Künstliche Intelligenz: „Die Mittelschicht wird es am härtesten treffen“

Künstliche Intelligenz: „Die Mittelschicht wird es am härtesten treffen“

Callcenter könnten schon in zwei, drei Jahren Geschichte sein. Aber auch Jobs, die mehr Bildung erfordern, wird der Fortschritt der Künstlichen Intelligenz treffen.

Die durch Künstliche Intelligenz (KI) ausgelösten Entwicklungen werden ähnlich disruptiv sein wie jene zur Zeit der Industrialisierung. Doch Europa wird nicht zu den Gewinnern zählen, meint Markus Müller, globaler Chefinvestor der Deutschen Bank. Er zeichnet ein düsteres Bild für viele Unternehmen und Arbeitende in Europa.

Hochentwickelte Roboter, die uns in naher Zukunft die Arbeit wegnehmen, scheint kein unrealistisches Schreckensszenario zu sein. „Die Industrie 4.0 wird zu mehr Arbeitslosigkeit führen“, warnt Markus Müller, Global Head CIO des Wealth Managements der Deutschen Bank. Aber nicht gering qualifizierte wird es am härtesten treffen, sondern die Mittelschicht." Sie müssen um ihre Jobs zittern. Hochqualifizierte werden von der Entwicklung, die die Industrie 4.0 mit sich bringt, dagegen am meisten profitieren. Auch einfache Jobs werden laut der Analyse der Deutschen Bank weiterhin gefragt sein.

Die Entwicklung die künstliche Intelligenz mit sich bringt, wird in hohem Tempo von statten gehen. Derzeit sind nur fünf Prozent aller Prozesse in Unternehmen vollautomatisiert. „Schon demnächst werden es 30 Prozent sein“, prophezeit Ökonom und Visionär Müller.

Für Unternehmen bedeutet der Einsatz von Roboter eine Steigerung der Effizienz. Zu den Gewinnern werden daher Firmen zählen, deren Arbeitsprozesse skalierbar sind, also bei denen viel routinierte Arbeit stattfindet. „Jene, die jetzt Geld in die Hand nehmen, um in diese neuen Techniken zu investieren, werden in Zukunft die Profiteure sein, glaubt Müller. Weltweit werden vor allem große Konzerne Probleme kriegen, die nicht rechtzeitig investieren. Der Anteil ist laut der Deutschen Bank vor allem in Europa groß. Durch diese dynamische Entwicklung werde die Unternehmenslandschaft noch weiter in ihrer Entwicklung auseinanderklaffen als bereits bisher. Firmen, die zu große Kostenblöcke aufweisen, werden es in diesem wettbewerbsintensiven Umfeld schwer haben.

China: Größter Profiteur der Digitalisierung bis 2030

Nicht nur bei Firmen werden in Zukunft die Gewinner und Verlierer deutlich auseinander klaffen. Das wird auch bei Ländern und Regionen der Fall sein. Als größte Profiteure der Digitalisierung bis ins Jahr 2030 nennt die Deutsche Bank China. Auf Platz zwei sehen die Experten die USA mit einem BIP-Wachstum alleine durch künstliche Intelligenz von 15 Prozent innerhalb der nächsten 12 Jahre. Weit abgeschlagen ist aus derzeitiger Sicht Europa, das bis dahin nur ein Extrawachstum von fünf Prozent generieren dürfte. „Europa ist kein Technologiestandort“, argumentiert Müller.

Tech-Aktienanteil in Asien in zehn Jahren der doppelt

Wie rasch die Entwicklung in Asien von statten geht, zeigt die Veränderung der Indexgewichtung bei Asienaktien. 2007 waren im MSCI Asia noch 17 Prozent der Aktien Technologieunternehmen und 20 Prozent Rohstoff-Konzerne gelistet. Im Jahr 2018 sieht die Sache bereits ganz anders aus: 39 Prozent der Aktien im breiten Asienindex bestehen aus Technologieunternehmen, nur zehn Prozent entstammen noch der Rohstoffbranche. „Schwellenländer sind keine Rohstoffländer mehr“, diagnostiziert Müller.
Dass die rasche technologische Entwicklung, etwa in China, weiterhin anhalten wird, wurde 2017 anlässlich des Volkskongresses deutlich, als dort verstärkt darauf hingewiesen wurde, sich weiterhin auf die Digitalisierung konzentrieren zu wollen.

Wachstumsraten für mobile Internetnutzung 2017 in China: 150 Prozent

Die massiven Umwälzungen, die der technologische Fortschritt Richtung Digitalisierung mit sich bringt, lassen sich in China am Beispiel der jährlichen Wachstumsraten einzelnen Branchen erkennen. Zwischen 2008 und 2011 waren die Wachstumsraten in klassische Branchen wie Zement, Stahl oder Kohle mit insgesamt rund 17 Prozent relativ hoch. Die Zuwächse bei der mobilen Internetnutzung lagen noch bei vergleichsweise moderaten 60 Prozent innerhalb dieser neun Jahre.

