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"Die deutsche Wirtschaft erholt sich in diesem Jahr etwas besser als gedacht, steht aber noch immer auf etwas wackligen Beinen", sagte DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik. 2028 dürfte das Bruttoinlandsprodukt um weitere 0,7 Prozent zulegen.
Im Juni hatte das DIW seine Prognose für Deutschland für das laufende Jahr noch auf 0,5 Prozent Wachstum halbiert und für 2027 ein BIP-Plus von 0,8 Prozent erwartet. Ausschlaggebend für die aktuelle Aufwärtsrevision waren vor allem der im Frühsommer unerwartet kräftige deutsche Außenhandel und dass der Energiepreisschock infolge des Iran-Kriegs geringer ausfiel als zunächst befürchtet, wie die Berliner Ökonomen betonten. "Dennoch bleiben die Aussichten gedämpft." Für das laufende Sommer-Quartal erwarten die Regierungsberater nur eine Stagnation - auch wegen der negativen Folgen für die Industrie durch das Niedrigwasser etwa des Rheins. Hohe Gaspreise, strukturelle Probleme der Industrie und die schwache private Binnennachfrage bremsten die Konjunktur. Wichtigster Wachstumstreiber blieben die Investitionen des deutschen Staates, "vor allem in Form des Sondervermögens für Klimaschutz und Infrastruktur und der Verteidigungsausgaben."
Rund 70 Prozent des deutschen Wirtschaftswachstums in diesem Jahr gingen auf öffentlichen Konsum und Investitionen zurück, erklärte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Neben steigenden Ausgaben für Gesundheit, Pflege und Rente sorgten höhere Investitionen in Infrastruktur und Verteidigungsausgaben für Schwung. "Die deutsche Wirtschaft steht vor einer möglichen Trendwende zu stärkerem Wachstum in den kommenden zwei Jahren", betonte Fratzscher. "Derzeit verdankt die Konjunktur ihre Dynamik vor allem der öffentlichen Hand."
Die größte Schwachstelle bleibe hingegen die private Binnennachfrage. "Die privaten Investitionen reichen weiter nicht aus, um die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit Deutschlands nachhaltig zu stärken", mahnte Fratzscher. Trotz besserer Konjunkturaussichten sei Vorsicht geboten und globale Unsicherheiten blieben erheblich. "Eine Eskalation im Nahen Osten oder neue Handelskonflikte könnten die Erholung erneut bremsen." Der DIW-Chef betonte aber: "Dennoch gibt es Anlass zu vorsichtigem Optimismus, dass eine nachhaltige Erholung nach mehreren Anläufen nicht erneut ausbleibt." Im zweiten Quartal war die deutsche Wirtschaft um 0,3 Prozent gewachsen, nach einem Plus von 0,4 Prozent zum Jahresstart 2026.
DUISBURG - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/dpa/Marcel Kusch