Strabag: Europäischer Baukonzern aus Österreich mit über 100 Töchtern

Der Geschichte des österreichischen Baukonzern Strabag SE ist gespickt mit unzähligen Übernahmen, Neugründungen, Verkäufen und Börsegängen. Bautycoon Hans Peter Haselsteiner ist der Architekt des neuen Baukonzerns, dessen Ursprung bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht - auf Gründungen in Österreich und Deutschland. Im trend Ranking der 500 größten Unternehmen des Landes liegt die Strabag auf Rang 3.

Thema: Österreichs größte Unternehmen
Die Strabag, ein Baukonzern von europäischem Format.

Die Strabag, ein Baukonzern von europäischem Format.

ARTIKEL-INHALT


Facts: Strabag SE

  • Gründung: 1835 ILBAU in Österreich; 1895 Strabag in Deutschland, Strabag-NEU 1974 durch Hans Peter Haselsteiner
  • Rechtsform: SE - Societas Europaea (SE) – Europäische Aktiengesellschaft
  • Konzernsitz: Triglavstraße 9, 9500 Villach
  • Mitarbeiter: 73.606
  • Branche: Bauindustrie (Hoch- und Tiefbau, Tunnelbau, Sondersparten, Großprojekte, Baudienstleistungen, Betreiber von Autobahnen, Immobilienverwaltung)
  • Umsatz (2021 ): 16,12 Mrd. €
  • Gewinn (2021: 585,7 Mio. €
  • Umsatzanteile nach Regionen: 46 Prozent Deutschland, 17 Prozent Österreich, 24 Prozent MOE (Mittel-/Osteuropa), 8 Prozent restliches Europa, 5 Prozent restliche Welt
  • Auftragsbestand (2021): 22,5 Mrd. €
  • Aktionäre: 29,5 Prozent Raiffeisen/Uniqa; 28,3 Prozent Hans Peter Haselsteiner Stiftung; 27,8 Prozent MKAO "Rasperia Trading Limited" (Zypern), im Einfluss des russischen Industriellen Oleg Deripaska; 14,4 Prozent Streubesitz
  • Management: Thomas Birtel CEO; ab 1.1.2023 Klemens Haselsteiner (bisher Chief Digital Officer/CDO); Christian Harder (CFO); Peter Krammer (Vorstandsmitglied / Segment Süd + Ost); Siegfried Wanker ( Vorstandsmitglied / Segment International + Sondersparten); Alfred Watzl (Vorstandsmitglied / Segment Nord + West)
  • Aufsichtsrat: Gusenbauer Alfred, Aufsichtsrats-Vorsitzender (AR Vors), Erwin Hameseder, Stellvertreter des AR-Vorsitzenden (ARVorsStv); Brandstetter Andreas; Kerstin Gelbmann, Andreas Batke, Georg Hinterschuster, Wolfgang Kreis
  • Börsengang: 19. Oktober 2007 in Wien
  • ISIN: AT000000STR1
  • Website: www.strabag.com

Die Strabag-Historie

Die Wurzeln des Konzerns reichen zurück bis ins frühe 19. Jahrhundert. Die Strabag-Gruppe entstand aus der 1835 in Österreich gegründeten ILBAU undd der 1895 in Deutschland gegründeten Strabag. Aus beiden Strängen heraus wird die Historie der heutigen Strabag beschrieben, die somit über 180 Jahre zurückreicht.

Der wesentliche Drahtzieher des heutigen Konzerns ist der Österreicher Hans Peter Haselsteiner [*1944]. Er studierte Handelswissenschaft an der Wirtschaftsuniversität in Wien, wo er im Jahr 1970 promovierte. Nach seiner Tätigkeit bei einem Wirtschafts- und Steuerprüfer trat er 1972 in das Bauunternehmen seines Schwiegervaters, Isola & Lerchbaumer (spätere Ilbau) ein.

Aus unzähligen lokalen Baugeschäften und vielen Einzelgesellschaften hat der österreichische Unternehmer binnen weniger als drei Jahrzehnten einen schlagkräftigen europäischen Baukonzern entwickelt, der unter dem renommierten Namen Strabag firmiert. Heute sind unter dem Strabag-Dach rund 100 verschiedene Bauunternehmen mit eigener Marke alleine in Europa tätig. Rund 74.000 Unternehmen arbeiten für den Konzern, der im Jahr 2007 in der von Haselsteiner entwickelten Struktur an die Wiener Börse gebracht wurde.

Nachdem der Baukonzern aufgestellt war, hatte Haselsteiner rund sechs Jahre nach dem Börsengang im Jahr 2013 fast überraschend den Vorstandsvorsitz an Thomas Birtel übergeben. Fortan war der damals 69jährige, gewiefte Stratege und Bautycoon Haselsteiner nur noch für die „Internationalisierung“ und für „Sonderprojekte“ zuständig. Haselsteiner ist über seine Familienstiftung einer der Hauptaktionäre des Unternehmens. Auch wenn er nach dem Abschied aus der aktiven Führung nicht in den Aufsichtsrat gewechselt ist - wie es in vielen Unternehmen üblich ist - gilt Haselsteiner weiterhin als einer der Ideen- und Ratgeber für das Unternehmen.

