Bildungskarenz: Bezahlte Auszeit für Weiterbildung und Karriere-Schwung

Wer beruflich am Ball bleiben will, kommt um lebenslanges Lernen nicht herum. Kein Zufall also, dass das Interesse an einer Auszeit für Weiterbildung seit Jahren kontinuierlich steigt – vor allem in Berufen mit höherer Qualifikation. Wie Sie Ihrer Karriere mit einer Bildungskarenz neuen Schwung geben.

Themen: HR-Management, Executive Education
Eine Bildungskarenz kann einer etwas in Stocken geratenen Karriere neuen Schwung geben.

Eine Bildungskarenz kann einer etwas in Stocken geratenen Karriere neuen Schwung geben.

ARTIKEL-INHALT


In der Mitte des Lebens wird oft „Inventur“ gemacht. Gewohntes wird auf den Prüfstand gestellt, berufliche und persönliche Ziele werden neu definiert. Da ist Armin Wolf keine Ausnahme. Der ORF-Moderator gönnte sich von Oktober 2009 bis April 2010 eine Auszeit, um sich vom Bildschirm vorübergehend zu verabschieden und sein MBA-Studium an der Berlin School of Creative Leadership abzuschließen.

Wolf avancierte damit zu einem der prominentesten österreichischen Vertreter einer steigenden Zahl von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen, die Zeit und Geld in ihre Weiterbildung investieren und dafür eine Zäsur in ihrer beruflichen Karriere setzen. „Ich habe damals nebenberuflich noch ein Post Graduate-Studium in Berlin absolviert und wollte mir für eine ordentliche Master-Arbeit ein paar Monate Zeit nehmen und mit Mitte 40 das erste Mal in meinem Leben ,nur Student‘ sein“, erzählt Armin Wolf, der seinen Wunsch dann letztlich nicht mit bezahlter Bildungskarenz, sondern großteils mit unbezahltem Urlaub verwirklichte.


Was ist Bildungskarenz?

Eine unbezahlte Pause, wie sie der ZIB-Anchorman eingelegt hat, ist aber unter den Menschen, die nach einer oft schon jahrzehntelangen Karriere beschließen, nochmals die Schulbank zu drücken, eher die Ausnahme. Schließlich fördert die öffentliche Hand dafür hierzulande seit mehr als 20 Jahren das Instrument der Bildungskarenz. Wer sich dafür entschließt, der erhält für die Dauer der Bildungskarenz ein sogenanntes Weiterbildungsgeld. Das Arbeitsmarktservice Österreich (AMS) hat im Jahr 2021 dafür in Summe 215 Millionen Euro in die Hand genommen.

Das Angebot wird immer öfter in Anspruch genommen, wie die steigenden Zahlen an Beziehern und Bezieherinnen belegen: In den zehn Jahren von 2011 bis 2021, haben sie sich mehr als verdoppelt. Zudem ist die 2013 geschaffene Möglichkeit einer Bildungsteilzeit offenbar so attraktiv, dass sich die Anzahl der Bezieher in diesem Segment innerhalb von acht Jahren von 2013 bis 2021 vervierfacht hat. Überraschend: Verantwortlich für den Zuwachs sind überwiegend Frauen. „Der Einkommensverlust von rund 40 Prozent ist bei Frauen, die häufig weniger verdienen als Männer, in Familien leichter zu verschmerzen“, sagt Horst Friedrich, der zuständige Mitarbeiter des AMS.


Wie ist die Bildungskarenz geregelt?

Geregelt ist die Bildungskarenz im Arbeitslosenversicherungsgesetz und im Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz (AVRAG). In letzterem wird bereits im ersten Absatz klargestellt, dass die Auszeit für Weiterbildung mit dem Dienstgeber vereinbart werden muss. Eine Bildungskarenz kann also nur in beiderseitigem Einvernehmen angetreten werden und kommt im Grunde einer Dienstfreistellung durch den Arbeitgeber gleich.

„Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch“, betont Friedrich. Kommt es aber zu einer Einigung, ergibt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit für beide Seiten eine Win-Win-Situation: Arbeitnehmer können sich in der Gewissheit eines sicheren Einkommens, das sie sogar mit einer geringfügigen Beschäftigung aufbessern dürfen, einer sozialen Absicherung und einer Arbeitsplatzgarantie mit voller Kraft auf ihren besonderen Lebensabschnitt konzentrieren und gleichzeitig ihren Marktwert steigern.

Auf der anderen Seite profitieren Arbeitgeber von der zusätzlichen Qualifikation ihrer Beschäftigten, sie schaffen Motivation für Mitarbeiter und stärken deren Bindung an das Unternehmen. Das wiederum kann ein entscheidender Vorteil im Wettstreit um die besten Köpfe sein.

