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Den Markt auf Trab halten könnte der Grönlandzwist. US-Präsident Donald Trump hatte am Wochenende wegen des Grönland-Streits angekündigt, dass für acht Länder aus Europa ab dem 1. Februar Strafzölle von 10 Prozent gelten sollen, ab dem 1. Juni Zölle dann sogar von 25 Prozent. "Noch ist es Rhetorik. Noch bleiben zwei Wochen Zeit für Verhandlungen", kommentierte Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners. Es drohe aber eine noch nie dagewesene Spirale aus Zöllen, Gegenzöllen und weiteren Maßnahmen. Anders als in früheren Fällen werde die Europäische Union diesmal wohl nicht klein beigeben, vermutet Altmann. Der Höhenflug am Aktienmarkt sei jedenfalls zunächst vorbei, auch wenn der Rückschlag zunächst überschaubar bleibe.
Der datenseitige Fokus liegt vor allem auf Deutschland und der Eurozone. Morgen steht die ZEW-Umfrage an, die laut Helaba-Analysten eine Stimmungsaufhellung anzeigen dürfte. Die US-Börse ist heute aufgrund des Martin Luther King-Day geschlossen.
Das Risiko weiterer Importzölle der USA auf Einfuhren europäischer NATO-Staaten belastet vor allem die Kurse deutscher Automobilhersteller. Aktien von BMW, Volkswagen und Mercedes sanken durchweg um mehr als drei Prozent. Auch Stellantis verlor. Stellantis notierten in Paris mit 1,5 Prozent im Minus. Die Privatbank Berenberg hat das Kursziel für Stellantis von 9,50 auf 10,00 Euro angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen. Die Gewinne europäischer Autokonzerne dürften 2026 zwar steigen, die Risiken für das China-Geschäft seien aber spürbar, schrieb Romain Gourvil in seiner Branchenanalyse. Letztere dürften in der Breite zunächst eine Neubewertung ausbremsen, auch wenn das Momentum neuer Produkte Fahrt aufnehme. Hierdurch erwartet Gourvil aber gerade bei Stellantis einen "Gewinnboost".
Deutliche Kursgewinne gab es mit fast 8 Prozent gegen den schwachen Markttrend bei Bayer nach guten Nachrichten aus den USA. Worauf die Anleger spätestens seit Anfang Dezember 2025 gehofft haben, ist eingetreten: Der Oberste Gerichtshof der USA hat am späten Freitagabend den Glyphosat-Fall "Durnell" zur Prüfung angenommen. Damit steigen die Aussichten auf ein Grundsatzurteil im jahrelangen, belastenden Rechtsstreit um den Unkrautvernichter.
In einem schwachen Börsenumfeld haben zum Wochenauftakt die Aktien von Rüstungsherstellern Stärke gezeigt. Im DAX legten Rheinmetall um 2,6 Prozent zu, im MDAX der mittelgroßen Titel gewannen Renk 4,2 Prozent und Hensoldt 3 Prozent. Papiere von TKMS lagen nach ihrer jüngsten Rally erneut mit 0,9 Prozent im Plus.