
Klaus Lässer, CEO ILF Group, Entrepreneur Of The Year in der Kategorie Dienstleistungen und Österreichs Vertreter beim EY World Entrepreneur Of The Year 2026, und Erich Lehner, EY, über KI-Revolution, Nachhaltigkeit und Wirtschaftspolitik.
TREND: Wie ist die Stimmung beim EY World Entrepreneur Of The Year Award in Monaco?
KLAUS LÄSSER: Die Stimmung ist sehr positiv, ich konnte sehr viele spannende neue Kontakte knüpfen, denn die Vielfalt der vertretenen Entrepreneure ist beeindruckend. Die Spanne reicht vom Kakaobohnenproduzenten aus Südamerika bis zu Hightech-Rüstungsspezialisten, und es wäre gar nicht möglich, sich bei so vielen spannenden Begegnungen und Vorträgen nicht inspirieren zu lassen. Und obwohl alle Entrepreneure unterschiedliche Hintergründe haben, blicken sie hoffnungsvoll in die Zukunft.
ERICH LEHNER: Was erfolgreiche Entrepreneure verbindet, ist, dass sie eine besonders hohe Resilienz aufweisen. Die Weltwirtschaft taumelt seit Jahren von einer Krise in die nächste, doch Entrepreneure finden auch dort Chancen, wo andere Gefahren sehen.
In Österreich lahmt die Konjunktur auch heuer. Was könnte das ändern?
LEHNER: Unternehmen brauchen klare und verlässliche Rahmenbedingungen – die Planbarkeit ist derzeit auch wegen der nationalen Politik erschwert, siehe Beispiel E-Firmenautos und Sachbezug. Der Staat hat kein Einnahmenproblem, muss aber effizienter mit den vorhandenen Mitteln umgehen: Bei der Verwaltung ließen sich bestimmt fünf bis zehn Prozent sparen. Leider fehlen strategische Ansätze. Dabei wären viele Probleme gerade jetzt lösbar. Beispielsweise werden aus demografischen Gründen bald Tausende Beamten fehlen, dagegen müsste man jetzt auf Digitalisierung und KI setzen. Wichtig wäre auch, das Unternehmertum positiv darzustellen und nicht in ein „Unternehmerbashing“ zu verfallen.
LÄSSER: Ja, denn nur Unternehmer können die dringend benötigten Arbeitsplätze schaffen und damit unseren Wohlstand absichern. Die Politik sollte die Rahmenbedingungen verbessern, eine breite Verwaltungsreform starten und Österreich so zukunftsfit machen. Es gibt zu viele Doppelgleisigkeiten und Ineffizienzen im System. Dazu haben mehrere Sektoren Reformbedarf. Gesundheit, Bildung, Pensionen: Wir können nicht die Augen vor der Realität verschließen, auch die Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel sollten intensiviert werden.
Als Familienunternehmen mit Fokus auf Nachhaltigkeit nimmt ILF Group eine besondere Stellung ein. Hilft das im aktuellen Umfeld?
LÄSSER: Leider rückt das wichtige Thema Klimawandel derzeit etwas in den Hintergrund, dabei müssen wir diesbezüglich immer in Generationen denken: Wer nicht in Prävention investiert, muss später mehr zahlen. Will man das politisch nicht wahrnehmen, ist das ein folgenschwerer Fehler.
LEHNER: Um den Vergleich mit der Gesundheit zu ziehen: Es ist besser, in Prävention zu investieren, als hohe Behandlungskosten zu tragen. Für die Wirtschaft ist ein Fokus auf Nachhaltigkeit ein klarer Wettbewerbsvorteil – gerade für die österreichische: Wir haben in Europa sehr viele entsprechende Regulative, damit aber in Bereichen von der Wasserkraft bis zur Forstwirtschaft ein enormes Greentech-Know-how.
ILF Group setzt stark auf KI. Warum setzen Sie diesen Schwerpunkt?
LÄSSER: Sich nicht auf KI zu fokussieren, ist hochgradig riskant, denn wir befinden uns in einem rasend schnellen Transformationsprozess: Wer nicht auf KI setzt, wird vom Wettbewerb überholt. Wir loten deshalb im Rahmen unserer Möglichkeiten als mittelständisches Familienunternehmen die Möglichkeiten aus und sind überzeugt, dass die Chancen die Gefahren überwiegen.
LEHNER: In jeder Aufsichtsratssitzung und Vorstandsbesprechung ist KI derzeit ein Topthema, und auch wir bei EY investieren weltweit mehr als eine Milliarde US-Dollar in KI-Lösungen. KI wird nicht zum „Jobkiller“, sondern zum Effizienzturbo: Wenn monotone Tätigkeiten automatisiert werden, ist das für alle ein Zugewinn – und damit kann die menschliche Intelligenz von der künstlichen profitieren.
EY Entrepreneur Of The Year …
… würdigt herausragende unternehmerische Leistungen. Ausgezeichnet werden Unternehmerinnen und Unternehmer mit Eigeninitiative, Weitsicht und Innovationsfreude. Die österreichischen Topunternehmerinnen und -unternehmer des Jahres werden in diesem Jahr in den vier Kategorien „Dienstleistungen“, „Handel & Konsumgüter“, „Innovation & Hightech“ und „Social Entrepreneur“ ausgezeichnet. Einer der ausgezeichneten Entrepreneure vertritt Österreich beim EY World Entrepreneur Of The Year 2027 in Monte Carlo.