Ex-Verbund-Boss Anzengruber für Abgabe auf „Zufallsgewinne"

Der frühere Verbund-Generaldirektor Wolfgang Anzengruber schlägt vor, von Stromerträgen über 100 Euro pro MWH 30 bis 40 Prozent an den Staat abzugeben.

Wolfgang Anzengruber, Verbund Generaldirektor 2009-2020

Wolfgang Anzengruber, Verbund Generaldirektor 2009-2020

Wolfgang Anzengruber, Verbund-Generaldirektor von 2009 bis Ende 2020 und jetziger Energieberater von des Bundespräsident Alexander Van der Bellen, spricht sich im Interview mit dem trend für eine Abgabe auf die hohen Profite einiger Unternehmen aus – was auch den Verbund betreffen würde.

„Das sind keine Übergewinne, sondern Zufallsgewinne aufgrund einer Marktverzerrung. Darum ist es legitim – etwa zur Gegenfinanzierung einer Strompreisbremse des Bundes – zeitlich befristet eine gewisse Beteiligung der Branche daran festzuschreiben", erklärt Anzengruber, "Produzenten erneuerbarer Energien inklusive Wasserkraft, die sehr niedrige variable Kosten haben, profitieren aktuell überproportional von den durch den Gaspreis getriebenen hohen Strompreisen."

Der Weg einer Abgabe über die Dividende habe oft den Nachteil, dass eine Privatisierung der Erträge bei gleichzeitiger Sozialisierung der Kosten entstehe. "Es braucht eine intelligente Lösung", betont Anzengruber.

Sonder-Steuer für hohe Erträge

Der frühere Verbund-Chef macht auch einen konkreten Vorschlag, wie eine solche Lösung aussehen könnte: „Die Vollkosten liegen bei den Erneuerbaren zwischen 70 und 80 Euro pro Kilowattstunde (KWh). Ein Modell könnte zum Beispiel sein, auf Markterträge, die über 100 Euro hinausgehen, eine Abgabe von 30 bis 40 Prozent einzuheben. Die Unternehmen wären weiterhin profitabel und könnten damit auch investieren.“ Und der Topmanager ergänzt: „Wir haben den Ausbau der Erneuerbaren über 20, 30 Jahre mit erheblichen Summen gefördert. Es wäre fair, dass man von den derzeitigen Zufallsgewinnen der öffentlichen Hand einen Teil abgibt."

Er betont dabei ausdrücklich, dass so eine Steuer keinesfalls nur für Verbund (oder auch die OMV) gemacht werden dürfe: „Natürlich müsste sie für alle gelten, nicht nur für ein bestimmtes Unternehmen, und so gestaltet werden, dass daraus nicht eine Verstaatlichung durch die Hintertür entsteht. Eine gesetzliche Abgabe hat jedenfalls den Vorteil, dass Vorstände von Energiekonzernen kein Untreue-Thema bekommen. Am sinnvollsten wäre, einen europäischen Gleichklang zu finden.“


Lesen Sie das Interview mit Wolfgang Anzengruber in der trend. PREMIUM Ausgabe vom 9. September 2022.

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