  • Die Mindestdauer der Bildungskarenz beträgt 2 Monate.
  • Maximal können 12 Monate innerhalb von 4 Jahren vom AMS gefördert werden.

Wie wird das Weiterbildungsgeld berechnet?

Die Höhe des Weiterbildungsgeldes entspricht der Höhe des Arbeitslosengeldes, auf das die jeweilige Person Anspruch hat. Der Mindestsatz dafür liegt bei 14,53 € pro Tag. Durch die Höchstbemessungsgrundlage ist das Arbeitslosengeld - und somit auch das Weiterbildungsgeld - derzeit mit 1.440,60 € monatlich gedeckelt.

Ein Zuverdienst ist möglich, und zwar auch bei dem Arbeitgeber, der die jeweilige Person karenziert hat. Die zusätzlichen Verdienste dürfen allerdings die Geringfügigkeitsgrenze nicht übersteigen. Die Grenze für geringfügige Beschäftigungen beträgt monatlich 485,85 Euro (2022). Wenn man aufgrund einer Ausbildung Einkünfte erzielt, so dürfen diese das 1,5-fache der Geringfügigkeitsgrenze, also 728,77 € monatlich nicht übersteigen, um einen Anspruch auf Weiterbildungsgeld zu haben.

Der Antrag auf Weiterbildungsgeld muss beim Arbeitsmarktservice AMS gestellt werden.


Was gilt als „Weiterbildung“?

Die Gründe für eine Pause im Job können vielfältig sein. Entweder ist es das Schreiben der Masterthesis wie bei Armin Wolf, der lange aufgeschobene Abschluss oder Beginn eines Studiums oder das Erlernen einer neuen Sprache. Eine Bildungskarenz kann aber auch dazu genützt werden, um sich neue Inputs zu holen und dafür verschiedene Kurse zu belegen.

Aus welchem Anlass eine Bildungskarenz auch immer in Anspruch genommen werden möchte – wer über das AMS Weiterbildungsgeld für sein Vorhaben beziehen will, muss allerdings nachweisen, dass er sich in seinem Berufsfeld weiterentwickeln möchte sowie einen regelmäßigen Leistungsnachweis erbringen.

Die Auflagen für die Bildungsangebote, die während der Karenzzeit in Anspruch genommen werden müssen sind allerdings recht niedrig und auch relativ weit gefasst. Auf der Informations-Website der Arbeiterkammer Wien zum Thema Bildungskarenz heißt es etwa recht schwammig zur Frage, welche Aus- und Weiterbildungen man machen kann: "Grundsätzlich alles, was Sie beruflich weiterbringt."

So können etwa Schul- und Studienabschlüsse nachgeholt werden, Fremdsprachenschulungen absolviert werden oder andere weiterführende Qualifikationen gewonnen werden. Es spielt dabei auch keine Rolle, das Weiterbildungsangebot im In- oder Ausland genutzt wird. Es ist also auch möglich, Weiterbildungsgeld für ein Auslandssemester an einer internationalen Universität zu beziehen.

Wird hingegen lediglich ein Hobby- oder Freizeitkurs besucht, der nicht in direktem Zusammenhang mit der beruflichen Weiterbildung steht, wird man Probleme haben, ein solches Ansinnen auch dem Arbeitgeber und dem AMS als Weiterbildung „verkaufen“ zu können. Es allerdings hängt immer vom Einzelfall ab, ob ein solches Ausbildungsangebot als "beruflich relevant" eingestuft wird.


Wer hat Anspruch auf Bildungskarenz?

  • Unmittelbar vor Beginn der Bildungskarenz muss über mindestens 6 Monate ununterbrochen eine arbeitslosenversicherungspflichtige Beschäftigung beim jeweiligen Arbeitgeber bestehen.
  • Viele Unternehmen bewilligen allerdings eine Bildungskarenz erst nach einem Dienstverhältnis von mindestens drei Jahren.
  • Neben diversen inhaltlichen Vorgaben müssen bei bezahlter Bildungskarenz Prüfungen abgelegt und gesetzlich definierte zeitliche Rahmenbedingungen eingehalten werden.

Welche Nachweise müssen erbracht werden?

Die folgenden Nachweise müssen laut Informationsseite des AMS im Rahmen einer Bildungskarenz erbracht werden. Achtung: Fehlende Nachweise werden mit Einstellung oder Rückforderung des Weiterbildungsgeldes sanktioniert.

