MAN zu Green-Mobility-Center Steyr Plänen: "Lauwarme Luft"

Der Plan des Konsortiums um den Unternehmer Karl Egger, aus dem MAN-Werk in Steyr ein Green-Mobility-Center zu entwickeln stößt bei MAN auf wenig Interesse. Dort heißt es weiter: "Wolf oder nichts!"

LKW-Produktion bei MAN

LKW-Produktion bei MAN

Zwei Interessenten wollen aktuell das zur Disposition stehende MAN-Werk in Steyr übernehmen - Chancen hat wohl nur Investor Siegfried Wolf mit seinem Unternehmen WSA. Das Konzept für ein Green-Mobility-Center des Konsortiums LGG um den Linzer Unternehmer Karl Egger (KeKelit), sei nur "lauwarme Luft" und kein "taugliches Konzept", hieß es aus dem nahen Umfeld des Konzerns.

Rechtsanwalt Gerald Ganzger, der Sprecher des Konsortiums erklärt dazu: „Wir sind nach wie vor der Meinung, dass MAN den Mitarbeitern und deren Familien es schuldig ist, alle Optionen zur Erhaltung des Standorts auszuloten und mit allen Interessenten ernsthafte Gespräche zu führen und ihnen Zugang zu den Daten zu gewähren. Unsachliche Äußerungen seitens MAN helfen weder den vielen betroffenen Menschen noch der Region. MAN ist auch an den Standortsicherungsvertrag zu erinnern und ist es völlig unverständlich, dass MAN nur mit Wolf Gespräche führt und offensichtlich das große Problem der drohenden amerikanischen Sanktionen ausblendet.“

Im September 2020 holte sich bereits ein anderer Interessent eine Abfuhr von MAN. Der Berater Christoph Strobl hatte, wie die Oberösterreichischen Nachrichten (OÖN) berichten, mit der Innovationsinitiative Grantiro und dem Sanierungsfonds Transformation Equity Partners Interesse am Standort Steyr gezeigt. Ihm Interessenten sei mitgeteilt worden, dass Steyr geschlossen werde. "Es wundert uns, dass weder die Gruppe um Karl Egger noch wir die Gelegenheit bekamen, eine Due Diligence (Wirtschaftlichkeitsrechnung) zu machen", erklärt Strobl in den OÖN.

Wolf oder nichts

Aus der MAN-Zentrale in München ist nun quasi ein Ultimatum zu hören: Ohne Wolf gebe es für den Standort Steyr keine Zukunft, so wolle es auch der Aufsichtsrat. Der soll sich mehrheitlich dafür ausgesprochen haben, Steyr entweder an Wolf mit seiner Firma WSA zu verkaufen oder wie geplant 2023 zu schließen. Spätestens nach Ostern soll der Vertrag zur Unterschrift fixiert sein.

Die Pläne Sigi Wolfs haben eine starke Russland-Komponente. Bis Ende 2022 will Wolf mit WSA noch für MAN produzieren, ab dann sollen unter der Marke Steyr vier Fahrzeugmodelle für den Weltmarkt produziert werde. Zudem sollen jährlich 10.000 bis 12.000 Lkw-Fahrerkabinen an das russischen Automotive-Unternehmen GAZ geliefert werden. GAZ gehört zum Firmenimperium des Oligarchen Oleg Deripaska, Wolf hält daran zehn Prozent.

Von den aktuell mittlerweile nur mehr 1.845 Stammmitarbeitern sollen dem Wolf-Plan zufolge 1.250 übernommen werden, allerdings sollen sie für weniger Geld arbeiten. Maximal 15 Prozent vom Nettobetrag soll die Kürzung ausmachen, meinte Wolf-Sprecher Josef Kalina. Dafür gebe es eine Entschädigung von 10.000 Euro.

Kritik am Wolf-Plan

Der Betriebsrat stellt sich jedoch weiter gegen einen Verkauf an Wolf und damit gegen die Zentrale in München. Während Kalina die Russland- Connection als zusätzliches Asset sieht, hält sie der Betriebsrat für ein Risiko - besonders angesichts der aufrechten Sanktionen gegen Russland. Arbeiterbetriebsrat Erich Schwarz hält daher auch den LGG-Plan für ein Green-Mobility-Center grundsätzlich für solider als die Variante mit Sigi Wolf. Zudem stellt sich der Betriebsrat auch gegen die geplanten Lohnkürzungen.

Am Freitag (26. März) will Wolf der Belegschaft seinen Übernahmeplan im Detail erläutern

Gerüchte von einem "Aufsaugmodell" weist Kalina zurück: "Kollektivvertrags-Runden werden voll mitgemacht." Außerdem sei eine 10-prozentige Gewinnausschüttung für die Belegschaft beabsichtigt, so Kalina weiter. Für jene die nicht übernommen werden, sei ein Sozialplan inklusive Arbeitsstiftung vorbereitet worden. Außerdem sollen auch sie einmalig 10.000 Euro erhalten.

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