
Lukas Püspök, Geschäftsführer Püspök und Entrepreneur Of The Year in der Kategorie „Nachhaltigkeit“, und Christina Khinast-Sittenthaler, Partnerin EY-Parthenon und Energy Sector Lead.
©EY/Robert Herbst, EY/Point Of ViewLUKAS PÜSPÖK, Geschäftsführer Püspök und Entrepreneur Of The Year in der Kategorie „Nachhaltigkeit“, und CHRISTINA KHINAST-SITTENTHALER, Partnerin EY-Parthenon und Energy Sector Lead, über Energiewende, Strompreise und die Skills von Top-Arbeitgebern.
TREND: Wie steht es um den Erneuerbaren-Ausbau in Österreich? Wird das neue Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz helfen?
LUKAS PÜSPÖK: Der Ausbau der Erneuerbaren schreitet voran, ob die Geschwindigkeit reicht, Österreichs Klimaziele zu erreichen, wage ich jedoch zu bezweifeln. Und es geht nicht nur um diese Ziele: Wir brauchen auch eine nationale Grundsatzentscheidung, uns unabhängiger von fossilen Energieträgern zu machen. Denn diese werden – wie auch aktuelle Entwicklungen zeigen – immer teurer sein. Auch fließt das Geld für diese ins Ausland, während die Wertschöpfung bei Erneuerbaren lokal geschieht. Das neue Gesetz zielt grundsätzlich in die richtige Richtung, droht aber, durch die Ausgestaltung kraftlos zu bleiben. Ohne Druck auf die Bundesländer beim Erneuerbaren-Ausbau wird die „Not in my backyard“-Mentalität indirekt belohnt, wir bleiben abhängig von Öl und Gas und schlittern sehenden Auges in die nächste Energiekrise.
CHRISTINA KHINAST-SITTENTHALER: Es braucht eine gesamthafte Anstrengung von Bund und Ländern: Dass sich einzelne Bundesländer auch mit dem neuen Gesetz gegen den Erneuerbaren-Ausbau stemmen können, verzögert die Energiewende. Die politische Diskussion wird oft falsch geführt. Im Fokus sollte nicht stehen, wie sich Windparks auf das Bild der Landschaft auswirken, sondern wie wir rascher unabhängig von exogenen Energiepreisschocks werden.
Wie lässt sich durch die Energiewende der Strompreis senken?
PÜSPÖK: Wir brauchen klare Verhältnisse für die Energiewirtschaft. Am dringendsten ist der Ausbau von Windkraft und Großbatteriespeichern. Die Windkraft kann teures Gas zur Stromerzeugung im Winter ersetzen, und große Batterien speichern günstigen Überschuss-Strom für Zeiten, in denen er gebraucht wird. Auch der Netzausbau wird damit planbarer und günstiger, was sich am Ende wieder positiv auf den Strompreis auswirkt.
Was machen Familienunternehmen wie Püspök besser? Was können andere von ihnen lernen?
KHINAST-SITTENTHALER: Familienunternehmen haben eine starke Werteorientierung, weil sie keine Rücksicht auf kurzfristige Interessen von bestimmten Stakeholdern nehmen müssen. Sie können langfristig denken – das ist etwas, was gerade in der aktuellen Transformationsphase der Wirtschaft besonders hilfreich ist.
PÜSPÖK: Wenn der Fokus nicht auf kurzfristigen Renditen und hohen Ausschüttungen liegt, schafft das die Freiräume für durchdachte strategische Entscheidungen. Eine gute Family Governance ist keine Selbstverständlichkeit, doch Familienunternehmen, die das haben, können ihre Stärken ausspielen.
Was verbindet erfolgreiche Entrepreneure – und wie wird ein Unternehmen zum Top-Arbeitgeber?
KHINAST-SITTENTHALER: Die erfolgreichsten sehen sich nicht als Einzelpersonen, sondern haben Top-Teams und stellen diese in den Vordergrund. Auch ist es wichtig, die eigenen Ziele zu kennen, diese entschlossen zu verfolgen, auch bei Krisen Resilienz zu bewahren und den Mitarbeitenden nachvollziehbare Werte zu vermitteln.
PÜSPÖK: Es braucht eine Unternehmenskultur, die auf Vertrauen und Wertschätzung basiert und wo unternehmerisches Denken belohnt wird. Der Purpose hat einen besonders hohen Stellenwert: Zu uns kommen Menschen, weil sie etwas bewegen und Teil der Energiewende sein möchten.
EY Entrepreneur Of The Year …
… würdigt herausragende unternehmerische Leistungen. Ausgezeichnet werden Unternehmerinnen und Unternehmer mit Eigeninitiative, Weitsicht und Innovationsfreude. Die österreichischen Topunternehmerinnen und -unternehmer des Jahres werden in den Kategorien „Nachhaltigkeit“, „Innovation & Hightech“, „Dienstleistungen“ und „Social Entrepreneur“ ausgezeichnet. Einer der ausgezeichneten Entrepreneure in den vier Kategorien vertritt Österreich beim EY World Entrepreneur Of The Year 2026 in Monte Carlo.
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