STRABAG: Österreichs größter Baukonzern mit neuem CEO [PORTRÄT]

Der Baukonzern STRABAG ist mit einem Umsatz von 16,12 Milliarden € und rund 74.000 Mitarbeitern das drittgrößte Unternehmen Österreichs. Seit Jänner 2023 wird es von Klemens Haselsteiner als CEO geführt.

Thema: Österreichs größte Unternehmen
Die Strabag, ein Baukonzern von europäischem Format.

Die Strabag, ein Baukonzern von europäischem Format.

ARTIKEL-INHALT


Facts: STRABAG SE

trend TOP 500 Ranking: 3

  • Gründung: 1835 ILBAU in Österreich; 1895 STRABAG in Deutschland, STRABAG-NEU 1974 durch Hans Peter Haselsteiner
  • Rechtsform: SE - Societas Europaea (SE) – Europäische Aktiengesellschaft
  • Konzernsitz: Triglavstraße 9, 9500 Villach
  • Mitarbeiter: 73.606
  • Branche: Bauindustrie (Hoch- und Tiefbau, Tunnelbau, Sondersparten, Großprojekte, Baudienstleistungen, Betreiber von Autobahnen, Immobilienverwaltung)
  • Umsatz (2021 ): 16,12 Mrd. €
  • Gewinn (2021: 585,7 Mio. €
  • Umsatzanteile nach Regionen: 46 Prozent Deutschland, 17 Prozent Österreich, 24 Prozent MOE (Mittel-/Osteuropa), 8 Prozent restliches Europa, 5 Prozent restliche Welt
  • Auftragsbestand (2021): 22,5 Mrd. €
  • Aktionäre: Raiffeisen/Uniqa 29,5 %; Familie Haselsteiner 28,3 %; MKAO "Rasperia Trading Limited" 27,8 % ; Streubesitz 14,4 %
  • Management: Klemens Haselsteiner (CEO); Christian Harder (CFO); Peter Krammer (Vorstandsmitglied / Segment Süd + Ost); Siegfried Wanker ( Vorstandsmitglied / Segment International + Sondersparten); Alfred Watzl (Vorstandsmitglied / Segment Nord + West)
  • Aufsichtsrat: Alfred Gusenbauer (AR Vors), Erwin Hameseder (ARVorsStv); Andreas Brandstetter; Kerstin Gelbmann, Andreas Batke, Georg Hinterschuster, Wolfgang Kreis
  • Börsengang: 19. Oktober 2007 in Wien
  • ISIN: AT000000STR1
  • Website: www.strabag.com

Die STRABAG-Historie

Die Wurzeln des Konzerns reichen zurück bis ins frühe 19. Jahrhundert. Die STRABAG-Gruppe entstand aus der 1835 in Österreich gegründeten ILBAU und der 1895 in Deutschland gegründeten STRABAG (Straßenbau-Actien-Gesellschaft). Aus beiden Strängen heraus wird die Historie der heutigen STRABAG beschrieben, die somit über 180 Jahre zurückreicht.

Aus zahlreichen lokalen Baugeschäften und vielen Einzelgesellschaften hat der österreichische Unternehmer Hans Peter Haselsteiner binnen in drei Jahrzehnten einen schlagkräftigen europäischen Baukonzern geformt.

Wichtige Schritte auf dem Weg waren die Umwandlung der STRABAG Österreich in eine AG und die Erstnotierung an der Wiener Börse im Jahr 1986. Im darauf folgenden Jahr wurde die Bau Holding AG als Holding für die Ilbau gegründet und ebenfalls an die Wiener Börse gebracht. 1998 wuchs das Firmenkonglomerat durch die Übernahme der ERA Bau weiter, noch im selben Jahr übernahm die Bau Holding die Mehrheit an der Deutschen Strabag AG, 1999 kam die Stuag zur STRABAG Österreich. Weitere Übernahmen waren die der Walter Bau sowie der Mehrheit an der Züblin AG (beide 2005).

2006 wurde die STRABAG SE als Muttergesellschaft des Konzerns installiert. Nachdem die Vorgängergesellschaft 2003 von der Börse genommen war wurde die neue STRABAG SE im Oktober 2007 wieder an die Wiener Börse gebracht (AT000000STR1) und wenige Tage darauf auch in den Leitindex ATX aufgenommen.

Heute sind unter dem STRABAG-Dach rund 100 verschiedene Bauunternehmen mit eigener Marke alleine in Europa tätig. Rund 74.000 Unternehmen arbeiten für den Konzern. Die Familie Haselsteiner gehört über ihre Familienstiftung zu den Hauptaktionären des Unternehmens.

