Günther Ofner, der neue ÖBAG-Aufsichtsratschef [Porträt]

Mit Flughafen-Chef Günther Ofner übernimmt ein äußerst erfahrener, sanierungserprobter Manager die Kontrolle über die Verstaatlichtenholding ÖBAG übernehmen. Ein Porträt des Politprofis und neuen ÖBAG-Aufsichtsratschefs.

Günther Ofner, der neue Aufsichtsratschef der Staatsholding ÖBAG

Günther Ofner, der neue Aufsichtsratschef der Staatsholding ÖBAG

Der Chef einer Staatsholding, der sich seine Ausschreibung und seinen Aufsichtsrat selbst zusammenbastelt; ein Aufsichtsratsvorsitzender, der dabei tatenlos zusieht und bei der Bestellung der nächsten Chefin erneut keine Transparenz walten lässt; die neue Chefin einer Staatsholding, die eisern schweigt, wenn der Bundeskanzler die Werte der staatlichen Beteiligungen - Stichwort Gewinnabschöpfung - mit einer unbedachten Aussage in den Keller schickt: Diese Gemengelage in der Verstaatlichtenholding ÖBAG schreit nach einem Profi, nach jemandem, der es versteht, in einem schwierigen Umfeld richtige Entscheidungen zu treffen und der sich auch etwas traut. Ein solcher Profi wurde nun mit dem 65-jährigen Günther Ofner gefunden.

Der Co-Vorstand des Flughafen Wien wurde auf der ÖBAG-Hauptversammlung am 29. Juni 2022 zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden von Österreichs größter Beteiligungsholding gewählt werden. Elf staatliche Firmenbeteiligungen, darunter solche Kaliber wie der Verbund, die OMV, die Telekom Austria und die Post, mit einem Wert von zuletzt knapp 35 Milliarden Euro liegen in der ÖBAG. Ofner folgt damit also Helmut Kern nachfolgen, der wegen seines eigenmächtigen Agierens und seiner Nähe zur Kurz-ÖVP den Sessel räumen musste.

Günther Ofner, der Troubleshooter

Dass Ofner mit schwierigen Situationen gut umgehen kann, hat er bereits mehrfach bewiesen. Die Telekomgesellschaft UTA hübschte er Mitte der 2000er-Jahre so auf, dass sie zu einem guten Preis an Tele2 verkauft werden konnte, für den Energieversorger EVN beackerte er so komplizierte Märkte wie Albanien und Mazedonien, und seit 2011 leitet er gemeinsam mit Julian Jäger äußerst erfolgreich den Flughafen.

Als der für Finanzen zuständige Vorstand ließ er das Skylink-Desaster vergessen, indem er die Produktivität des Flughafens steigerte und die Kosten und Schulden stark reduzierte. Von 2011 bis 2019, dem Jahr vor Corona, konnte das Ergebnis des Flughafens Wien auf 175,7 Millionen Euro verfünffacht werden, der Aktienkurs vervierfachte sich in dem Zeitraum.

Und auch als Aufsichtsrat konnte der Burgenländer seine Ausputzer-Fähigkeiten unter Beweis stellen. Als Präsident hievte er die Hypo Niederösterreich erfolgreich aus dem Spekulationssumpf. "Ofner hat herausragende Saniererqualitäten. Er weiß genau, an welchen Schrauben man drehen muss, und er hinterfragt alles. Außerdem ist er ein exzellenter Zahlenmensch", erzählt ein langjähriger Mitstreiter.

Günther Ofner, ein ausgezeichneter Jurist

All das hat dem studierten Juristen auch etliche Auszeichnungen eingebracht: 2018 hat ihn der Management Club Burgenland zum "Manager des Jahres" ernannt, 2019 wurde er "Logistiker des Jahres", und 2021 wurde ihm der "Red Arrow"-Award der Infrastruktur Initiative Austria verliehen. 2011 wurde ihm vom Unterrrichtsministerium der Titel "Professor" verliehen, 2017 das Goldene Komturkreuz des Ehrenzeichens für Verdienste um das Land Niederösterreich. Auch die Corona-Krise scheint der Flughafen mithilfe von Kurzarbeit und weiterer Kostenreduktion einigermaßen gut überstanden zu haben. 2022 wird schon wieder ein ansehnlicher Umsatz von 640 Millionen Euro und ein Gewinn von 80 Millionen Euro erwartet.

Zusätzlich zu seinen Saniererqualitäten verfügt der 65-jährige Ofner auch über einen "unglaublichen industriepolitischen Gestaltungswillen", wie ihm ein Kollege bescheinigt. Gerade Infrastrukturthemen und die Beseitigung bürokratischer Hürden sind ihm dabei ein besonderes Anliegen. Bei all dem nimmt sich Ofner selten ein Blatt vor den Mund. "Er hat zu allem eine Meinung", konstatiert der Kollege und fügt scherzhaft hinzu: "Vielleicht sollten Hlawati und Ofner sogar die Positionen tauschen."

