Warum das Schwarze Kameel wenig auf Touristen setzt

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Am Land geht es vielen Wirtshäusern wirtschaftlich schlecht. Im Ersten Bezirk in Wien hingegen gibt es keine Gastrokrise - zumindest nicht im „Zum Schwarzen Kameel".

Die Zeitmaschine des „Schwarzes Kameel“ hört sich an wie eine ausgeklügelte Touristenattraktion. Verantwortlich für die Zeitreise ist jedoch wider Erwarten nicht das Jugendstil-Interieur der über 400 Jahren alten Institution, sondern viel mehr die Reservierungspolitik von „Schwarzes Kameel“-Chef Peter Friese. „Die Touristen buchen bei uns einen Zeitslot und bleiben für zwei Stunden. Wir wissen genau, wie lange sie bleiben. Es ist wie eine Zeitmaschine. Das können wir mit Österreichern nicht verhandeln“, schmunzelt ­Friese.

Zwar machen Tourist:innen nur etwa zehn bis fünfzehn Prozent seiner Gäste aus, für die Auslastung sind sie dennoch wichtig. Denn die Gästefrequenz lasse sich immer schwerer voraussehen. Für ein Lokal, das sieben Tage die Woche von acht Uhr früh bis Mitternacht geöffnet hat, eine heikle Angelegenheit. Tourist:innen können neue „Lücken“ schließen und bieten – dank Zeitmaschine – eine gewisse Planungsicherheit, so Friese. „Das Geld der Touristen ist ja nicht schlechter.“

Friese, der neben dem „Schwarzes Kameel“ das Spitzenrestaurant „Beletage“ und die fußläufig gelegene „­Campari Bar“ betreibt, macht keinen Hehl daraus, dass sein Geschäft „sehr gut läuft“. 2024 erwirtschaftete er einen Gewinn von 1,45 Millionen Euro, der Bilanzgewinn lag bei über acht Millionen Euro. In den drei Lokalen beschäftigt er knapp über 200 Mitarbeitende. Ein Drittel des Umsatzes stammt aus dem „Kameel“, wobei das berühmte Delikatessengeschäft nur eine „Liebhaberei“ sei. Eine Liebhaberei, die man sich leisten können muss, ebenso wie die Entscheidung, keinen besonderen Fokus auf Tourist:innen zu legen. Im Schanigarten zeigt sich jedoch schnell, dass auch internationale Gäste wissen, worum es in Wiens berühmtester Zeitmaschine geht – ums Sehen und ums Gesehenwerden.

Wie es anderen Wiener Groß-Gastronomen geht, lesen Sie in der aktuellen trend-Ausgabe.

Der Artikel ist im trend.PREMIUM vom 20. Februar 2026 erschienen.

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