
von
Über alle 16 Fachverbände hinweg gab es zwar ein leichtes nominelles Wachstum gegenüber 2024 von 3 Prozent oder 6 Mrd. auf 209 Milliarden Euro. Dieser Zuwachs reichte aber laut den Angaben bei weitem nicht aus, um die Verluste der Vorjahre zu kompensieren. Denn zu den Preisen von 2021 läge dieser Wert bereinigt mit dem Erzeugerpreisindex (EPI) nur bei 180 Mrd. Euro. Und auf diesem Niveau habe sich die Leistungskraft der Industrie auch 2025 wieder bewegt.
"Handbremse", "Warnsignal"
Die Produktion sei seit 2021 damit nominell zwar um 2,5 Prozent höher - aber real bei minus 11,8 Prozent. "Real bleibt Österreichs Industrie deutlich unter ihrem Leistungsniveau, wir müssen mit angezogener Handbremse fahren", so Menz. Er sprach auch von einem "Warnsignal für den Standort Österreich".
In sieben Fachverbänden ist die nominelle Produktionsleistung 2025 gesunken. In vier davon ist das gar schon seit 2023 der Fall. Besonders betroffen sind etwa Bergwerke und Stahl, Herstellung von Produkten aus Papier und Karton sowie die Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederindustrie, erläuterte Bundesverbandsgeschäftsführer Andreas Mörk. Ausnahmen bilden die Nahrungs- und Genussmittelindustrie, die Chemische Industrie samt der Pharmaindustrie, wo über die vergangenen Jahre Zuwächse verzeichnet werden. Insgesamt gelang es 12 der 16 Fachverbände nicht, das Produktionsniveau von 2022 wieder zu erreichen.
25.000 Jobs weniger
Die wenig zufriedenstellende Entwicklung zeigt sich auch am Arbeitsmarkt. Die Anzahl der in der österreichischen Industrie Beschäftigten ist auch 2025 deutlich zurückgegangen. Der Beschäftigungsabbau ziehe sich durch nahezu die gesamte Industrie: In 13 der 16 Fachverbände sank 2025 das Eigenpersonal im Vergleich zum Vorjahr. Besonders deutlich fällt der Rückgang in der Metalltechnischen Industrie, der Fahrzeugindustrie sowie in der Elektro- und Elektronikindustrie aus. In diesen beschäftigungsstarken Fachverbänden zeigt sich das Minus nicht nur von 2024 auf 2025, sondern bereits auch im Jahr davor. In den vergangenen beiden Jahren wurden rund 25.000 Jobs abgebaut. "Verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit sind entscheidend, damit Unternehmen wieder investieren und Arbeitsplätze sichern können", so Menz.
Unter vielen weiteren Punkten müssten die Lohnnebenkosten von den hiesigen 43 Prozent aufs deutsche Niveau von etwa 38 Prozent gedrückt werden.
Hohe Kosten, hohe Unsicherheit, viele Forderungen
Menz und Mörk beklagten den "riesigen Kostendruck", der auf der heimischen Industrie laste: hohe Energiepreise, hohe Lohn- und Lohnnebenkosten, zunehmende regulatorische Anforderungen. Dazu kommt die extrem volatile Lage der Weltwirtschaft. Dies dämpfe Investitionen und Exportchancen.
"Um die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu sichern, braucht es gezielte wirtschaftspolitische Maßnahmen", forderten die Fachverbandsvertreter. "Dazu zählen insbesondere die Senkung der Lohnnebenkosten, eine Entlastung bei den Energiepreisen sowie der Abbau bürokratischer Hürden. Der Handlungsbedarf und Lösungsvorschläge liegen mit der von der Bundesregierung beschlossenen Industriestrategie auf dem Tisch. Jetzt braucht es rasch klare Entscheidungen, um den Industriestandort wieder zu stärken und Wachstum zu ermöglichen", so die Interessensvertreter der Arbeitgeberseite in der Industrie.
Das Budget für den Industriestrompreis müsse auf 500 Mio. Euro jährlich verdoppelt werden. Auch hier gehe es darum, etwa aufs deutsche Niveau zu kommen.
Ausblick schwach und von Unsicherheit geprägt
Im ersten Quartal hat es keinen Rückenwind gegeben, zentrale Indikatoren zeigten leicht fallende Tendenz. Die Stimmung sei "verhalten", Stagnation sei das prägende Bild. Punktuell kämen Rückgänge hinzu. Die Unsicherheit ist riesig - das liegt freilich auch an der internationalen, teils chaotischen Lage. Besonders schwierig bleibe die Lage in der Papierindustrie, bei den Herstellern von Produkten aus Papier und Karton sowie in der Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederindustrie.
WITTENBERG - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/AFP/JOHN MACDOUGALL