2013 übergab Hans Peter Haselsteiner den Vorstandsvorsitz an Thomas Birtel. Fortan war der Stratege und Bautycoon Haselsteiner nur noch für die „Internationalisierung“ und für „Sonderprojekte“ zuständig. Mit 1. Jänner 2023 löste Klemens Haselsteiner Thomas Birtel als CEO des Konzerns ab.

Hans Peter Haselsteiner

Der Architekt des heutigen Konzerns ist der 1944 in Wörgl (Tirol), geborene Hans Peter Haselsteiner. Er studierte Handelswissenschaft an der Wirtschaftsuniversität in Wien, wo er im Jahr 1970 promovierte. Nach seiner Tätigkeit bei einem Wirtschafts- und Steuerprüfer trat er 1972 in das Bauunternehmen seines Schwiegervaters, Isola & Lerchbaumer (spätere Ilbau) ein, deren Vorstandschef er 1974 nach dem Tod seines Schwiegervaters Anton Lerchbaumer wurde.

Aus der Ilbau entstand durch Fusionen mit weiteren Bauunternehmen sowie Zukäufen in vielen Zwischenschritten die heutige STRABAG SE, deren Vorstandschef Haselsteiner bis zum Juni 2013 blieb.

Hans Peter Haselsteiner

Hans Peter Haselsteiner

Hans Peter Haselsteiner war bzw. ist auch in der Politik und Kultur engagiert und unterstützt diverse kulturelle und soziale Projekte.

Von 1994 bis 1998 war Haselsteiner Abgeordneter zum österreichischen Nationalrat, zunächst für die FPÖ, von der er sich abwandte und das Liberale Forum (LiF) mitgründete. Von 1996 bis 1998 war er Klubobmann-Stellvertreter des LiF. Später engagierte sich Haselsteiner für den Zusammenschluss mit NEOS, die er bis heute unterstützt.

In der Kultur ist der Haselsteiner als Big Spender tätig. So ist er unter anderem großer Mäzen der Tiroler Festspiele in Erl. In Wien ist der Bautycoon seit 2020 Großmäzen des Wiener Künstlerhaus und der Albertina Modern. In der STRABAG-Zentrale in Wien wurde eigens das STRABAG-Kunstforum errichtet. Im Dachgeschoss des STRABAG Haus wurden seit 2004 über 100 Ausstellungen gezeigt. Haselsteiner hat nach der Insolvenz der Baumarktkette Baumax auch die Kunstsammlung Essl gerettet und offiziell der Wiener Albertina übergeben. Zahlreiche Werke der Sammlung sind in der Albertina Modern zu sehen.

Haselsteiner ist auch als Start-up-Investor der Puls-4-Start-up-Show "2 Minuten, 2 Millionen" bekannt.

Klemens Haselsteiner

Seit dem 1. Jänner 2023 ist Klemens Haselsteiner CEO des Baukonzerns. Die Neubesetzung des Vorstandsvorsitzenden durch den drittältesten Sohn Hans Peter Haselsteiners zeichnete sich bereits länger ab und wurde mit dem altersbedingten Ausscheiden von Thomas Birtel, der 2013 den Vorsitz in der Geschäftsführung von Hans Peter Haselsteiner übernommen hatte, schlagend.

Klemens Haselsteiner, CEO Strabag SE

Klemens Haselsteiner, CEO Strabag SE

Der im Dezember 1980 geborene Klemens Haselsteiner hat an der DePaul University Chicago Wirtschaft studiert, begann 2004 bei der KPMG, leitete ab 2011 für fünf Jahre das Russland-Geschäft der STRABAG und war ab 2015 bei der deutschen Tochter Züblin in leitender Position tätig. Von Anfang an 2020 war er im Vorstand des Baukonzerns als Chief Digital Officer (CDO) auch für die Bereiche Digitalisierung und Automatisierung im Unternehmen verantwortlich.

Klemens Haselsteiner ist verheiratet und Vater von drei Kindern.

Digitalisierung, Unternehmensentwicklung und Innovation gehören ebenso zum Aufgabenbereich von Klemens Haselsteiner, der als ehrgeizig und durchsetzungsstark beschrieben wird. Er ist der einzige der drei Söhne von Hans Peter Haselsteiner, der sich für eine Karriere im Bau-Business begeistern konnte.


