Ohne Trafos keine KI und ohne Digitalisierung keine industrielle Skalierung

In Kooperation mit Fabasoft.
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Stark auf der Mittelstrecke. Mittelleistungstransformatoren verbinden als Teil der energiekritischen Infrastruktur Netzebenen über mittlere Distanzen.

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Wie digital ist die Industrie wirklich? Zwei Experten über vernetzte Prozesse, europäische Software und KI: Martin Sigmund, Siemens Energy, und Andreas Dangl, Fabasoft Approve, im Gespräch.

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Herr Sigmund, Sie schreiben in einem LinkedIn-Beitrag: „Ohne unsere Transformatoren gibt es keine KI.“ Verändert das den Blick Ihres Unternehmens auf die eigene Digitalisierung?

Martin Sigmund

Der globale Bedarf an KI und Rechenzentren macht noch sichtbarer, welche Rolle Transformatoren für kritische Infrastruktur spielen. Das erhöht auch unseren Anspruch an die eigenen Prozesse. Digitalisierung bedeutet für mich nicht, noch ein weiteres Tool einzuführen, sondern Abläufe zu vereinfachen, Informationen nutzbar zu machen und Entscheidungen zu beschleunigen. Innovation zählt erst, wenn sie in der Praxis ankommt.

Herr Dangl, Sie sehen täglich, wie Unternehmen wie Siemens Energy ihre Prozesse digitalisieren. Wo hakt es am häufigsten – technisch oder organisatorisch?

ANDREAS DANGL

An der Technik liegt es selten. Das eigentliche Problem ist die Skalierung in die Breite. Gerade beim Thema KI ist es verlockend, ein aufwendiges System zu konzipieren, ein Leuchtturmprojekt zu realisieren und dabei zu vergessen, dass der flächendeckende Nutzen echte Knochenarbeit ist. Genau das ist unser Anspruch: diese Arbeit gemeinsam mit dem Kunden zu meistern, um den vollen Return on Investment tatsächlich zu realisieren.

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Siemens Energy arbeitet mit einem globalen Netz an Zulieferern, Partnern und Kunden. Wie managen Sie werksübergreifende Dokumenten- und Qualitätsprozesse?

Martin Sigmund

Ich spreche für unser Transformatorengeschäft in Europa – mit 950 Mitarbeitenden an den Standorten Linz, Dresden und Trento. Die Anforderungen sind hoch, wir haben viele Partner, Schnittstellen und Dokumente. Unser Ansatz ist klar: weg von Fileshares und Insellösungen, hin zu harmonisierten digitalen Prozessen, und das standortübergreifend und in einheitlichen Strukturen. Digitalisierung ist für uns dann gelungen, wenn sie die Arbeit einfacher, schneller und verlässlicher macht. Das war auch unser Anknüpfungspunkt mit Fabasoft.

ANDREAS DANGL

Die eigentliche Herausforderung liegt beim Unternehmen selbst. Siemens Energy leistet gerade eine enorme Standardisierungsarbeit zwischen den Werken, von Italien bis Deutschland. Das ist auch ein Wettbewerbsthema. Wenn Werke standortübergreifend zusammenarbeiten sollen, muss auch die Dokumentation nach gemeinsamen Standards funktionieren. Dafür braucht es harmonisierte digitale Strukturen, und genau dabei hilft Fabasoft Approve.

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Welche konkreten Ergebnisse haben Sie durch den Einsatz von Fabasoft Approve erzielt?

Martin Sigmund

Wir haben in Linz File-share-Bereiche in harmonisierte Strukturen überführt. Für neue Projekte nutzen wir standortübergreifend einheitliche Ablagestrukturen. Im Alltag bedeutet das: klare Abläufe, nachvollziehbare Freigaben, deutlich weniger Such- und Abstimmungsaufwand. Einzelne Kennzahlen messen wir nicht isoliert. Digitalisierung ist für uns kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung, um effizienter und wettbewerbsfähiger zu bleiben. Gerade gegenüber Regionen, in denen industrielle Skalierung deutlich schneller funktioniert, ist das strategisch entscheidend.

Ein wichtiger Faktor war auch das Thema Informationssicherheit. Standards wie ISO 27001 sind dabei ein relevanter Maßstab. Europäische Systeme passen gut zu unserem Anspruch an Verlässlichkeit, Compliance und digitale Souveränität. Unser Geschäft ist stark international geprägt, und auch unsere Kunden schätzen verlässliche, sichere und nachvollziehbare digitale Prozesse. 

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Wie verändert KI die Anforderungen an Dokumentation und Qualitätsmanagement? Entlastet sie Teams oder schafft sie neue Komplexität?