  • Die Weiterbildung muss inklusive Lernzeiten mindestens 20 Stunden pro Woche in Anspruch nehmen.
  • Bei Betreuungspflichten für ein Kind unter sieben Jahren genügen 16 Wochenstunden, wenn keine andere Kinderbetreuungsmöglichkeit besteht.
  • Es muss ein Nachweis über erbrachte Leistungen erbracht werden. Bei einem Studium sind nach jeweils 6 Monaten Prüfungen aus Pflicht- und Wahlfächern im Ausmaß von 4 Semester-Wochenstunden oder 8 ECTS-Punkten nachzuweisen.
  • Alternativ zählt auch ein anderer Erfolgsnachweis, etwa der Studien-Abschluss, die Diplomprüfung oder die Bestätigung, dass eine Abschlussarbeit demnächst positiv bewertet wird.

Freistellung gegen Entfall der Bezüge

Die „Freistellung gegen Entfall der Bezüge“ für die Dauer von mindestens 6 Monaten ermöglicht eine völlig freie Gestaltung der Auszeit unter Inanspruchnahme des Weiterbildungsgeldes. Der Arbeitgeber muss in diesem Fall eine vom AMS vermittelte Ersatzarbeitskraft einstellen – eine Möglichkeit, die laut AMS-Zahlen lediglich von weniger als einem Prozent der Unternehmen genützt wird.


Bildungskarenz und Bildungsteilzeit

Im Rahmen einer Bildungskarenz muss die gesamte Ausbildung muss innerhalb von 4 Jahren absolviert werden. Eine Alternative dazu ist die Bildungsteilzeit, die auch mit einer Bildungskarenz kombiniert werden kann. Es ist auch ein einmaliger Wechsel von Bildungskarenz zu Bildungsteilzeit oder umgekehrt zulässig.

Immerhin rund ein Viertel der Österreicher und Österreicherinnen, die im Vorjahr Weiterbildungsgeld vom AMS erhielten, haben sich für eine Teilzeitlösung entschieden, die seit 2013 gewährt wird und für die dieselben inhaltlichen Vorgaben wie für die Bildungskarenz gelten. Wie der Terminus „Bildungsteilzeit“ aber nahelegt, liegt der wesentliche Unterschied darin, dass man dabei die Arbeitszeit nur teilweise reduziert, um die gewonnene dienstfreie Zeit für die Fortbildung zu nützen.

  • Die wöchentliche Normalarbeitszeit verringert sich um 25 bis 50 Prozent.
  • Die Arbeitszeit beträgt mindestens 10 Stunden pro Woche, mindestens 10 Stunden pro Woche sind für die Aus- oder Weiterbildung reserviert.
  • Bildungskarenz und Bildungsteilzeitgeld können in einem Zeitraum von 4 Jahren kombiniert werden. Werden beide Leistungen kombiniert, werden sie aufeinander angerechnet: Dabei entspricht 1 Tag Weiterbildungsgeld 2 Tagen Bildungsteilzeitgeld.
  • Die Bildungsteilzeit muss innerhalb von 4 Jahren „konsumiert“ werden, was auch in Teilen möglich ist.

Welches Alter ist für die Bildungskarenz ideal?

Was das Alter betrifft, ist der Bildungskarenz keine Grenze gesetzt. So lange man erwerbstätig ist, kann man die Leistung in Anspruch nehmen.

Aus der Statistik des AMS ist allerdings herauszulesen, dass die Gruppe der jüngeren Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen dabei Spitzenreiter ist. Bei den Mittvierzigern ist die Zahl bereits deutlich geringer. Armin Wolf gehörte also in diesem Kontext bereits zu den „älteren“ Semestern, als er vor rund zwölf Jahren seinen Bildungsurlaub nahm.

Unabhängig vom Zeitpunkt zeigt aber sein Beispiel, wie bereichernd und wertvoll eine Auszeit sowohl beruflich als auch persönlich sein kann: „Nach 25 Jahren tagesaktuellem Journalismus, der ja durchaus stressig sein kann, ein Dreivierteljahr, in dem ich mich sehr entspannt nur mit dem Abschluss des Studiums und sehr tiefgehend mit nur einem Thema beschäftigt habe. Und viele freie Abende mit Familie und Freunden. Das hat mir sehr gut getan.

Executive Education - Schwung für Ihre Karriere

In Kooperation mit der WU Executive Academy liefert Ihnen der trend im …

trend TOP 500: Österreichs größte Unternehmen [RANKING]

Das trend Ranking der 500 größten Unternehmen Österreichs reiht die …

Der Feuerwehrausstatter Rosenbauer mit Zentrale in Leonding bei Linz ist mit seinen Feuerwehrautos und anderen Produkten international erfolgreich.
Rosenbauer, international führender Feuerwehr-Ausstatter

Rosenbauer ist der weltweit führende Hersteller von Brand- und …

Amazon-Gründer Jeff Bezos, der König des Online-Handels
Amazon, der Online-Handelsgigant [Die größten Unternehmen der Welt]

In knapp 30 Jahren hat sich Amazon zur größten Online-Handelsplattform …