Betrachtet man allerdings den Zeitraum zwischen 2012 und 2016 sieht die Sache schon ganz anders aus. Die Zuwächse in klassischen Branchen gingen auf teils zwei, drei Prozent zurück oder waren rückläufig. In Techbereichen wie E-Commerce (+ 35 Prozent), Expressgutversand (+ 35 Prozent), Online Zahlungsverkehr (+ 60 Prozent) legten die Wachstumsraten dagegen kräftig zu. Doch die Entwicklung dürfte erst am Beginn stehen. 2017 kam das Geschäft mit der mobilen Internetnutzung erst richtig in Schwung. Die Zuwachsraten betrugen 150 Prozent.

Das Wachstum von E-Commerce oder mobiler Internetnutzung in China ist gewaltig. Für eine vergrößerte Darstellung klicken Sie bitte auf die Abbildung.

Cybersecurity: Einer der größten Wachstumsbranchen weltweit

Als einer der großen Wachstumsbranchen sieht Deutsche-Bank-Experte Müller Cybersecurity. „Mittelständische Unternehmen und Private unterschätzen die Gefahren, die Internetkriminalität mit sich bringt.“ Doch das werde sich ändern und hohe Summen in diesem Bereich fließen, erwarten die Investmentprofis der Deutschen Bank.

Derzeit investieren vor allem Konzerne in Internetsicherheit. Im Vorjahr stiegen die Ausgaben für Sicherheit im Netz alleine in den USA auf 18 Milliarden Dollar und erreichen damit ein neues Rekordniveau. Seit 2006 haben sich die Ausgaben verdreifacht. „Das Renditepotential von Aktien solcher Firmen ist groß", so Müller.

Zu den größten Aktien in dieser Branche zählen Symantec, Check Point Software, Imperva, Tend Micro, Fortinet, Cyberark Software, Secunet, Cisco, FireEye oder Palo Alto Networks. Für jene, denen Einzeltitel zu riskant sind, bieten sich Indexzertifikate wie das Solactive Cyber Security Index Zertifikat (ISIN DE000VS5ZCS6) von Vontobel oder der Cyber Security Performance Index (ISIN DE000SLA1C18) an.

Investitionen in Maschinen gehen zugunsten von Investments in künstliche Intelligenz zurück

Wie stark die Veränderungen durch die Digitalisierung in der Wirtschaft bereits sind, zeigt das Verhältnis von Investitionen in materielle Güter (Maschinen, Industrieanlagen) zu Investitionen in immeraterielle Güter (Software, Patente, Lizenzen). Bis 2008 waren stets Investitionen in Maschinen, gemessen am Anteil des BIP, deutlich höher als Ausgaben etwa in Software. Seither hat sich das Blatt aber gewendet. In den USA und den elf Kernländern Europas überflügeln Investitionen in immaterielle Güter klassische Investments in Maschinen bereits merklich.

Investments in Digitalisierung und andere immaterielle Güter überflügeln bereits Investitionen in Maschinen. Für eine vergrößerte Darstellung klicken Sie bitte auf die Abbildung.

Dass viel Geld in die Digitalisierung fließt, zeigt sich auch an den Ausgaben in Forschung und Entwicklung. Die größten Posten in Europa und den USA fleßen, was F&E anbelangt, in die Branchen Computer und Technologie (23 Prozent), das Gesundheitsweisen (22 Prozent), Automobil (15 Prozent) , in Software und Internet (14 Prozent).

Überalterung, Umlageverfahren für Pensionen und mangelndes Bildungskonzept verschärfen Folgen der Digitalisierung

Die disruptive Entwicklung durch die Digitalisierung stellt die Gesellschaft jedoch aufgrund der großen Umwälzungen am Arbeitsmarkt - ein drohendes Heer an Arbeitslosen und vielen, die weniger verdienen als bisher - vor große Herausforderungen. Der Deutsche Bank Chef für Investments fordert daher für Europa: „Wir brauchen ein ordnungspolitisches Konzept, wenn wir kein Heer von Arbeitslosen wollen. Der Sozialstaat wird die durch Industrie 4.0 ausgelösten Veränderungen nicht in vollem Umfang auffangen können.“

Knackpunkte seien laut Müller etwa das umlagefinanzierte Pensionssystem und fehlende Investitionen in das Bildungssystem. Bildung müsse angesichts der großen Herausforderungen neu gemanagt werden. Eines der großen Unbekannten sei unter anderem auch, wie sich künstliche Intelligenz auf unseren Alltag auswirken wird. Lohnzuwächse erwartet Müller in Zukunft nur für hochqualifizierte Mitarbeiter. Allen anderen dürfte der finanzielle Abstieg drohen.

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