Nebenbei engagierte sich Hans Peter Haselsteiner in der Politik und Kultur und unterstützt auch diverse soziale Projekte. Haselsteiner war von 1994 bis 1998 Abgeordneter zum österreichischen Nationalrat. Mit der Gründung des Liberalen Forums (LiF) hatte sich Haselsteiner von der FPÖ abgewendet, für die er einst als Abgeordneter in den Nationalrat eingezogen war. Von 1996 bis 1998 war der Bautycoon Klubobmann-Stellvertreter des Parlamentsklubs Liberales Forum. Später engagierte sich Haselsteiner für den Zusammenschluss mit NEOS, das er bis heute auch weiterhin unterstützt.

In der Kultur ist der Bauunternehmer als Big Spender tätig. So ist er unter anderem großer Mäzen der Tiroler Festspiele in Erl. In Wien ist der Bautycoon seit 2020 Großmäzen des Wiener Künstlerhaus. In der Strabag-Zentrale in Wien wurde eigens das Strabag-Kunstforum errichtet. Im Dachgeschoss des Strabag Haus wurden seit 2004 über 100 Ausstellungen gezeigt. Haselsteiner hat nach der Insolvenz der Baumarktkette Baumax auch die Kunstsammlung Essl gerettet und offiziell der Wiener Albertina übergeben.


Die Geschäftsbereiche der Strabag SE

Der Strabag-Konzern ist im Hoch- und Tiefbau tätig. Eigenen Angaben zufolge realisiert der Konzern Bauaufträge sämtlicher Art und Größe, von kleineren Projekten, Tunnelbau, Errichtung von Sportarenen bis zu Großbauprojekten von Wohn- und Büroprojekten sowie den Bau und Betrieb von Autobahnen. Zudem ist der Konzern auch im Baustoffgeschäft sowie in der Immobilienverwaltung (Facilitiy Management) tätig.

Strabag in Europa [Klicken Sie auf die Grafik für weitere Informationen]

In der Rangliste der trend Top500 der nach Umsatz größten Unternehmen Österreichs ist der börsennotierte Baukonzern im Jahr 2021 nach Umsatz gemessen die Nummer 3 des Landes, hinter OMV und Porsche Holding. im abgelaufenen Jahr hat Strabag SE einen Umsatz in der Höhe von 16,1 Mrd. Euro erzielt (+4,2 Prozent gegenüber 2020). Der Gewinn (Konzernergebnis) beläuft sich auf 585,7 Mio. € (+48%). Insgesamt beschäftigt der Konzern in seinen über 100 Teilgesellschaften 73.606 Mitarbeiter.

Umsatzentwicklung Strabag AG 2015 - 2021
Jahr Umsatz (in Mio. €) +/- ggü. Vorjahr in %
2015 14.289,76 5,34
2016 13.491,03 -5,59
2017 14.620,89 8,37
2018 16.322,88 11,64
2019 16.617,97 1,81
2020 15.446,61 -7,05
2021 16.128,92 4,42

Die Strabag SE hat die Geschäftsbereiche nach drei Segmenten eingeteilt. Größter Umsatzträger war erneut das Segment Nord + West (Baudienstleistungen und Spezialtiefbau in Deutschland, Polen, Benelux und Skandinavien) mit 7,3 Millionen Euro. Dieser Bereich steuert einen Anteil von 47,8 Prozent (nach 50,6 Prozent in 2020) zum Konzernumsatz bei.

Im Segment Süd + Ost mit Absatzmärkten in AT, CH, CZ, SK, HU und Südosteuropa sowie Umwelttechnik erhöhte sich der Umsatz um sieben Prozent auf 4.924,6 Millionen Euro und erreichte einen Anteil von 32,2 (nach 31,2) Prozent.

Im Bereich International + Sondersparten (Tunnelbau, Konzessions-, Baustoff- und Immobiliengeschäft) stieg der Umsatz mit einem Plus von 14 Prozent etwas stärker als die Leistung auf 3.039,14 Millionen Euro (Anteil 19,9 nach 18,1 Prozent).

Fast die Hälfte der Bauleistung erwirtschaftet Strabag in Deutschland (46 Prozent), fast ein viertel entfällt auf Mittel-und Osteuropa (24 Prozent) und in Österreich sind es 17 Prozent.

