Porsche-Holding-CEO: „Chinesen können auch Vorbild sein"

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Hans Peter Schützinger
 © Porsche Holding/Kawka

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Die Porsche Holding Salzburg ist mit 40,7 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2025 derzeit Österreichs größtes Unternehmen. CEO Hans Peter Schützinger erklärt im trend-Exklusivinterview, wie das Rekordergebnis trotz Autokrise zustande kam.

trend: Herr Schützinger, Glückwunsch: Die Porsche Holding Salzburg ist mit mehr als 40 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2025 Österreichs größtes Unternehmen und wird im Ranking der trend Top 500 kommenden Juni* den ersten Platz belegen. Hat eigentlich die VW-Zentrale in Wolfsburg schon gratuliert? So viele gute Nachrichten aus dem Konzern gibt es derzeit ja nicht.

Hans Peter Schützinger (lacht): Wir präsentieren in unserem Aufsichtsrat regelmäßig gute Nachrichten. Nach Veröffentlichung unserer Zahlen habe ich zahlreiche positive SMS erhalten, was einen natürlich freut. Aber schiere Umsatzgröße ist für uns nicht die maßgebliche Kennzahl.

Aha, warum?

Für uns ist viel wichtiger, wie wir am Markt reüssieren – und dazu gehören Marktanteile, Kundenzufriedenheit, Effizienz und Profitabilität. Der Umsatz ist dabei ein KPI unter mehreren.

Wieso geben Sie keine Gewinnzahlen an?

Wir sind in diesem Punkt dem Konzern gegenüber berichtspflichtig, die Gewinne fließen in sein Ergebnis mit ein.

Ich nehme an, Sie tragen einen erheblichen Teil zu den geschrumpften Gewinnen von nur noch 6,9 Milliarden Euro des gesamten VW-Konzerns bei?

Als Porsche Holding tragen wir unseren Teil zum Ergebnis bei. Das anerkennt und honoriert der Konzern auch. Mehr kann ich darüber hinaus nicht sagen.

Sie erreichen in Österreich einen Marktanteil von rund 40 Prozent. Das ist eine fast marktbeherrschende Stel­lung.

2025 schlossen wir mit einem Rekord von 39,6 Prozent ab. Aktuell herrscht ein unglaublicher Wettbewerb, der durch die Transformation zur E-Mobilität und den Eintritt der chinesischen Marken zusätzlich angeheizt wurde. Wir bewegen uns sicher am oberen Ende der Skala. ­

Die Autoabsätze generell schrumpfen, auch bei den VW-Konzernmarken. Warum verkaufen gerade Sie so viele Autos, weltweit mehr als eine Million, in Österreich mehr als 110.000?

Wir haben als Basis starke Marken und ein sehr breit aufgestelltes Produktportfolio, das vom Kleinwagen bis zum Luxussegment alles abdeckt. Die Mitbewerber bauen auch schöne Autos, das darf man fairerweise sagen. Aber was den Unterschied macht, ist am Beispiel Österreich am einfachsten erklärt: Wir haben eine über die Jahrzehnte gewachsene, starke und kompetente Vertriebsorganisation, mit der wir alle Bereiche rund ums Auto abdecken: Verkauf, Service, After Sales, Energie- und Lademanagement, Mobilitätslösungen, Finanzierung und Versicherung. Dieses System haben wir in jene Länder (29, Anm.), in denen wir tätig sind, so weit wie möglich transformiert. Das gib uns Flexibilität, Robustheit und Resilienz.

Die Umsatzsteigerung von 28 auf 40 Milliarden Euro liegt darin begründet, dass die Porsche Holding Salzburg nun die VW-Konzernmarken in Italien und Schweden vertreibt. Gibt es noch andere Märkte, die Sie gerne übernehmen würden?

