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Für heuer rechnet der börsenotierte Technologiekonzern mit einem Umsatzplus von etwa 10 Prozent und einer EBIT-Marge von rund 7 Prozent. Für das laufende Geschäftsjahr ist Frequentis nicht zuletzt auf Grund des hohen Auftragsstandes optimistisch - und hat den Personalstand um mehr als 200 auf 2.600 Beschäftigte, davon 1.100 in Österreich, ausgebaut. Im Vorjahr verzeichnete der Technologiekonzern bei den Auftragseingängen ein Plus von 16,5 Prozent auf 680,2 Mio. Euro. Der Auftragsstand stieg um rund ein Drittel auf 794,9 Mio. Euro.
Eine Herausforderung sieht Frequentis-CEO Norbert Haslacher bei der Verknappung der IT-Hardware. Daher hat Frequentis entsprechend vorgesorgt und die Hardware auf Lager gelegt, sagte Frequentis-CEO Norbert Haslacher im Gespräch mit der APA.
Das kräftige Wachstum im Vorjahr verdankte der Konzern nicht nur dem guten Geschäftsverlauf, sondern auch einem Claim-Settlement - einem Vergleich - aus einem Projekt im Segment "Public Safety & Transport", bei dem Frequentis als Subunternehmer den Auftrag erfüllte, der Auftraggeber jedoch nicht. "In den Jahren zuvor hatten wir nur die Kosten aus diesem Rechtsstreit", merkte Haslacher an.
Der Bereich "Public Safety & Transport" umfasst die Infrastruktur für Blaulichtorganisationen, die Industrie sowie für den öffentlichen Verkehr und die Schifffahrt und ist für 31 Prozent des Umsatzes verantwortlich. Und 69 Prozent des Umsatzes entfallen bei dem Technologiekonzern auf den Bereich "Air Traffic Management" (ATM), der die Flugsicherung für den zivilen und militärischen Bereich umfasst. "Der europäische Luftraum ist im Gegensatz zu jenem in den USA sehr komplex, da in Europa jedes Land für den eigenen Luftraum verantwortlich ist", sagte dazu Haslacher. Daher habe in Europa auch die Entwicklung einen höheren Stellenwert.
Der Exportanteil des börsennotierten Unternehmens liegt bei 98 Prozent. Mit 59 Prozent, rund 339 Mio. Euro, entfiel auch im Vorjahr der Großteil des Umsatzes auf Europa. Prozentuell deutlich stärker legte jedoch das Geschäft in Amerika zu - ungeachtet der Zoll-Diskussionen zwischen den USA und Europa. Denn in Amerika stieg der Umsatz von 88 auf 159 Mio. Euro. "Wir haben in den USA drei Standorte, zwei für zivile und einen für militärische Anwendungen", sagte Haslacher. "Daher sind wir von den Zöllen nicht betroffen." In Asien ging der Umsatz von 55 Millionen auf 39 Mio. Euro zurück. Allerdings hätten sich hier Aufträge nur verschoben. "Da wurden heuer schon Aufträge unterschrieben", merkte Haslacher an. Wobei in Asien etwa Indien oder Singapur interessante Märkte sind. Auf Australien, Pazifik und Afrika entfielen 43 Mio. Euro, wobei Afrika derzeit noch kaum eine Rolle spielt.
In den USA erhielt Frequentis im Vorjahr zwei größere Aufträge für die zivile Luftsicherung, in Schweden für die landesweite Steuerung des Drohnenverkehrs. Im militärischen Bereich erhielt Frequentis einen Auftrag für eine US-Militärbasis, einem Test-System für die Drohnen-Integration bei der deutschen Bundeswehr und in Australien für die Kommunikation der Streitkräfte.
Im Bereich der öffentlichen Sicherheit kam Frequentis bei Aufträgen der Polizei Thüringen sowie der norwegischen Feuerwehren zum Zug. Die Bahnen aus Finnland, Norwegen und der Schweiz bestellten ebenfalls bei den Österreichern Kommunikationslösungen. Bei der Modernisierung des Hamburger Hafens sowie bei der Erweiterung des Hafens in Singapur erhielt Frequentis ebenfalls den Zuschlag für entsprechende Lösungen.
Wobei Frequentis vor allem drei Wachstumsfelder sieht: Dazu zählt die Umstellung der sicherheitskritischen Kommunikation für Blaulichtorganisationen und den öffentlichen Verkehr. Die bisherigen Technologien wie TETRA oder GSM-R für die Bahn entsprechen nicht mehr den aktuellen Anforderungen, schließlich sei die Datenübertragung sehr beschränkt. Für die sichere Kommunikation und die Übertragung von Daten und Video sollen die Systeme auf Mission-Critical Services (MCX) umgestellt werden.
MCX nutzt 5G-basierte Netze und gewährleistet die Echtzeit-Übermittlung von Sprache, Daten und Video über Landes- und Organisationsgrenzen hinweg. Zudem kann bei einem Notfall den Blaulichtorganisationen im Sendenetz Vorrang eingeräumt werden, sollte eine Netzüberlastung drohen. Frequentis konnte hier bereits Aufträge an Land ziehen und ist etwa am MCX-Rollout in Großbritannien für 300.000 Einsatzkräfte beteiligt.
Um dem wachsenden Drohnen-Verkehr in den Griff zu bekommen, liefert Frequentis Lösungen für die sichere Überwachung und das Management von Drohnen. Dazu werden klassische Radarsysteme mit intelligenten Sensor- und Erkennungstechnologien kombiniert. Der gesamte Drohnenmarkt in Europa einschließlich Hardware wird bis zum Jahr 2030 auf 10 Mrd. Euro geschätzt, teilte Frequentis weiters mit.
Potenzial sieht der Konzern auch beim Remote Digital Tower. Dieser ermöglicht die Fernüberwachung des Flugverkehrsmanagements für zivile und militärische Anwendungen. Fluglotsinnen und Fluglotsen müssen daher nicht mehr im Tower des Flughafens sein. Vor allem im militärischen Bereich, wo der Tower oft Angriffsziel ist, ein wesentlicher Vorteil. Aber auch Flugplätze in entlegenen Gegenden können so effizient gesteuert werden. Diese Technologie ist bereits seit mehreren Jahren in Deutschland, England und Brasilien im Einsatz.