MAN Steyr soll schon 2022 zugesperrt werden

Im Münchner Headquarter des MAN-Konzerns wird die Schließung für das Werk Steyr forciert. Weitere Mitarbeiter sollen schon ab Mai gehen. Von der bis 2030 gegebenen Standortgarantie will der deutsche Nutzfahrzeughersteller nun nichts mehr wissen.

MAN Steyr soll schon 2022 zugesperrt werden

MAN will 2022 Steyr schon Servus sagen. Der Streit um die Standortgarantie eskaliert und könnte MAN bei vozeitigem Abschied Milliarden kosten.

Steyr/München Die deutsche MAN drückt bei der geplanten Schließung des Werks in Steyr aufs Tempo. Bereits im Mai soll stufenweise die Produktion zurückgefahren werden. Die Belegschaft wird offenbar heute, Mittwoch (21.04.), über einige Eckpunkte informiert. Und das Werk soll früher als bisher beabsichtigt geschlossen werden: Die Schließung soll nicht bis 2023, sondern schon bis Ende kommenden Jahres 2022 abgewickelt worden sein. Ab Mai sollen neben bereits gekündigter Leiharbeitskräften erste Mitarbeiter des MAN-Werks abgebaut werden.

Das Werk zählte bis vor kurzem noch Rund 2.300 Beschäftigten (inkl. Leasing-Personal), die ersten 280 Leasingarbeitskräfte wurden bereits gekündigt. Dies erfolgte direkt nach dem Nein-Votum der Belegschaft gegen die Übernahme durch den österreichischen Auto-Manager Siegfried Wolf mit seiner WSA Beteiligungs GmbH.

64 Prozent der Mitarbeiter hatten sich gegen den von der MAN-Zentrale gewünschten Übertritt gestemmt. MAN hatte kurz danach bekanntgegeben, dass die Hälfte der rund 280 Leasingarbeitskräfte - in einem späteren Schritt auch die restlichen - abgebaut werden. Ebenso wurde von den ersten Schließungsschritten gesprochen. Nun liegt offenbar bereits ein grober Fahrplan für weitere vor.

MAN-Management setzt auf Wolf

MAN hatte schon vor der Abstimmung klargestellt, dass der Konzern keine Alternative zur Wolf-Übernahme sehe. Andere Interessenten sollen bisher gar nicht berücksichtigt oder gar in Erwägung gezogen worden sein. Das MAN-Motto lautet: Entweder Wolf oder keiner! Es habe laut MAN bisher kein anderes tragfähiges Konzept gegeben.

Anders sieht das freilich die MAN-Belegschaft: Die Belegschaftsvertretung liebäugelt mit dem Green-Mobility-Konzept eines österreichischen Konsortiums, bei dem allerdings noch einige Details offen sind. Die Betriebsräte sehen auch andere Interessenten.

Personalabbau in schnellen Etappen

Betroffen vom ersten Personalabbau im Steyr-Werk sind die Lkw-Montage, die Fahrerhaus-Ausstattung und die X-Fahrerhausproduktion. Die Modifikation der schweren Fahrzeugreihe soll schon bis 3. Mai, die Sonderfahrzeuge-Produktion bis Mitte des Monats auslaufen.

MAN will das ohne Verschiebung oder Aufgabe von Aufträgen durchziehen. Die Mitarbeiter wurden auch informiert, dass entgegen den bisherigen Usancen die Öffnung der Kunststoff-Lackiererei an den Zwickeltagen im Mai und Juni notwendig sei.

Die Verhandlungen stocken

Verhärtet dürften die Fronten auch in Sachen Sozialplan sein: Am Montag dieser Woche (19. April) haben in Steyr die Verhandlungen darüber begonnen (siehe Artikel). Der Betriebsrat will über "einen Sozialplan mit doppelter Freiwilligkeit", wie er bei MAN in Deutschland gelte, reden. Damit meint er, dass Arbeitnehmer nur von sich aus das Werk verlassen sollen und mit dem Sozialplan nicht die Schließung des Werks verbunden sein dürfe.

MAN geht hingegen davon aus, dass ein neuer Sozialplan auf Basis der Schließung verhandelt werden muss und alle Mitarbeiter gekündigt werden. Daraus lässt sich die Rechnung ableiten: Der Topf muss nun für mehr Leute reichen als es bei einer Wolf-Übernahme der Fall gewesen wäre.

Der Streit über die Standortgarantie

Der eigentliche Knackpunkt ist hier die Frage, ob die Standortgarantie, die MAN aufgekündigt hat, immer noch gültig ist. Die Belegschaftsvertretung geht schon davon aus und meint, dass man dann ja keinen Sozialplan bräuchte. MAN hingegen hält den Vertrag für hinfällig.

Beide Seiten stützen sich auf Rechtsexpertisen. Die Gewerkschaft bekam zuletzt Rückenwind durch eine Einschätzung des Linzer Zivilrechtlers und JKU-Rektors Meinhard Lukas, der die Rechtsauffassung vertritt, dass im Falle einer Schließung Kündigungsentschädigungen bis zum Jahr 2030 fällig werden. Dabei könne es sich um Milliardenbeträge handeln.

Der Dominoeffekt

Was eine Schließung für die Region bedeuten könnte, hat kürzlich eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo im Auftrag der Arbeiterkammer gezeigt: Demnach wären inklusive Zulieferern und induzierten Effekten rund 5.900 Jobs bedroht. Die Studie zeigt auch, wie bedeutend die Branche für die Region und darüber hinaus ist: Insgesamt würden derzeit rund 6.000 Leute - das sei ein Viertel der Beschäftigten in Steyr bzw. jeder sechste Mitarbeiter der österreichischen Kfz-Industrie - dort Arbeit haben.

Mit der gesamten Autoindustrie in Steyr, die im wesentlichen von MAN und BMW getragen wird, seien demnach rund 20.000 Arbeitsplätze österreichweit verknüpft. BMW hatte am Dienstag (21.4.) erklärt, man wolle die Belegschaftsstärke - rund 4.400 Personen - in Steyr stabil halten (siehe Artikel).

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