Wir haben mit der Marktverantwortung für den Großhandel in Italien und Schweden einen nachhaltigen Wachstumsschritt gemacht. Die Integration kommt gut voran und wird Ende 2027 abgeschlossen sein. Mit unserer erfolgreichen Arbeit stellen wir uns natürlich ins Schaufenster und sind grundsätzlich offen für neue Aufgaben. Das Wichtigste aktuell ist, dass wir unsere guten Marktpositionen halten und dass das Wachstum der neuen Wettbewerber nicht zu unseren Lasten passiert.

Die Firewall hält also noch.

Ja, sie hält, auch wenn sich unsere Welt mit den geopolitischen und konjunkturellen Krisen höchst unterschiedlich entwickelt. In Europa wollen wir das profitable Wachstum u. a. mit Neuakquisitionen wie mit Porsche im Raum Florenz weiter vorantreiben. Neben reifen Ländern wie Österreich und Deutschland zählen für uns gerade Italien und Schweden zu den Wachstumsmärkten. In Schweden konnten wir den Marktanteil 2025 von rund 25 Prozent auf über 30 Prozent steigern. In China, den ASEAN-Staaten oder Südamerika werden wir den eingeschlagenen Kurs der Konsolidierung weiter fortsetzen. Aber insgesamt wird sich unser Tempo in den nächsten beiden Jahren eher verlangsamen – unser Fokus zielt verstärkt auf qualitatives Wachstum.

Gibt es Länder, in denen Sie nicht tätig sein wollen?

Konkret haben wir in der Vergangenheit Angebote, etwa in Russland oder auch in Dubai tätig zu sein, ausgeschlagen. Das hat sich im Nachhinein betrachtet als richtig erwiesen. Wir sind im Wesentlichen Spezialisten für kleinere und mittelgroße Märkte in Europa, da liegt unser Fokus. Unsere Stärken sind die hauseigenen Skaleneffekte, die uns Wettbewerbsvorteile bringen. Zum Beispiel bei der IT, die wir speziell für den Automobilhandel entwickeln und von Salzburg aus über alle Länder ausrollen und so einen nachhaltigen Mehrwert schaffen können. Das ist für uns wichtiger, als immer nur neue Länder zu übernehmen.

Warum ist der VW Golf im ersten Quartal 2026 wieder das meistverkaufte Auto in Österreich? Der Golf ist nicht gerade das zukunftsträchtigste Fahrzeug.

Österreich ist neben Deutschland das Golf-Land schlechthin. Der Golf ist der Urmeter des Kompaktwagens verbunden mit einem hohen Wiederverkaufswert. Mit einem Golf ist es wie mit dem perfekten Kleidungsstück – er passt einfach immer und hat sich so über Generationen eine große Anhängerschaft erarbeitet. Der Österreicher und der Deutsche sind beim Autokauf eher konservativ. Deshalb werden die neuen Elektroautos von VW wieder an die alten Markennamen anknüpfen, wie der ID.Polo beispielsweise.

*Das Ranking der größten Unternehmen Österreichs, die trend TOP 500, erscheint am 26. Juni 2026.

Der heimische Autoriese

In Österreich wurden 2025 gesamt rund 300.000 Autos verkauft. 63 Prozent davon waren Flotten- oder Firmenfahrzeuge, nur 36 Prozent gingen an Private. Können sich Private keine Autos mehr leisten?

Der steigende Anteil am Firmenfahrzeugen hat viel mit der steuerlichen Situation zu tun, denn viele Unternehmen verwenden heutzutage das Auto als Teil des Gehalts, wobei das Gros der Mittel-und Oberklassefahrzeuge an Firmen geht, während der Privatkäufer vorrangig auf Klein- oder Kompaktwagen zurückgreift. Die elektrische Transformation erfolgt ebenfalls über Firmen- und Dienstwagenflotten. Die Privaten setzen erst jetzt stärker aufs Elektroauto. Vor allem dann, wenn sie Strom aus der eigenen PV-Anlage nützen können.

Das Alter der Käufer von Neuwagen steigt beständig, wie jenes von Printlesern. Es liegt jetzt im Durchschnitt bei über 50. Wo ist der Nachwuchs? Machen Sie sich auch schon Sorgen?

