Totalschaden: Wann die Versicherung am längeren Ast sitzt

Totalschaden: Wann die Versicherung am längeren Ast sitzt

Auto kaputt, Versicherung zahlt nur geringe Entschädigung? Kommt laut Versicherungen selten vor. Wappnen sollte man sich trotzdem.

Versicherungen bestimmen mit umstrittenen Methoden, wann ein Auto ein Totalschaden ist. Autohändler ärgert das immer wieder. Wie Versicherungen vorgehen, worauf man bei Kfz-Versicherungen achten sollte, um nach einem Unfall Entschädigung zu bekommen, um sich damit ein gleichwertiges Auto leisten zu können.

Im Fall des Falles zahlt die Versicherung alles? Mitnichten. Diese Erfahrung machen vor allem Autofahrer immer öfter. Selbst dann, wenn sie im vermeintlichen Vertrauen auf Sicherheit eine Kasko-Versicherung abgeschlossen haben. Früher wurde den Wert eines havarierten Autos von einem sachverständigen Gutachter bestimmt. Heute beurteilen letztlich Kfz-Versicherungen, wie viel ein Auto nach einem schwereren Unfall noch wert ist. Das ist ein heikles Unterfangen, bei dem die Geschädigten leer ausgehen oder zumindest das finanzielle Nachsehen haben können.

Wenn die Versicherungsbranche auch immer wieder betont, dass es bei 99 Prozent aller Kasko-Schäden keine Probleme gibt: Die Finesse liegt bei der Beurteilung der Schäden. Die Versicherung stellt letztlich fest, wie hoch der Schaden ist und welchen Betrag der Versicherte folglich erhält. Kommt die Versicherung dabei zu dem Ergebnis, dass es sich um einen sogenannten "wirtschaftlichen Totalschadens" handelt, so muss diese nur die Differenz zwischen dem Zeitwert und dem aus dem Wrack erlösbaren Verkaufspreis begleichen, ohne die tatsächlichen Reparaturkosten zu berücksichtigen.


Versicherungen können Schäden, die bei weitem nicht an den Fahrzeugwert heranreichen, zum Totalschaden erklären.

Basis dieser Schadensfeststellung sind Wrackbörsen und andere Schadensbewertungen. Zu den als Online-Auktionsplattform eingerichteten Wrackbörsen haben nur Händler Zutritt. Laut Gesetz liegt dann ein Totalschaden vor, wenn die Reparaturkosten und der Restwert den Wiederbeschaffungswert übersteigen. "Versicherer können somit Schäden, die bei weitem nicht an den Fahrzeugwert heranreichen, zum Totalschaden erklären", so Burkard Ernst, Obmann des Bundesgremiums Fahrzeughandel.

Auf eine Reparatur ihres Autos können Kasko-Kunden rein rechtlich nicht bestehen. Sie bekommen zwar, sofern das Auto nicht zu alt ist, den Zeitwert ersetzt, ein gleichwertiges Auto können sie mit der Entschädigung aber meistens nicht kaufen. Viele Autohändler sind daher der Ansicht, dass die Wrackbörsen eine Einrichtung der Versicherungen sind, um im Schadensfall Geld zu sparen.

Kfz-Werkstätten und Autobesitzer betroffen

Die Leidtragenden dieser Vorgehensweise sind neben den Autobesitzern auch die Kfz-Werkstätten, schließlich werden wegen des Handels an den Wrackbörsen deutlich weniger Autos repariert. Die beschädigten Autos werden oft ins Ausland verkauft, mitunter auch nur, um an einen Typenschein heranzukommen.

Der heimische Fahrzeughandel warnt daher vor Kfz-Kasko-Versicherungspolizzen, die im Schadensfall eine Einstufung des Autos als sogenannter "wirtschaftlicher Totalschaden" ermöglichen - auch wenn der Besitzer des Fahrzeugs lieber eine Reparatur gehabt hätte.

Sollte die Versicherung doch eine Reparatur des Autos erlauben, droht der Kunde wieder in eine Falle zu tappen. Wenn nämlich im Vollkaskovertrag eine Schadenslenkungsklausel enthalten ist, kann die Versicherung bestimmen, in welcher Werkstatt das Auto repariert werden muss. Allfällige Bedingungen werden dabei wieder von den Versicherungen diktiert.

Versicherungsklauseln häufig nicht bekannt

Ein OGH-Urteil bestätigte sogar die Rechtmäßigkeit dieser Vertragsvereinbarungen. Autohandelsobmann Ernst warnt: "Diese Vertragsklauseln dürften Versicherungsnehmern aber nicht ausreichend bekannt sein." Er rät daher, Versicherungen direkt beim Autohändler abzuschließen. Der Branchenversicherer des österreichischen Kfz-Gewerbes biete beispielsweise Reparaturen bis zu 100 Prozent des Wiederbeschaffungswertes.

Der Hintergedanke ist klar: Die Autohändler mit ihren angeschlossenen Kfz-Werkstätten haben naturgemäß ein höheres Interesse, Autos zu reparieren und damit daran zu verdienen, als sie über Wrackbörsen auf Nimmerwiedersehen zu verkaufen.

"Nur Einzelfälle"

"Wrackbörsen sind keine Neuheit, sondern lange gängige Praxis", wehrt sich ein Kfz-Vorstandsdirektor eines großen heimischen Allspartenversicherers gegen die Kritik. Fälle, in denen Kunden stark benachteiligt würden, wären Einzelfälle. Von diesen Preisbörsen würden Kunden auch profitieren. So seien Restwerte früher oft von Kfz-Werkstätten oder Händlern zu niedrig eingestuft worden. "Das war früher das große Körberlgeld, auch wenn das schon Jahrzehnte her ist." Es sei außerdem unrichtig, dass kaskoversicherte Autos nur bis zu einem Schaden von etwa 70 Prozent des Wiederbeschaffungswertes repariert würden. Tatsächlich liege dieser Wert "viel, viel höher".

Online-Recherchen ergaben auch, dass im Einklang mit der Judikatur bis zu einer Höhe von 110 oder 115 Prozent des Wiederbeschaffungswertes repariert wird. Das Problem dabei ist allerdings: Es gibt es keine starren Prozentsätze, bis zu denen Autos repariert werden. Autofahrer sind daher auf den guten Willen der Versicherer abhängig. Gerade wer knapp bei Kasse ist und ein älteres Auto hat, wird nach einem Unfall keine ganz leichte Position gegenüber dem Versicherer haben.

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