VW stellt Weichen für historischen Konzernumbau

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
3 min
Artikelbild
 © APA/APA/dpa/Stefan Rampfel

©APA/APA/dpa/Stefan Rampfel
  1. home
  2. Aktuell
  3. Unternehmen

Volkswagen steht vor einem tiefgreifenden Umbau: 50.000 Stellen sollen wegfallen, die Modellpalette schrumpfen. Werksschließungen sind vorerst nicht beschlossen – für vier deutsche Standorte bleibt die Zukunft jedoch ungewiss.

Der VW-Konzern, Europas größter Autobauer, will in den kommenden Jahren weitere 50.000 Stellen streichen, die Zahl seiner Modelle deutlich reduzieren und Firmenbeteiligungen abbauen. Vier Werke in Deutschland – eines davon von der Tochter Audi – stehen weiter auf der Kippe.

Der Aufsichtsrat billigte am Donnerstagabend nach wochenlangen Auseinandersetzungen einstimmig weite Teile des Sanierungskonzepts von Konzernchef Oliver Blume. Eine weitere Eskalation zwischen Vorstand, dem Land Niedersachsen als maßgeblichem Anteilseigner und der Arbeitnehmerseite ist damit vorerst vom Tisch.

Mit dem „Zukunftsplan 2030“ sollen Volkswagen und seine Marken leistungsfähiger und wettbewerbsfähiger werden. Blume sprach von einem starken Signal für die Zukunft. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies betonte angesichts der Herausforderungen für Volkswagen und die deutsche Autoindustrie die Bedeutung eines gemeinsamen Weges bei der Transformation.

Auch IG-Metall-Chefin Christiane Benner und Konzern-Betriebsratschefin Daniela Cavallo begrüßten die Einigung. Der Zukunftsplan sei notwendig, dürfe aber nicht einseitig auf Kosten der Beschäftigten gehen.

Volkswagen bezeichnet den Zukunftsplan als das „strategisch tiefgreifendste Transformationsprogramm“ in der Geschichte des Konzerns. Für die europäischen Werke soll bis Ende Juni 2027 ein Konzept für eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Produktionsstruktur entwickelt werden.

Der Konzern sieht in Europa Überkapazitäten von 500.000 Fahrzeugen. Für die Werke Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm sei ab den Jahren 2031 bis 2034 derzeit keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gesichert. Für die Standorte sollen alternative Nutzungsmöglichkeiten geprüft werden.

Neben dem geplanten Abbau von rund 50.000 Stellen soll bis 2035 auch die Modellpalette um rund 50 Prozent schrumpfen. Die Angebotskomplexität soll um rund 75 Prozent sinken. Zudem sind schlankere Führungsstrukturen und kürzere Entscheidungswege geplant. Das Portfolio der Beteiligungen und Geschäfte soll um rund ein Drittel reduziert werden.

IG Metall und Konzernbetriebsrat betonten, eine Eskalation sei verhindert worden. Kein Werk sei aufgegeben und keine Werksschließung beschlossen. Gleichzeitig kritisierten sie den Konfrontationskurs und die Kommunikation des Vorstandes in den vergangenen Wochen.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer bezeichnete den Zukunftsplan als „Light-Version“. Die Werkschließungen seien „nicht beschlossen, aber auch nicht ausgesetzt“. In den kommenden Monaten werde weiter über Produktpläne, Verbesserungen und mögliche Werksschließungen gesprochen. Es dürfte damit zwar etwas Entspannung einkehren – von „Frieden“ könne aber noch lange keine Rede sein.

Über die Autoren

Logo
trend. Newsletter

Die wichtigsten Wirtschaftsthemen des Tages