Die Geschäftsbereiche der STRABAG SE

Der STRABAG-Konzern ist im Hoch- und Tiefbau tätig. Eigenen Angaben zufolge realisiert der Konzern Bauaufträge sämtlicher Art und Größe, von kleineren Projekten, Tunnelbau, Errichtung von Sportarenen bis zu Großbauprojekten von Wohn- und Büroprojekten sowie den Bau und Betrieb von Autobahnen. Zudem ist der Konzern auch im Baustoffgeschäft sowie in der Immobilienverwaltung (Facilitiy Management) tätig.

STRABAG in Europa [Klicken Sie auf die Grafik für weitere Informationen]

Im trend Top500 Ranking ist der börsennotierte Baukonzern im Jahr 2022 nach Umsatz gemessen die Nummer 3 des Landes, hinter der OMV und der Porsche Holding Salzburg. Der Umsatz der STRABAG lag bei 16,1 Mrd. Euro (+4,2 Prozent). Der Gewinn (Konzernergebnis) belief sich auf 585,7 Mio. € (+48%). Insgesamt beschäftigt der Konzern in seinen über 100 Teilgesellschaften 73.606 Mitarbeiter.

Umsatzentwicklung STRABAG AG 2015 - 2021
Jahr Umsatz (in Mio. €) +/- ggü. Vorjahr in %
2015 14.289,76 5,34
2016 13.491,03 -5,59
2017 14.620,89 8,37
2018 16.322,88 11,64
2019 16.617,97 1,81
2020 15.446,61 -7,05
2021 16.128,92 4,42

Die STRABAG SE hat die Geschäftsbereiche nach drei Segmenten eingeteilt. Größter Umsatzträger war erneut das Segment Nord + West (Baudienstleistungen und Spezialtiefbau in Deutschland, Polen, Benelux und Skandinavien) mit 7,3 Millionen Euro. Dieser Bereich steuert einen Anteil von 47,8 Prozent (nach 50,6 Prozent in 2020) zum Konzernumsatz bei.

Im Segment Süd + Ost mit Absatzmärkten in AT, CH, CZ, SK, HU und Südosteuropa sowie Umwelttechnik erhöhte sich der Umsatz um sieben Prozent auf 4.924,6 Millionen Euro und erreichte einen Anteil von 32,2 (nach 31,2) Prozent.

Im Bereich International + Sondersparten (Tunnelbau, Konzessions-, Baustoff- und Immobiliengeschäft) stieg der Umsatz mit einem Plus von 14 Prozent etwas stärker als die Leistung auf 3.039,14 Millionen Euro (Anteil 19,9 nach 18,1 Prozent).

Fast die Hälfte der Bauleistung erwirtschaftet STRABAG in Deutschland (46 Prozent), fast ein Viertel entfällt auf Mittel- und Osteuropa (24 Prozent) und in Österreich sind es 17 Prozent.

Das Management Board der Strabag SE. Von links: Alfred Watzl, Jörg Rösler, Klemens Haselsteiner, Siegfried Wanker, Christian Harder

Das Management Board der Strabag SE. Von links: Alfred Watzl, Jörg Rösler, Klemens Haselsteiner, Siegfried Wanker, Christian Harder

Mitarbeiterentwicklung STRABAG AG 2015 - 2021
Jahr Mitarbeiter +/- ggü. Vorjahr in %
2015 73.315 0,56
2016 71.839 -2,01
2017 72.904 1,48
2018 75.460 3,51
2019 76.919 1,93
2020 74.340 -3.35
2021 73.606 -0,99


Ausstieg aus Russland und Oleg Deripaska

Oleg Deripaska war seit 2007 als strategischer Investor an Bord der STRABAG und hielt seitdem über Rasperia 28,5 Prozent der STRABAG-Aktien. Nach Einmarsch von Putins Truppen in der Ukraine landeten Deripaska und Rasperis auf der Sanktionsliste der westlichen Länder. Die STRABAG kündigte umgehend den mit Deripaska vereinbarten Syndikatsvertrag. Ebenfalls wurde der von Rasperia entsandte Aufsichtsrat Thomas Bull abberufen.

Das zuvor bereits auf 0,3 Prozent der Konzernleistung zurückgegangene Russland-Geschäft der STRABAG wurde eingestellt. Die letzten Bautätigkeiten an den noch offenen Baustellen, zu denen die STRABAG noch verpflichtet ist, sollten im Lauf des Jahres 2023 abgeschlossen sein.

