. Für voraussichtlich rund 300 Euro im Monat sollen Kunden ein Auto ohne zusätzliche finanzielle Verpflichtungen langfristig mieten können. Zwar wird an den Eckpunkten des Angebots noch gefeilt, aber die Mietdauer soll, ähnlich wie beim Leasing, zwei bis drei Jahren betragen. Die Miete ist ein All-Inclusive-Preis, der Kfz-Steuer, Kfz-Haftpflicht oder eine bestimmte Anzahl von Freikilometern enthält. Ebenfalls im Preis inbegriffen sind beispielsweise auch die Kosten für die Zulassung des Autos.

Kein Restwert-Risiko wie beim Leasing

Ein Restwert-Risiko wie bei der Leasing-Variante trifft den Mietkunden damit nicht. Das Risiko zu welchem Preis das Auto nach Ablauf der Miete veräußerst werden kann, trägt der Autohändler beziehungsweise der Hersteller. Bleiben für die Nutzer nur die Spritkosten. Mazda-Chef Kerle: "Diese Art des Automietens wird auch die Rolle des Händlers verändern. Händler müssen sich zu Mobilitätsdienstleistern entwickeln, die Autos zu einer Alles-inklusiv-Pauschale bereitstellen."

Hersteller sieht Vorteil gegenüber Mietwagenfirmen

Das neue Geschäftsfeld will Kerle nicht den Mietwagen-Firmen überlassen. "Sixt und Co sind nur in Stadtzentren und an Flughäfen vertreten. Autohäuser können im Gegensatz zu klassischen Autovermietern an Ort und Stelle auch servicieren, reparieren und wiederverkaufen." Mazda verfügt beispielsweise über 120 Standorte in Österreich.

Das Händler auf diese Weise um ihr Kerngeschäft, das Verkaufen von Autos, fürchten müssen, erwartet Kerle nicht: „Damit bietet sich Händlern vielmehr eine zusätzliche Ertragsmöglichkeit. Zumdem werden Händler als auch Importeure in Zukunft vom Autoverkauf allein ohnehin nicht mehr leben können. Die Umsatzrendite ist schon jetzt oft zu niedrig.“
Der Mazda-Boss sieht sowohl für Leasing als auch für Langzeit-Miete hohes Wachstumspotential. Das würde schon das Leasing-Verhalten von Kunden anderer Länder nahe legen. In England liegt der Leasing-Anteil bereits bei 80 Prozent. In Österreich beträgt dieser gerade einmal 35 Prozent. „In dieser Diskrepanz liegt unsere Chance, auch für Langzeit-Mieten", analysiert Kerle.

Start up für Langzeit-Miete erfolgreich

Doch Mietfirmen haben die neue Chance ebenfalls bereits für sich entdeckt und haben auf diesem Terrain erste Gehversuche gestartet. Einer davon ist das Wiener Start-up-Unternehmen Biz-Cars, das sich genau auf dieses Thema spezialisiert hat: die Langzeitvermietung von Autos. Der Anteil von Firmenkunden beträgt derzeit rund 70 Prozent. „Aber der Privatkundenanteil ist stark steigend“, sagt Andreas Eifert, Geschäftsführer von Biz Cars.

Langzeit-Miete bereits ab einem Monat

Im Gegensatz zu Mazda können die Autos jedoch bei Mietwagenfirmen nicht nur jahresweise, sondern bereits ab einem Monat gemietet werden. Biz-Car-Boss Eifert: „Wir bieten so maximale Flexibilität. Im Sommer können die Kunden beispielsweise für ein, zwei Monate ein Cabrio mieten, im Winter einen Allrad-SUV und wer man gerade mal etwas mehr Geld übrig hat, kann sich für ein paar Monate ein Modell der Oberklasse gönnen.“

Ab knapp 600 Euro Miete für 28 Tage

All-Inclusive-Mieten von Autovermietern sind jedoch im Schnitt erheblich teurer als jene von Mazda. So verlangt Biz-Car, neben einer Kaution von einer Monatsmiete, für einen Opel Adam, der 28 Tagen verliehen wird, beispielsweise 599,20 Euro. Im Winter kommt für dieses Modell noch eine Winterreifenpauschale von 95,20 Euro pro Monat hinzu. Ein für 30-Tage geborgter 7er BMW schlägt sich schon mit einer Gebühr von 2.570,88 Euro zu buche. Inklusive Kaution muss man für den noblen Schlitten schon 4.713 Euro hinblättern. Die Autos können an über 30 Standorten in Österreich übernommen und wahlweise auch dort zurückgegeben werden. "Wer jedoch ein Auto über längere Zeit mieten will, hat auch gute Chance auf einen Preisnachlass", sagt Eifert.

Ein weiterer Anbieter am Sektor Langzeitmiete ist funcar.at. Das günstigste Modell des Wiener Unternehmens sind sogenannte City-Flitzer, die es ab 599.90 Euro im Monat gibt. Ein Mittelklassewagen kostet ab einer Mietdauer von vier Wochen 799,90 Euro. Für all jene, die in dieser Zeit nicht mehr als 3.000 Kilometer fahren, fallen keine zusätzlichen Kosten pro zusätzlich gefahrenem Kilometer an. Kaution fällt keine an, es reicht eine Kreditkarte. Dort wird zwar geprüft, ob diese ausreichend gedeckt ist, aber der Betrag wird nicht abgebucht.

Europaweites Service bei Problemen mit dem Auto

Zu den weiteren Anbieter zählt Hertz, die älteste Mietwagenfirma Europas. Das Angebot umfasst Modelle aller europäischen Hersteller und japanische Hybrid-Modelle. Der Mietspezialist verfügt zwar nur über 18 Stationen in Österreich, sieht dafür aber andere Vorteile für Kunden, die Autos für mindestens 30 Tage mieten. Heinz Russka, Verkaufleiter Hertz Österreich: "Wer technische Probleme oder einen Unfall hat, erhält sofort von unserem europaweiten Hertz-Netz Hilfe und ist sofort wieder mobil."

Spätestens alle sechs Monate werden die Autos durch neue ersetzt

Ein weiterer Vorteil des Autovermieters: "Unsere Autos werden alle vier bis sechs Wochen getauscht. Unsere Kunden sind damit nur mit neuen Autos unterwegs", so Russka. Die Nachfrage von Privatkunden nach Langzeitmieten ist derzeit bei Hertz allerdings noch überschaubar: "Unsere Kunden sind typischerweise Firmen, die etwa einen neuen Mitarbeiter einstellen und für die Probezeit zunächst nur ein Auto monatsweise anmieten oder Betriebe, die ein bestimmtes Produkt auf den Markt bringen und für die Zeit der Präsentation einen Kombi mieten." Doch auch er sieht für Langzeitmiete an Private Potential: "Die Politik versucht durch hohe Parkgebühren, Autos immer stärker aus der Stadt zu drängen. Das schreckt Autokäufer ab. So manch einer, der nicht täglich das Auto braucht, wird monatsweise ein Langzeit-Miete in Betracht ziehen. Auch für jene, die nicht so finanzstark sind und keine Anzahlung leisten können oder wollen, ist das eine Option."

Monatliche Rate für Firmen als Betriebsausgabe abzugsfähig

Generell sind Betriebe und Selbstständige die größte Nutzergruppe von Langzeit-Mieten, wie sie etwa von Flottenmanager LeasePlan angeboten werden. Wie beim Leasing sind auch bei Langzeiten-Mieten die monatlichen Raten in voller Höhe als Betriebsausgabe abzugsfähig.

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