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"Der spannende Wettkampf um Addiko zeigt, dass sich Geduld für Aktionäre auszahlen kann", sagte der Präsident des Interessenverbands für Anleger (IVA), Florian Beckermann, zur APA. Ein Bieterwettkampf werte den Markt allgemein auf. Nun müssten jedoch die Angebotsdetails und die Stellungnahmen des Addiko-Managements abgewartet werden. Die RBI hatte zunächst 23,05 Euro je Aktie für die Bank geboten, die NLB legte mehrere Euros drauf und bot 29 Euro je Aktie. Beide Angebote liegen allerdings deutlich unter dem Buchwert der Bank: "Der Buchwert der Addiko lag zum Bilanzstichtag über 50 Euro je Aktie", so Beckermann. Dennoch sei das neue NLB-Offert attraktiver. "Die RBI ist nach wenigen Stunden unter Zugzwang, gegebenenfalls nachzulegen."
Ob sie das auch tun wird, blieb zunächst offen. Die RBI kommentierte das Angebot der NLB auf APA-Anfrage nicht und wollte auch sonst keinen Kommentar zu ihrem weiteren Vorgehen abgeben. Die Addiko Bank hatte sich überrascht gezeigt von der Ankündigung der RBI. Die Bank sei nicht in Kontakt mit Addiko gewesen, hieß es in einer Aussendung vom Donnerstag. Auch mit der NLB habe es im Vorfeld keine Gespräche gegeben, man sei am Tag der Veröffentlichung von der Angebotsabsicht informiert worden, so Addiko am Freitag.
Die Pläne, die RBI und NLB für die Addiko haben, sind jedenfalls sehr unterschiedlich. Die RBI würde nach einer Übernahme lediglich das Geschäft in Kroatien, Slowenien und Österreich behalten wollen. Die übrigen Märkte - Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Montenegro - will sie hingegen mittels eines sogenannten Carve-outs abstoßen. Das soll im Rahmen einer Vereinbarung mit der serbischen Alta Group, die derzeit knapp 10 Prozent an Addiko hält, passieren.
Rund um die Alta Group gab es 2024 viele Unklarheiten bezüglich der Eigentumsverhältnisse bei der Addiko Bank. Die Probleme gipfelten darin, dass die Bank auf Anraten der Europäischen Zentralbank (EZB) die Dividende für die Jahre 2024 und 2025 ausgesetzt hatte.
Die NLB hat dagegen vor, alle Märkte der Addiko zu integrieren. Sie sieht vor allem aufgrund des Geschäfts mit Konsumentenkrediten und mit kleinen und mittleren Unternehmen eine überzeugende strategische Option. Mit dem eigenen Geschäftsmodell sei die Addiko sehr gut kompatibel, hieß es in der Ankündigung der NLB am Donnerstagabend.
Es ist nicht der erste Wettkampf um die auf Zentral- und Südosteuropa spezialisierte Bank, die aus Teilen der früheren Kärntner Bank Hypo Alpe-Adria hervorging. Bereits 2024 gab es mehrere Interessenten: Neben der NLB, die damals 22 Euro je Aktie geboten hatte, hatte auch die Agri Europe Cyprus, die dem serbischen Geschäftsmann Miodrag Kostić zugerechnet wird, ein Angebot gemacht. Sie bot allerdings nur 16,24 Euro je Aktie, um ihren Anteil an der Addiko Bank von derzeit 9,99 Prozent auf 27 Prozent aufzustocken. Beide Angebote scheiterten jedoch. Mittlerweile hat die Agri Europe Cyprus ihre Anteile an ihre Tochtergesellschaften, die slowenische Gorenjska Banka und die serbische AIK Banka, übertragen. Beide Gesellschaften halten gemeinsam 9,69 Prozent an der Addiko Bank, die NLB hält keine Anteile an dem Institut.