Im August 2022 vereinbarten die Kernaktionäre der STRABAG SE, die Haselsteiner Familien-Privatstiftung, Raiffeisen und UNIQA, ein neues Syndikat und legten ein Pflichtangebot an die Inhaber weiterer Aktionäre, wovon die mittelbar von Oleg Deripaska kontrollierte MKAO Rasperia allerdings wegen des europarechtlichen Sanktionsregimes ausgeschlossen wurde. Deripaska brachte gegen die Kündigung des Syndikatvertrags Klage am Landesgericht Klagenfurt ein. Im September 2022 erklärte Klemens Haselsteiner zu der noch offenen Causa im trend. Interview: "Das neue Syndikat hält die Mehrheit. Wir sind zuversichtlich, dass er mit seinen Anfechtungsklagen nicht Recht erhält, da wir überzeugt sind, dass die EU-Sanktionen seine Rechte eingefroren haben."


Klimaschutz und Digitalisierung bei der STRABAG

Zu den größten Herausforderungen für den Baukonzern gehören die zur Bekämpfung des Klimawandels beschlossenen Emissionsschutzgesetze und laufend verschärften Grenzen zur Emission von Treibhausgasen. Die STRABAG hat sich daher zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu sein. "Niemand stellt die Notwendigkeit in Frage. Der Bau steht für 38 Prozent der CO2-Emissionen weltweit", ist sich der neue CEO Klemens Haselsteiner der Aufgabe bewusst und erklärt: "Ich glaube nicht, dass es gelingen wird, die Vorgaben des Green Deals der EU zu revidieren. Es sind inzwischen nicht mehr nur die jungen Idealisten an der Uni, sondern es ist die Breite der Bevölkerung, die das Thema verstanden hat."

STRABAG-Manifest: Klimaneutral bis 2040 [VIDEO]

Im trend. Interview erklärte Klemens Haselsteiner im Ende September 2022: "Viele unsere Bauingenieure lieben Stahlbeton und rümpfen die Nase, wenn jemand sagt, wir sollten mehr aus Holz bauen. Bei den Älteren gibt es zudem vielfach auch die Angst, dass wir uns die mit dem Klimaschutz verbundenen Investitionen nicht leisten können und somit nicht mehr konkurrenzfähig sind. Von den Jüngeren kommt hingegen Druck, zu handeln, sie wollen wissen, was wir als Unternehmen fürs Klima tun. Mein Ziel ist, beides zu vereinen zu einer STRABAG, die innovativ und profitabel, resilient und nachhaltig ist - egal, was kommt."

Klemens Haselsteiner im Gespräch mit dem trend (September 2022)

Klemens Haselsteiner im Gespräch mit dem trend (September 2022)

Um das Ziel der Klimaneutralität erreichen zu können benötigt die STRABAG jedoch auch die Unterstützung dritter Unternehmen, wie der Hersteller von Baumaschinen und Baufahrzeugen, die einen hohen Diesel-Verbrauch haben. Haselsteiner dazu im trend: "Wir sind eng in Kontakt mit den Herstellern und schauen uns alles an, was es am Markt an Alternativantrieben gibt. Wir haben zum Beispiel schon einen Hybridbagger getestet, der beim Absenken Strom erzeugt. Wir suchen nach nachhaltigen Alternativen. In einem Forschungsprojekt evaluieren wir den Betrieb mit Wasserstoff. Ich halte es für erstrebenswert, Herr des eigenen Schicksals zu sein und damit die Zukunft in der eigenen Hand zu haben. Aus Sicht des Risikomanagements ist es sinnvoll, sich aus der Abhängigkeit von fossilen Energien zu befreien."

Ein weiterer starker Fokus von Klemens Haselsteiner liegt im Bereich der Digitalisierung und Automatisierung - einerseits, weil mit den neuen Technologien die Produktivität und die Effizienz gesteigert werden kann, andererseits aber auch, weil dadurch das Problem des Arbeitskräftemangels in der Bauwirtschaft entgegnet werden kann. Wobei sich Haselsteiner allerdings bewusst ist, dass technische Lösungen am Bau ihre Grenzen haben. Haselsteiner: "Wir haben 3.600 offene Stellen im Konzern, nicht alle werden wir besetzen können - so viel ist klar. Wir testen alle möglichen Arten von Robotern, vom Maurer- bis zum Malroboter. 3D-Druck hat ein großes Potenzial in Teilbereichen, auch wenn die Technologie noch in den Kinderschuhen steckt. Sicher ist, dass der Markt von Modulbauweisen immer größer wird, aber am Ende des Tages bleibt es eine Nische. Unser Hauptgeschäft bleibt Losgröße eins. Ein Brenner-Basistunnel wird kein zweites Mal identisch so gebaut. Bauen ist und bleibt etwas sehr Individuelles."


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