Autonomes Fahren: Kalifornien gibt Autos ohne Lenker freie Fahrt

Autonomes Fahren: Kalifornien gibt Autos ohne Lenker freie Fahrt

Auto ohne Fahrzeuglenker - Kalifornien stellt die Ampel auf grün für ein neues Auto-Zeitalter.

Der US-Bundesstaat Kalifornien gibt grünes Licht für selbstfahrende Autos, die ohne Fahrzeuglenker auskommen. Gut 50 Autohersteller und Mobilitätsunternehmen haben um Lizenzen angesucht, um in Kalifornien "Fahrerlos" durchzustarten.

San Francisco. In Kalifornien wird ab April eine neue Ära der Autombilfgeschichte eingeläutet. Dann dürfen selbstfahrende Autos ohne Lenkrad und Pedale auf die Straße. Autos können dann wie von Geisterhand gesteuert werden.

Waren im November 2017 noch 43 Unternehmen angestanden, um sich eine Lizenz zu lösen, sind es aktuell 50 Automobilhersteller, Mobilitätsdienstleister und Softwarecompanys aus unterschiedlichen Ländern der Welt, die künftig Autos auf den Straßen von San Francisco über das Silicon Valley und Los Angeles bis in den Süden nach San Diego auf die Straßen bringen wollen, die erstmals ohne Autolenker gesteuert werden. Damit wird die Testregion ausgewitet.

Bisher hatte es bereits mehere Testregionen gegeben, in denen Autos ohne Lenker im Einsatz waren. Ein Großversuch sticht dabei besonders ins Auge. Googles Schwesterfirma Waymo hatte seit 2016 in Phoenix in Arizona bereits einen Großversuch laufen. In einem umrissenen Stadtbezirk hat seither eine fahrerloses Robotortaxi seien Runden gedreht. In anderen Testregionen mussten bisher die Autos zur Sicherheit noch eine Person mitfahren lassen, die für alle Fälle noch ins Geschehen eingreifen konnte.

Doch damit ist nun Schluss zumindest in Kalifornien: Die Verkehrsbehörde des US-Bundesstaats kippte am Montag die bisherige gesetzliche Vorgabe, dass für den Notfall stets ein Mensch als Sicherheitsfahrer am Steuer sitzen müsse. Vor allem Technologieunternehmen aus dem Silicon Valley hatten sich für die Änderung der Anforderung starkgemacht.

Ab 2. April können nun auch die Lizenzen für Fahrzeuge ohne Menschen am Steuer in Kalifornien beantragt werden. Drei unterschschiedliche Lizenzen können dabei gelöst werden, schreibt der österreichische Innovationsexperte Mario Herger in seinem Blog, der selbst im Silicon Valley Chef von Enterprise Garage Consultancy ist und sich mit Innovations-Management befasst. Herger hatte kürzlich im Interview mit trend.at erklärt, dass die Ära des selbstfahrenden Autos bald bevorstünde und der Tag näher kommt, an dem man "Menschen nicht mehr ans Steuer lassen wird".

Bei den nun von den Verkehrsbehörden Kaliforniens ausgeschriebenen drei unterschiedlichen Lizenzen geht es um Tests mit Sicherheitsfahrer im Fahrzeug, Tests ohne Sicherheitsfahrer im Fahrzeug sowie der Berechtigung eines (kommerziellen) Betriebs eines autonomen Fahrzeugs.

Die Einstiegshürde

Die Antragsteller müssen beweisen, dass ihre Roboterautos die Sicherheitsstandards erfüllen und etwa gegen Cyberattacken geschützt sind. Zumindest aktuell soll der Betrieb der Wagen per Funk überwacht werden. Die Bewegungsdaten der Autos sollen aufgezeichnet werden ähnlich wie mit einem Flugschreiber in der Luftfahrt. Außerdem muss ein Verfahren für die Kommunikation mit einem Polizisten entwickelt werden, der ein Roboterauto stoppt.

Doch ganz ohne Kritik wird das selbstfahrende Auto nicht in den Verkehr gehen. Nach einem Bericht der "New York Times" stehen der USA umfangreiche Gesetzesänderungen bevor, sollte das Beispiel Kaliforniens in den anderen 50 US-Staaten nachgezogen werden.