ANDREAS DANGL

Wir arbeiten aktuell gemeinsam an einem KI-Projekt: Kundenspezifikationen für neue Transforma-torenprojekte werden automatisiert ausgelesen, ausgewertet und in ein Datenmodell überführt, um damit Angebote deutlich schneller erstellen zu können. Es geht um 40 bis 50 Parameter, für die heute Expert:innen Hunderte Seiten Spezifikationen manuell durcharbeiten. Das kann KI schneller, verlässlicher und rund um die Uhr. Der Business-Nutzen ist direkt messbar.

Martin Sigmund

Wobei es noch komplexer ist. Kundenspezifikationen umfassen zwischen 20 und über 1.000 Seiten, Dokumente referenzieren einander, Angaben können widersprüchlich sein. Die Software muss das verstehen, relevante Parameter extrahieren und bei Unklarheiten den User darauf hinweisen. KI muss sinnvoll in die Lösungen integriert sein, die wir im Alltag verwenden. Wir können nicht auf jedem Gebiet Spezialisten sein – entscheidend ist, mit den richtigen Partnern Technologie so in unsere Prozesse zu bringen, dass daraus industrielle Wirkung entsteht. Was wir in der Vergangenheit auf Basis von Expertenwissen manuell geleistet haben, kann KI heute bereits in wesentlichen Teilen übernehmen und Erkenntnisse aus Parallelprojekten und historischen Daten verknüpfen. Das ist der entscheidende Wettbewerbsvorteil gegenüber tradierten Arbeitsweisen. Und es ist erst der Anfang: Unser Zielbild ist eine digital durchgängige Kette von der Spezifikation über das Engineering bis zur Maschinensteuerung. Wir nennen das die smarte Trafomanufaktur.

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Was ist Ihre persönliche Prognose: Welches Thema wird das Gespräch über Industriedigitalisierung in zwei Jahren dominieren?

ANDREAS DANGL

KI wird uns noch lange begleiten. Wir haben bei Weitem nicht vollständig erfasst, welches Potenzial darin steckt. Der erste Hype ist vorbei, ein gewisses Tal der Ernüchterung hat sich eingestellt. Jetzt geht es darum, KI zu professionalisieren und wirklich in die Breite zu bringen.

Martin Sigmund

Ich sehe es ähnlich. In zwei Jahren reden wir nicht mehr über Digitalisierung als Schlagwort, sondern darüber, ob wir skalierbare, industrielle Wirkung erzeugen. KI muss mit Produktivität, Geschwindigkeit und Umsetzung verbunden werden. Dafür müssen wir mutiger werden und Prozesse konsequenter, disruptiver und stärker automatisiert denken. Entscheidend ist, dass wir Digitalisierung bzw. KI zur Managementaufgabe machen, nicht irgendwo in der Organisation verankern und hoffen, dass es wird. Digitalisierung ist nur dann erfolgreich, wenn sie im Shopfloor und bei den Menschen wirkt. Die Zukunft gehört nicht den lautesten Versprechen, sondern den wirksamsten Ergebnissen.

Zu den Personen

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 © Michael Hofer/light-moments.at
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 © Siemens Energy/Markus Schneeberger

Zu den Unternehmen

Siemens Energy gehört zu den weltweit führenden Unternehmen der Energietechnologie. Zum Portfolio zählen konventionelle und erneuerbare Energietechnik, zum Beispiel Gas- und Dampfturbinen, mit Wasserstoff betriebene Hybridkraftwerke, Generatoren und Transformatoren. Mit der Windkraft-Tochter Siemens Gamesa gehört Siemens Energy zu den Weltmarktführern bei erneuerbaren Energien. Geschätzt ein Sechstel der weltweiten Stromerzeugung basiert auf Technologien von Siemens Energy. Der Konzern beschäftigt weltweit 105.000 Mitarbeitende und erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 39,1 Milliarden Euro: siemens-energy.com

Fabasoft Approve ist ein europäischer Hersteller von Dokumenten- und Qualitätsmanagementsoftware für die Industrie. Dank der einfachen Anpassbarkeit via No-Code/Low-Code lassen sich kundenspezifische Anforderungen innerhalb kürzester Zeit umsetzen. Zahlreiche international tätige Großunternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau vertrauen auf das Produkt. Die Fabasoft Approve ist Teil der Fabasoft-Gruppe, die im Geschäftsjahr 25/26 mit 505 Mitarbeitenden einen Umsatz von rund 90 Millionen Euro erwirtschaftete: fabasoft.com/approve

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