Investieren Bitcoin und Co: Das Wichtigste für Kryptokäufer

Die wichtigsten Kryptowährungen im Vergleich, wie man sie kaufen kann und was man bedenken sollte.

Die wichtigsten Kryptowährungen im Vergleich, wie man sie kaufen kann und was man bedenken sollte.

Gigantische Zuwachsraten bei Kryptowährungen locken Investoren und Zocker an. Das Risiko, so viel ist klar, ist der Totalausfall. Ein Überblick über das, was momentan noch möglich ist.

Wer in Kryptowährungen investiert, braucht, das haben die vergangenen Tage mit irrsinnigen Kursschwankungen gezeigt, sehr gute Nerven. Außerdem muss klar sein, dass das Risiko eines Totalausfalls besteht. Der Bereich ist komplett dereguliert, es gibt keinerlei Sicherheiten, auch keine Rechtssicherheit. "Das gesamte Risiko liegt jetzt bei den Anlegern", warnt auch Klaus Kumpfmüller, Vorstand der Finanzmarktaufsicht (FMA),"niemand weiß, welches Recht im Ernstfall überhaupt zur Anwendung kommt, auch haben die Emittenten gar keine Rechtspersönlichkeit, die man klagen könnte." Nach wie vor sind Kurssteigerungen von über 50.000 Prozent in kürzester Zeit aber für viele eine Verlockung. Es ist vor allem Spekulation, keine Frage. Weil das aber in einem gänzlich neuen Bereich stattfindet, gibt es eine Reihe offener Fragen.

Kryptocoins: Bitcoins und 10 starke Alternativen

BITCOIN (BTC)

Die "Mutter der Kryptowährungen". Mit Bitcoin schafte auch die Blockchain Technologie den Durchbruch.

• Marktkapitalisierung: 178,59 Mrd. $
• Aktueller Wert: 10.607 $

BITCOIN CASH (BCH)

Die Nr. 4 in der Kryptowelt ist am 1. August 2017 durch eine Abspaltung (Fork) von Bitcoin entstanden, um die Transaktionszeiten mit "normalen" Bitcoins zu verkürzen.

• Marktkapitalisierung: 26,78 Mrd. $
• Aktueller Wert: 1.580 $

Angaben zu Marktkapitalisierungen und Werten per 30.01.2018; 15:30 Uhr

1. WIE KOMMT MAN AN KRYPTOWÄHRUNGEN?

Im Grunde gibt es drei Möglichkeiten, einzusteigen. Erstens: Man kauft existierende, also bereits durch gewaltige Rechnerleistungen virtuell entstandene Währungen, entweder online oder auch bei Offline-Automaten. Zweitens: Man schürft sie selbst, oder man spielt, drittens, über die Bande und investiert in Unternehmen und Wertpapiere, die auf Kryptowährungen setzen. Die Voraussetzung, dabei aktiv zu werden, ist jedes Mal ein Wallet, eine Art elektronische Brieftasche, die Kryptowährungen senden und empfangen kann. Wallets gibt es als Apps auf dem Smartphone, aber mittlerweile auch für PCs und Tablets.

2. WIE KANN MAN DAMIT HANDELN?

Auf sogenannten Marktplätzen wie etwa bitcoin.de (deutschsprachig, Servicehotline) wechseln virtuelle Währungen direkt die Besitzer. Man zahlt dabei auch in regulären Währungen. Die Plattform verdient über Gebühren, die zwischen 0,3 und ein Prozent des Währungswerts ausmachen. Eine Sonderform bietet die österreichische Plattform Bitpanda in Kooperation mit der österreichischen Post an: In Postfilialen lassen sich Gutscheine für Digitalwährungen erstehen, die dann auf der Plattform eingelöst werden können. Auf Kryptobörsen wiederum läuft der Handel automatisiert ab. Man registriert sich, hinterlegt seine Kreditkarte, gibt ein Kaufangebot ab, und die Börse sucht den besten Match. Die Coins werden dann von der Börse verwaltet. Auch hier fallen übrigens Handelsgebühren an. Eine dritte Möglichkeit, im virtuellen Raum auch an neue Kryptowährungen zu kommen, sind sogenannte ICOs, Initial Coin Offerings: Krypto-Start-ups geben dabei quasi Gutscheine auf die zukünftige Währung aus, um sich die Anfangsphase zu finanzieren. Eine weitere Möglichkeit ist, seine Waren und Dienstleistungen gegen Kryptowährungen anzubieten.

