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Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer tauschten sich am Nachmittag in Arbeitsgruppen zu insgesamt fünf Themenbereichen ("Öffentlich-rechtlicher Auftrag und Programm", "Jugend und Medienkompetenz", "Digitalisierung, Plattformen und Künstliche Intelligenz", "Strukturen, Governance und Repräsentanz des Publikums", "Kooperationen und Medienstandort Österreich") aus. Ergebnisse daraus sollen Freitagmittag präsentiert werden. Aus der Kooperationen-Arbeitsgruppe erfuhr die APA, dass durchaus konstruktiv diskutiert worden sei und es in manchen Punkten gute Fortschritte gegeben habe - etwa in puncto gemeinsamer Vermarktung, Verlinkungen auf ORF.at oder auch mehr Sichtbarkeit für österreichischen Content durch eine Ausweitung der ORF-Archivregelung.
Die "Gesamtreform" des öffentlich-rechtlichen Medienhauses werde "sicher kein einfaches Unterfangen", räumte Babler zum Auftakt der Veranstaltung vor Medienvertretern ein. Im Vorfeld des Forums gaben mehrere Parteien bereits ihre Vorstellungen preis. Die ÖVP ließ damit aufhorchen, dass sie sich auch eine Finanzierung des ORF aus dem Bundesbudget vorstellen könne, womit sie vom ORF-Beitrag in Form einer Haushaltsabgabe, welche die Partei selbst noch vor wenigen Jahren installiert hat, abrücken würde.
ÖVP-Generalsekretär und Mediensprecher Markus Gstöttner führte eine Budgetfinanzierung - neben einer reduzierten Haushaltsabgabe - erneut als Option an. Generell wünsche er sich eine Reform in Richtung eines "modernen, effizienten und regional strukturierten ORF". Die Alleingeschäftsführung sei "ein bisschen aus der Zeit gefallen". Zudem brauche es einen schlankeren Aufsichtsrat, meinte Gstöttner und ist damit mit Blick auf die Positionen anderer Parteien nicht alleine.
Babler sagte, dass er kein Interesse daran habe, dass die Politik in den ORF "hineininterveniert". Die jetzigen ORF-Gremien in Form des ORF-Stiftungsrats und -Publikumsrats, die zu großen Teilen von politischen Parteien beschickt werden, seien "verbesserungswürdig".
Der Medienminister betonte zudem, dass dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk eine besondere Verantwortung für die Qualität der Demokratie im Land zukomme. Er müsse Vielfalt abbilden und Angebote schaffen, die sich für rein kommerzielle Medien nicht rechnen. Man reformiere den ORF nicht, um "das Fernsehen von gestern zu retten, sondern die demokratische Öffentlichkeit von morgen zu sichern", so Babler. Er wolle auch mehr Zusammenarbeit am Medienmarkt schaffen, um den Standort gegen Digitalriesen zu stärken. Dafür orte er "ein großes Verständnis" in der Branche.
Sigrid Maurer, Mediensprecherin der Grünen, sprach hingegen von einer mühsamen medienpolitischen Debatte, die von "extrem vielen Partikularinteressen getrieben" sei. "Die Kleinkriege sind peinlich für die gesamte Branche und müssen aufhören. Es geht um die demokratische Infrastruktur Österreichs", sagte sie. Sie bezeichnete die Hinwendung zum Publikum als essenziell, um den ORF in einem hochgradig beschleunigten Mediensystem fit zu halten, und warnte vor einer Budgetfinanzierung. Diese würde bedeuten, dass sich der ORF stärker am Gesetzgeber ausrichten müsse.
NEOS-Mediensprecherin Henrike Brandstötter sagte, dass sich junge Menschen in ihrer Lebenswelt vom ORF nicht abgeholt fühlen würden. Man müsse besprechen, was der ORF leisten soll, bevor man Finanzierung und Governance thematisiere. SPÖ-Mediensprecher Klaus Seltenheim stellte klar, dass man sich den ORF als Gesellschaft auch was kosten lassen sollte: "Öffentlich-rechtlicher Rundfunk kostet Geld, Fake News kosten uns die Demokratie."
"Der ORF ist derzeit heiß umfehdet und wild umstritten", stellte ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher fest. Viele legitime Fragen würden gegenwärtig gestellt. Entscheidend sei, dass dabei immer die Publikumssicht im Mittelpunkt stehe. "Was haben Menschen im Land davon, wenn dem ORF im Onlinebereich Fesseln angelegt werden?", fragte sie und sprach sich zudem für mehr Kooperation am Medienmarkt aus.
Thurnher kam auch auf die Vorstellungen der FPÖ zu sprechen, die sich wiederholt für einen "Grundfunk" ausgesprochen hat - worunter eine deutliche Reduktion der Mittel zu verstehen ist. Mit einem ORF, der viele Gründe liefere, ihn einzuschalten oder ihn zu lesen, der für Grundsätze der Demokratie stehe und in seinen Grundprinzipien verankert habe, für alle Menschen im Land da zu sein, könne sie "sehr gut etwas anfangen", sagte Thurnher. Vor einer Beschneidung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks warnte sie hingegen.
FPÖ-Mediensprecher Christian Hafenecker meinte in einer Aussendung, dass es sich um "eine aufgesetzte Wohlfühlveranstaltung" handle, bei der keine kritischen Stimmen zu finden seien. Die Auswahl des Termins sei eine Provokation, da der Freiheitliche Parlamentsklub an diesen beiden Tagen seine Klubklausur abhalte. Die FPÖ tritt seit längerem für eine Abschaffung des ORF-Beitrags ein.
Im Vorfeld des "Zukunftsforums" wurde die Ansicht der Bevölkerung zum ORF eingeholt, indem von "Das Zielgruppen Büro" Fokusgruppen mit Bürgern und ein Jugendworkshop abgehalten wurden. Vom ORF der Zukunft erwarte man sich Glaubwürdigkeit, Zugänglichkeit und Nachvollziehbarkeit, erklärte Geschäftsführer Matthias Rohrer. Dabei seien die Digitalstrategie und politische sowie redaktionelle Unabhängigkeit als prioritäre Reformbereiche genannt worden.
Perspektiven aus Unterhaltung, Kunst, Kultur und Sport lieferten zum Abschluss des ersten Tages der vielfache Kletter-Weltmeister Jakob Schubert, Sängerin Anna Buchegger, Kabarettistin Malarina, ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick und Schriftstellerin Anna Weidenholzer. Sie alle hegen keine Zweifel an der Bedeutung und der Notwendigkeit des ORF für die Gesellschaft.
Ohne den ORF ginge eine Öffentlichkeit verloren, die nicht von privaten Interessen oder Algorithmen dominiert werde, warnte Weidenholzer. Nur durch die Abbildung unterschiedlicher Realitäten wisse man umeinander und könne so den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken, sagte die Schriftstellerin.
Malarina - bürgerlich Marina Lackovic - ärgert sich darüber, dass sich der ORF nach wie vor nicht vielgesprochenen Sprachen im Land - abseits von Deutsch - annähere. Eine Untertitelfunktion wäre schon ein sehr schöner Fortschritt, meinte sie. Schubert würde naturgemäß gerne mehr Klettersport oder auch andere Randsportarten im ORF sehen. Da Lizenzrechte für viel beachtete Sportarten wie Fußball oder die Formel 1 ohnehin teurer würden, sei das die Chance, in anderen Sportarten Fuß zu fassen, diese zu pushen und so vielleicht auch Jugendliche oder Kinder auf den Geschmack zu bringen.