Speziell bei der OMV wird Ofner zeigen können, in welche Richtung die Reise gehen wird. Dort muss sich die ÖBAG nicht nur mit der umstrittenen Ära von Ex-Chef Rainer Seele befassen, es stellt sich auch die Frage, wie und wo die Energie für Österreich herkommen soll, wenn die Gazprom-Lieferungen irgendwann ganz ausbleiben.

Das "Political Animal"

Dass die Regierung an diese wichtige Stelle einen deklarierten ÖVP-Mann setzt, überrascht mittlerweile niemanden mehr. Wobei Ofner, der bereits seit seiner Jugend der Partei angehört, eher dem schwarzen als dem türkisen Lager der Partei zuzurechnen ist. In der jetzigen Situation ist das wohl kein Fehler. Zu Ofners besten Freunden zählt etwa das schwarze Urgestein Andreas Khol, ehemaliger Nationalratsprädient und Präsidentschaftskandidat, mit dem der Flughafen-Chef alljährlich das "Jahrbuch für Politik" herausgibt.

Einen besonders guten Draht dürfte der Burgenländer, der aus einfachen Verhältnissen stammt, auch zu Johanna Mikl-Leitner, der niederösterreichischen Landeshauptfrau und Mitaktionärsvertreterin - das Land Niederösterreich besitzt am Flughafen Wien so wie Wien 20 Prozent - haben. Sie soll auch treibende Kraft hinter der Bestellung Ofners gewesen sein. Denn erst kürzlich ist ihr mit Johann Pleininger einer ihrer wichtigsten Vertrauten in der OMV abhanden gekommen.

Dessen Vorstandsvertrag wurde bekanntlich nicht verlängert. Er hätte sich aber speziell um die wichtigen Schiefergas-Vorkommen in Niederösterreich kümmern sollen. Auf diese wird nun Ofner als Ober-Kontrollor der ÖBAG ein wachsames Auge haben, vermuten Insider. Wie loyal Ofner zur Partei steht, hat er auch in den letzten Jahren bewiesen, als er zwei Mitarbeiter aus dem Kabinett von Sebastian Kurz am Flughafen eine Arbeit gegeben hat. Und dies, obwohl Ofner von Kurz bei wichtigen Postenbesetzungen stets übergangen wurde. Ofner hätte sich, nachdem er für die ÖVP in einer Clustergruppe das Regierungsprogramm mit ausverhandelt hat, schon damals ein gewichtigeres politisches Amt erhofft, glauben Leute aus seinem näheren Umfeld zu wissen.

Günther Ofners Zukunft am Flughafen Wien

Der Vorstandsvertrag des äußerst belesenen langjährigen Flughafen-Chefs läuft noch bis September 2025, Insider wollen an Ofner aber bereits Ermüdungserscheinungen, speziell nach der Pandemie, erkennen. Gut möglich, dass er sich deshalb bereits etwas früher aus dem Flughafen-Vorstand zurückzieht und sich ganz der ÖBAG beziehungsweise stärker seiner Familie widmet, ist zu hören. Speziell dann - und hier käme wieder Ofners loyale politische Ader durch -, wenn nach den Landtagswahlen in Niederösterreich im kommenden Jahr womöglich der eine oder andere Parteifreund einen attraktiven Job braucht.

Was der Großteil der Mitarbeiter am Flughafen aber schade fände, denn das rot-schwarze Duo Jäger-Ofner harmoniert ausgesprochen gut. Und nicht nur das: Nach dem umstrittenen Vorgänger Ernest Gabmann haben die beiden auch für mehr Sauberkeit und Anstand im Unternehmen Flughafen gesorgt. Ein Image, das nach der Skandal-Zeit von Thomas Schmid an der ÖBAG-Spitze auch die Verstaatlichtenholding gut gebrauchen kann.


Zur Person

Günther Ofner, geb. 1956, steht seit 2011 gemeinsam mit Julian Jäger an der Spitze des Flughafens Wien. Davor war der gebürtige Burgenländer in Managmentfunktionen in der EVN, der Burgenland Holding, der UTA Telekom, der Bewag und dem Verbund tätig. Auch als Aufsichtsrat ist der Jurist sehr umtriebig: Er hat Funktionen in der Hypo Niederösterreich, der Austrocontrol und im Versicherungsverein der Wiener Städtischen inne. Ofner ist verheiratet und hat zwei Kinder.


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