Nein, keineswegs, denn die individuelle Mobilität ist ein Grundbedürfnis. Durch die Schwäche des öffentlichen Verkehrs abseits des urbanen Raums ist das Auto nach wie vor die beste Lösung. Das gilt für Jung und Alt.

Bringen die hohen Spritpreise den endgültigen Durchbruch der E-Mobilität?

Das Hauptwachstum fand im ersten Quartal 2026 im Wesentlichen bei den Hybridantrieben statt, während der Anteil reiner E-Autos nur leicht auf 22,5 Prozent stieg. Aktuell merken wir jedoch in unseren Schauräumen und auf den ­Gebrauchtwagenplätzen ein verstärktes Interesse an Elektroautos. Auch die Zahl der elektrischen Probefahrten ist im Steigen, aber verstärkt gekauft wird noch nicht. Das wird von der Länge der Krise und den Sprit- und Energiepreisen abhängen, wobei auch Strompreiserhöhungen angekündigt sind.

Der Berater EY hat kürzlich eine Studie präsentiert, in der die Profitabilität von 19 Autokonzernen weltweit untersucht wurde. Ergebnis: Belastungen von 60 Milliarden Euro wegen revidierter Elektrostrategien, Gewinne sinken um 50 Prozent, deutsche Konzerne weisen von allen die schwächste Umsatz- und Absatzentwicklung auf. Fazit: Einige Konzerne seien potenziell in ihrer Existenz bedroht. Sehen Sie das auch so?

Die Automobilindustrie ist Europas letzte Leitindustrie. Die Branche ist seit Jahren mit der Transformation auf Elektromobilität und den damit verbundenen Investitionen, den drohenden CO2-Strafzahlungen sowie multiplen geopolitischen Krisen samt Zollthematik extrem unter Druck. So eine Konstellation war noch nie da. Europa und die Autoindustrie müssen sich anpassen. Der Volkswagen-Konzern steuert dem mit einem umfangreichen Kosten- und Effizienzprogramm aktiv entgegen und richtet sein Geschäftsmodell zukunftsfähig aus.

20 Prozent der Kosten sollen konzernweit eingespart werden, allein in Deutschland werden 50.000 Mitarbeiter bis Ende des Jahrzehnts abgebaut.

Strikte Kosten- und Investitionsdisziplin sind kein Selbstzweck, sondern Basis für neue Investitionen, Wachstum und Zukunftsfähigkeit. Der Volkswagen-Konzern hat 2025 einen deutlich positiven Cashflow sowie Gewinne eingefahren und damit Luft zum Atmen, die er für die Transformation braucht. Was wir zudem benötigen, ist Wettbewerb auf Augenhöhe mit einer fairen Subventions- und Zollpolitik. Europa muss sich mit konkurrenzfähigen Standortbedingungen und einem Fokus auf Innovation, Fachkräfte und Bildung wieder wettbewerbsfähig machen.

Der neue Renault-Chef François Provost hat angesichts der prekären Lage kürzlich gemeint: „Wir müssen innovativ und schnell genug sein, um unsere chinesischen Mitbewerber hinter uns zu lassen.“ Und er kritisierte den „Tsunami an Regulierungen in Europa“. Das unterschreiben Sie, oder?

Das klingt schon sehr vernünftig. Aber wir sollten die Chinesen grundsätzlich nicht als Feindbild betrachten. Sie können auch Vorbild für uns sein, etwa wie flexibel sie ihre Software entwickeln oder in Bezug auf ihre Geschwindigkeit, auf geänderte Rahmenbedingungen einzugehen. Die EU hat zum Beispiel Zölle auf chinesische Elektroautos eingeführt, dabei aber vergessen, auch Hybride bei den Zusatzzöllen einzubeziehen. Das hat China blitzartig erkannt und liefert jetzt verstärkt hybride Fahrzeuge aus.

Die Software war im VW-Konzern viele Jahre das Problem. Ist man den Chinesen schon nähergekommen?