In der Pole Position war bisher vor allem Googles Tochterunternehmen Waymo. Die Ingenieure von Google hatten bereits im Jahr 2009 ein Projekt gestartet, mit dem die Forschung an einem neuartigen Auto angeschoben wurde, das ohne Fahrer auskommen sollte. Der Gründer des Projects, Sebastian Thurn, einst Direktor vom Stanford Artifical Intelligence Laboratory, hatte bereits im Jahr 2005 einen Wettbewerb gewonnen, der mit zwei Millionen Dollar vom US-VErteidungsministerium dortiert worden war. Bei der DARPA Grand Challenge 2005 hatte er zusammen mit 15 Ingenieuren ein Rennen für Robotorautos gewonnen. Er war mit seinem Team auf der 11,78 Kilometer langen Strecke gegen einer von 23 Finalisten, von denen allerdings nur vier am Ziel angekommen waren.

Im Jahr 2014 hatte Google erstmals ein Auto auf die Straße gebracht, das ohne Lenkrad, Gaspedal und Bremspedal auf die Straße gebracht. Es war das erste Auto, das zu Testzwecken in der San Francisco Bay Region in den Straßenverkehr gebarcht wurde. Waymo wurde im Jahr 2016 im Rahmen der strategischen Neuorgansiation Googles als Tochter von Alphabet neu gegründet.

Doch Waymo hat keine eine Alleinstellung beim autonomen Fahren. Auch der Autoriese General Motors stellte dafür jüngst einen Prototypen ohne Lenkrad und Pedale vor. Aber auch anderer Hersetller testen bereits wieder einmal eifrig durch - teils alleine oder in Kooperation etwa mit dem Taxi-Dienstleister Uber. Und in San Francisco und der Bay Area werden derzeit Autos, Kleinlastkraftwagen, Taxis und SUVs verschiedener Hersteller gesichtet, die ohne Autolenker von "Geisterhand" gesteuert werden.

Prometheus lässt grüßen

Das Thema Autonomes Fahren ist nicht so neu, wie es scheint. Erste Forschungsprojekte reichen zurück bis in die frühen 1950er-Jahre. Später hatte die Europäische Gemeinschaft ab 1986 das Projekt PROMETHEUS („Programm für ein europäisches Transportwesen mit höchster Effizienz und unerreichter Sicherheit“) reichlich mit Geld versorgt. Der Anlass war die damals elf europäsichen Autobauer an einen Tisch zu bekommen, um ein Gegenwicht zu bilden gegen die technologische Führerschaft von Japan und den USA.

Ab 1986 forschten in unterschiedlichen Teilprojekten über 300 Wissenschaftler aus Detsuchland, Schweden, Frankreich, Italien und England zur Mobilität und Verkehrssystemen der Zukunft. Das Projekt wurde in den frühen 1990er Jahren mit dem Ablauf des Projektzeitraumes eingestellt.

Die heutige Situation ist ähnlich der in den 1980ern. Allerdings haben die Autohersteller heute mehr zu verlieren. Die Autoginganten haben neue Konkurrenz zu befürchten, weil auch IT-Companys und Mobilitätsdienstleister sich um die Verkehrsthemen der Zukunft kümmern, die zudem mit viel Kapital ausgestattet ein neues Betätigungsfeld aufgemacht haben. Und es sind zum Teil auch kleine, agile Unternehmen am Werk, die sich gegen die etablierten Autokonzerne aufstellen, die einerseits wie schwerfällige Tanker unterwegs sind, aber andererseits das Thema vor sich herschieben und Umsatz- und Profiteinbußen befürchten. Kaum Wunder, dass die Autokonzerne erst für die 2020er Jahre erste echte autonome Autos in Serie bauen wollen.


Lesen Sie auch:
Autonomes Fahren: Man wird Menschen nicht mehr ans Steuer lassen


Interview
Telekom Austria COO Alejandro Plater (li.) und CEO Thomas Arnoldner

Wirtschaft

"Ein Börsenrückzug ist überhaupt kein Thema"

Alibaba-Gründer zieht Job-Versprechen an Trump zurück

Wirtschaft

Alibaba-Gründer zieht Job-Versprechen an Trump zurück

KMU sind auf dem Stand von "Digitalen Neulingen"

Wirtschaft

KMU sind auf dem Stand von "Digitalen Neulingen"