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Der Bundespräsident erinnerte an die finsteren Zeiten der österreichischen Geschichte - Jahre, in denen eine menschenverachtende, rechtsextreme Ideologie, der Nationalsozialismus, Menschen in "wertvoll" und "wertlos" eingeteilt habe: "Wer dazu gehörte, hatte nichts zu befürchten. Wer nicht dazu gehörte, alles."
Am Ende sei der Holocaust gestanden, "das Menschheitsverbrechen schlechthin", an dem auch viele Österreicher mitschuldig gewesen seien: "All das im Namen eines völkischen Reinheitswahns, der nichts mit der Wirklichkeit des Menschseins und Österreichs Geschichte und Identität zu tun hatte". Denn Österreich sei immer schon ein Ort der Begegnung von Menschen verschiedenster Herkunft, vor allem aus den verschiedensten Ecken der ehemaligen Monarchie, gewesen.
Die Zweite Republik sei dann eine einzige Erfolgsgeschichte geworden, betonte der Bundespräsident. Möglich sei dies geworden, weil man gelernt habe, dass es geradewegs in den Abgrund führe, wenn man sich als Volk spalten lasse und unversöhnlich andere zu Feinden erkläre, verspotte, erniedrige und verfolge. Man habe gelernt, gute Kompromisse zu finden und aufeinander zuzugehen.
Er glaube nach wie vor, dass die Haltung "Wir werden uns schon einigen" das gute österreichische Erfolgsrezept sei: "Ich glaube nach wie vor, dass das Fundament, auf dem dieses Land gebaut ist, stark und tragfähig ist", betonte der Bundespräsident.
Die Österreicher ersuchte er, sich nicht einreden zu lassen, dass nur gewisse Menschen "das wahre Volk" seien: "Das Volk sind schon wir alle. Egal, wen wir wählen. Egal, wen wir lieben. Egal, woran wir glauben. Egal, welcher Minderheit oder welcher Mehrheit wir angehören."