3. KANN MAN DIGITALWÄHRUNGEN SELBST SCHÜRFEN?

Theoretisch geht das. Die Mining-Geräte sind aber kostspielig, ihre Rechenleistung muss enorm sein, und das gilt auch für ihren Energieverbrauch, der für alle Kryptowährungen momentan in der Höhe des Stromverbrauchs von Argentinien liegt. Sogenannte Rigs, die sich an Einsteiger richten, bietet etwa seit Herbst auch techbold an, die neue Firma von Damian Izdebski, der mit DiTech vor wenigen Jahren in die Pleite geschlittert war. Sie kosten bis zu 6.200 Euro. Experten raten, dass sich das Mining nur bei Währungen, die noch nicht jene Höhen wie Bitcoin erreicht haben, lohnt. Das Mining ist deshalb so schwierig, weil Miner aus Sicherheitsgründen extrem komplexe kryptografische Aufgaben lösen müssen, um an die Coins heranzukommen - damit soll es für Hacker oder Angreifer von außen nahezu unmöglich werden, das ganze System zu übernehmen.

4. WIE INVESTIERT MAN ÜBER DIE BANDE?

Seit wenigen Wochen kann man über klassische Futures auf die Kursentwicklung von Bitcoin investieren. Sie basieren auf einem Bitcoin-Index der Optionsbörse, man kann ganz ohne Kryptowährungen aktiv werden. Das macht die Spekulation auf die Preisentwicklung auch für institutionelle Anleger interessant. Eine andere Möglichkeit ist es, in Unternehmen zu investieren, die auf die Blockchain-Technologie und teils auch auf Kryptowährungen setzen - und zum Beispiel Handelsplattformen betreiben.

5. WIE BLEIBT DAS RISIKO ÜBERSCHAUBAR?

Die klassische Regel gilt auch hier: Je breiter das Risiko verteilt ist, desto besser. Der große Unterschied zu anderen Anlageformen ist aber, dass es bei Kryptowährungen keinerlei Regulierung gibt. Anbieter und Händler müssen bisher keine geregelten Standards erfüllen, sondern setzen ganz auf Vertrauen. Das geht nicht immer gut: Laut einer Cyber-Sicherheits-Studie der Universität Tulsa wurden seit 2009 rund ein Drittel der Handelsplattformen für Kryptowährungen gehackt. Unzählige Coins gingen verloren, in einigen Fällen wird Betrug vermutet. Als Minimalabsicherung soll man sich seine Kryptowährungen also schnell aufs Offline- Wallet laden. Christian Prantner von der Konsumentenpolitik der Arbeiterkammer Wien rät außerdem, sich nicht nur die Spekulationsobjekte und ihre Historie, ihre Communitys genau anzuschauen, sondern auch die Händler: "Gibt es ein Impressum, wird der Gerichtsstand angegeben, gibt es Risikohinweise und AGB? Das sind wichtige Grundinformationen", so Prantner. Der Elchtest sei aber: "Fragen Sie Ihre Rechtsschutzversicherung, ob sie Ihre Rechtsansprüche durchsetzt, wenn etwas schiefläuft." Oft ist nämlich gar nicht klar, wer eigentlich der Vertragspartner bei einem Krypokauf ist. Bei Modellen, in denen fixe Zinszuwächse versprochen oder Anleger dazu aufgerufen werden, weitere Anleger zu werben, ist sowieso Alarm. Im unregulierten Raum der Kryptowährungen kann sich dahinter ein Pyramidenspiel verstecken. Die FMA hat übrigens eine Verbraucherinformationsstelle eingerichtet.

6. MUSS MAN KRYPTOGEWINNE VERSTEUERN?

Das hängt laut bisherigem Informationsstand des Finanzministeriums davon ab, ob beim Halten der Coins eine sogenannte zinstragende Veranlagung vorliegt: Wenn die Coins also für zusätzliche Coins verliehen werden, fällt bei Wertsteigerungen ein Steuersatz von 27,5 Prozent an. Auch wenn man in Kryptowährungen investiert und sie innerhalb eines Jahres (der Spekulationsfrist) weiterverkauft, wird der Wertzuwachs für Privatpersonen steuerpflichtig.


Der Artikel ist der trend-Ausgabe 1-3/2018 vom 19. Jänner 2018 entnommen; Angaben zu Marktkapitalisierung und Werten aktualisiert per 30.1.2018.

Kommentar
Ariel Bezalel, Jupiter Asset Management

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