Wir haben in den letzten Jahren viele Hausaufgaben gemacht und denken das Auto der Zukunft von der Softwareseite aus. Dabei komplementieren wir unsere Eigenentwicklungen mit strategischen Partnerschaften wie Rivian für die westlichen Märkte und Xpeng für China. So bringen wir neue technologische Lösungen schneller und kostengünstiger in unsere Autos.

VW hat drei große Joint Ventures in China. Ist das die Zukunft?

Das hat historische Gründe. Aber regionale Kooperationen und lokale Entwicklung sind wichtiger denn je, um die weltweiten Märkte maßgeschneidert zu bedienen. Es gibt heute kein „Weltauto“ mehr, die Regionen entwickeln sich unterschiedlich. China treibt die Elektrifizierung voran, in den USA liegt der Fokus wieder beim Verbrenner. Der Konzern passt sich an und arbeitet mit den besten Partnern in den Regionen zusammen.

Die Porsche Holding Salzburg ist auch in China vertreten. Dort schwächelt das Geschäft.

Wir leiden im ehemaligen Boommarkt China unter einer anhaltenden Marktschwäche des Luxusmarktes, der dort im dritten Jahr in Folge im Rückwärtsgang unterwegs ist. Auch wir haben unser Händlernetz mit Fokus auf ein profitables Geschäftsmodell entlang der Markt- und Volumenentwicklung neu ausgerichtet. Wir glauben weiterhin an das Potenzial, das der chinesische Markt uns bietet.

Ein Riese in der Krise

Noch einmal zurück in die Heimat: Sie haben die wirtschaftlichen Herausforderungen in einem „Kurier“-Interview als „Angriff auf unseren Wohlstand“ bezeichnet. Wie kann man also gegensteuern?

Die hohen Produktions-, Energie- und Lohnkosten setzen uns auf der Kostenseite ordentlich unter Druck. Hinzu kommen weiterwachsender Bürokratismus und zu komplexe Regelwerke. Die EU und die Nationalstaaten wollen als Kopf des Ganzen die Bürokratie stärker zurückfahren, aber bislang mit wenig Erfolg. So würde zum Beispiel die Umsetzung des aktuellen Entwurfs der Entgelttransparenzrichtlinie, die vom Grundsatz her in Ordnung ist, für die Wirtschaft überbordende Maßnahmen bringen, also ein klassisches Gold-Plating. Das zieht sich letztendlich durch alle Bereiche. Wir im Unternehmen haben jedes Jahr Fitnessprogramme, um effizienter zu werden. Das bräuchte der Staat auch – eine effiziente Verwaltung, anstatt immer über neue Steuern nachzudenken. Und wir müssen uns als Gesellschaft wieder auf unsere Stärken besinnen, die uns groß gemacht haben: So abgegriffen das klingen mag, aber Wohlstand ohne Leistung wird es einfach nicht geben!

Sie waren beim CEO-Dinner des trend mit Bundeskanzler Christian Stocker zu Gast. Was ist Ihr Eindruck von dieser Regierung?

Die Regierung bemüht sich und hat Maßnahmen zur Wirtschaftsbelebung gesetzt. Man versucht, das Optimum aus dieser Dreierkoalition herauszuholen.

In Ihrem Satz könnte schon das Problem begründet sein.

Wollen wir es positiv formulieren. Drei Parteien versuchen in all ihrer Unterschiedlichkeit das Beste für das Land. Es ist nicht alles so, wie man es sich vorstellt, aber man muss ja in einer Demokratie nicht immer in allem zustimmen. Aber langfristig brauchen wir wieder mehr Privatwirtschaft und weniger Staatswirtschaft.

Zum Abschluss eine persönliche Frage: Sie werden im Juni 66, sind seit 37 Jahren im Haus. Wie lange stehen Sie noch an der Spitze der Porsche Holding?

Derzeit sind wir als Unternehmen sowie in der Geschäftsführung als Team sehr erfolgreich unterwegs und es macht viel Spaß. Fragen Sie mich gerne in einem Jahr wieder, dann kann ich Ihre Frage beantworten.

Zur Person

Das Interview ist in der trend.EDITION vom 24. April 2026 erschienen.

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