Das Strabag-Management-Team (v.l.n.r.): Klemens Haselsteiner, Alfred Watzl, Peter Krammer, Thomas Birtel, Christian Harder, Siegfried Wanker

Das Strabag-Management-Team (v.l.n.r.): Klemens Haselsteiner, Alfred Watzl, Peter Krammer, Thomas Birtel, Christian Harder, Siegfried Wanker

Mitarbeiterentwicklung Strabag AG 2015 - 2021
Jahr Mitarbeiter +/- ggü. Vorjahr in %
2015 73.315 0,56
2016 71.839 -2,01
2017 72.904 1,48
2018 75.460 3,51
2019 76.919 1,93
2020 74.340 -3.35
2021 73.606 -0,99


Das Problem mit Oligarch Oleg Deripaska

Mit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs und den in der Folge verhängten Sanktionen gegen russischen Oligarchen hat die Strabag SE ein größeres Problem. Mit dem strategischen Investor MKAO Rasperia unter Einfluss des russischen Oligarchen Oleg Deripaska hat die Strabag einen Großaktionär, den man eigentlich nun gerne loswerden will. Mit dem Einmarsch von Putins Armee in der Ukraine hat Strabag umgehend ein klares Zeichen gesetzt. Die Russlandgeschäfte wurden umgehend eingestellt. Das bereits zusammengeschrumpfte Russland-Geschäft der Strabag - das mit 0,3 Prozent der Konzernleistung nur noch eine untergeordnete Bedeutung spielte - wird abgestoßen.

Oleg Deripaska ist seit 2007 als strategischer Investor an Bord. Derzeit hält er über Rasperia 28,5 Prozent der Strabag-Aktien. Nach Einmarsch von Putins Truppen in der Ukraine stehen Deripaska und sein Unternehmen wie viele andere Oligarchen auf der Sanktionsliste der westlichen Länder.

Doch ganz so einfach wird Strabag Deripaska wohl nicht loswerden. Es gibt einen Syndikatsvertrag zwischen der Haselsteiner-Familie und Großaktionär Raiffeisen/Uniqa mit Deripaska. Der Syndikatsvertrag, der ohnehin zum Jahresende 2022 ausgelaufen wäre, wurde zwar umgehend vonseiten Haselsteiner gekündigt. Aber Deripaska wird sich sich so leicht nicht abschütteln lassen. Ende Mai 2022 hatte der russische Oligarch dagegen Klage gegen den Strabag-Vorstand am Landesgericht Klagenfurt eingebracht.

Umgehend nach dem Einmarsch von Putins Truppen in der Ukraine hatte Strabag den von Rasperia entsandten Aufsichtsrat Thomas Bull mit einberufener außerordentlichen Hauptversammlung aus dem Strabag-Kontrollgremium abberufen.

Um einen sofortigen Schnitt zu machen, wurde auch schon die Übernahme von Deripaskas Aktienpaket kolportiert, was bisher aber nur blanke Theorie bleibt. Das Aktienpaket hat derzeit einen Gegenwert von rund einer Milliarde Euro. Auch hier ist die letzte Entscheidung noch nicht gefallen, wie auch beim Syndikatsvertrag. Bis Ende Juni muss jedenfalls eine Entscheidung fallen, ob Raiffeisen/Uniqa und Haselsteiner den Syndikatsvertrag mit Deripaska wie im Jahr 2017 nochmals verlängern, was jedoch unwahrscheinlich scheint.


Klemens Haselsteiner, Fortsetzung der Haselsteiner-Dynastie

Die Neubesetzung des Vorstandsvorsitzenden mit einem Nachkommen des Bautycoon Hans Peter Haselsteiner hat sich schon länger abgezeichnet. Dass der Langzeit-CEO und Großaktionär Hans Peter Haselsteiner ein gewichtiges Wörtchen bei der Chefbestellung mitreden wird, war kein großes Geheimnis.

Kaum überraschend kommt die Bestellung von Klemens Haselsteiner zum Vorstandsvorsitzenden. Seit 2020 ist der 1980 geborene Sohn des Bautycoons bereits Mitglied des Vorstands. Dass der Betriebswirt mit Bachelor-Studium an der Uni Chicago einmal CEO werden soll war quasi schon lange am Bauplan. Thomas Birtel wird zum 1. Jänner 2023 aufgrund der betrieblich festgelegten Altersgrenze abtreten. Birtel hatte im Jahr 2013 den Strabag-Vorsitz von Hans Peter Haselsteiner übernommen.

Stabübergabe: Thomas Birtel (li.) führte über zehn Jahre die Geschäfte des Strabag-Konzerns. Ab 1.1. 2023 wird Klemens Haselsteiner das Lebenswerk seines Vaters Hans Peter Haselsteiner als Vorstandsvorsitzender fortführen.

Klemens Haselsteiner, drittältester Sohn von Hans Peter Haselsteiner, kam nach Studium, Zivildienst und Berufsstart bei einem russischen Industriekonzern 2011 zum Strabag-Konzern. Zunächst war er für die deutsche Strabag-Konzerntochter Ed. Züblin AG in Stuttgart tätig, wo er zuletzt als kaufmännischen Direktionsleiter erstmals in einer Top-Position war. 2020 folgte der Ruf in den Strabag-Vorstand. gilt als besonders ehrgeizig und durchsetzungsstark.

Derzeit ist der Spross des Strabag-Granden noch für das Russland-Geschäft verantwortlich. Digitalisierung, Unternehmensentwicklung und Innovation gehören ebenso zum Aufgabenbereich von Haselsteiner Junior. Er ist übrigens der einzige der drei Söhne Haselsteiners, der sich für eine Karriere im Baubusiness, vor allem für die Strabag entschieden hat.


Strabag im Internet


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