
THOMAS ARNOLDNER, Deputy CEO der A1 Group, will die besten Klimanoten und erst einmal keine Breitbandförderung mehr - und er macht sich Gedanken zu digitalem Humanismus und KI.
Den CO2-Fußabdruck klein zu halten, ist für Telekomanbieter großes Thema geworden. Vorgaben, Image und Energiekosten treiben die Entwicklungen. Wie grün ist Ihre Bilanz?
Bei uns ist das Thema seit zwei Jahren zentraler Bestandteil der Strategie, und wir machen Fortschritte, die auch extern anerkannt werden. Wir haben schon 2022 ein Upgrade bekommen von Sustainalytics, einer der größten ESG-Ratingagenturen. Wir sind auf Platz sechs von 235 Telekombetreibern weltweit. Wir sind im CDP-Klimarating, dem Goldstandard der Klimaratings, im A-Score, also bei den Klassenbesten. Trotzdem befinden wir uns am Anfang einer Reise, und müssen auf Themen fokussieren, die großen Hebel haben. Deswegen haben wir uns in den letzten zwei Jahren stark auf die Reduktion unserer Emissionen, vor allem aus dem Netz, konzentriert. Mit großem Erfolg: 2021 haben wir sie um 21 Prozent gesenkt, 2022 nochmal um 30 Prozent. Wir haben die Anzahl der wieder aufbereiteten Endgeräte binnen drei Jahren von 84.000 auf rund 700.000 erhöht.
Naheliegende Stellschrauben haben Sie gedreht. Was sind die nächsten Ziele?
Jetzt sind die Scope-3-Emissionen, also die entlang der Wertschöpfungskette, im Fokus. 80 Prozent des eingekauften Volumens haben wir schon risikobasiert bewertet. Das geht so weit, dass wir bei den wichtigsten Lieferanten vor Ort Audits, etwa bei bestimmten Produktionsstätten, durchführen. Wir haben aber auch andere, nicht technische Ziele im Blick: Gemeinsam mit der WU haben wir "unseren" Gender Pay Gap untersuchen lassen und festgestellt, dass der vor allem aus der Struktur der Mitarbeitenden in einer männerdominierten IT herrührt. Also versuchen wir, mehr Frauen in diesen Bereich zu bekommen. Ein anderes Projekt, auf das ich persönlich stolz bin, ist Corporate Volunteering. Jeder Mitarbeitende bekommt einen Tag im Jahr zur Verfügung für soziale Zwecke. Ich war vor ein paar Wochen im "s'Häferl" der Diakonie kochen. Das hat sozialen Impact und stärkt den Zusammenhalt im Team.
Zurück zur Lieferkette: Zu welchen Lieferanten fahren Sie persönlich hin? Macht A1 Werksbesuche bei Nokia?
Namen möchte ich keine nennen. Wir machen sie naturgemäß bei großen Lieferanten. Nachdem wir in einer global agierenden Industrie tätig sind, tun wir das gemeinsam mit anderen, als Teil der JAC (Anm. Joint Alliance for CSR), wo sich große Telkos diese Audits aufteilen.
Was sind mögliche Sanktionen? In einer Industrie mit ganz wenigen Lieferanten ist der Handlungsspielraum für Abnehmer sehr überschaubar.
Wir haben dieses Programm erst heuer gestartet. Allein die Tatsache, dass wir die Lieferanten befragen, zeigt schon einen Effekt. Man kann das im Einkaufsprozess berücksichtigen, man kann KO-Kriterien definieren, die nachhaltige Lieferanten bevorzugen.
Nachhaltigkeit ist auch beim Infrastrukturausbau ein Thema, und das meint hier vor allem Technologiewechsel. 2024 wird mit dem Abschalten von UMTS ein Kapitel geschlossen, mit Glasfaser ein Netz ausgebaut, dass auf Jahrzehnte "Bandbreitensicherheit" garantieren soll. Wie bei UMTS Anfang der Nuller Jahre sehen die Verbraucher die Vorzüge der Glasfaser noch nicht. Warum "fahren" die lieber Golf statt Porsche?
Zum einen liegt das sicher auch am österreichischen Mobilfunknetz, das zu einem der besten in Europa gehört, im internationalen Vergleich noch immer mit sehr günstigen Tarifen. Der Wechsel zu einem höherwertigen Produkt ist auch mit Einmalzahlungen verbunden, etwa für den Hausanschluss und Grabungen. Deswegen glauben wir, dass man Anleihe bei anderen Investitionen nehmen könnte, wie dem Photovoltaikausbau. Jeder weiß, dass Glasfaser mittelfristig die Technologie sein wird. Mit einer Nachfrageförderung direkt beim Verbraucher hätten wir einen viel größeren Hebel, und gewinnen zahlende Kunden. Das macht den Ausbau ökonomischer und für den Steuerzahler günstiger.
Im Oktober forderten A1, Drei und Magenta einen Stopp der Breitbandförderung. Warum jetzt?
Wofür wir eintreten, ist eine Förderpause. Das Pendel ist über die Jahre von der einen auf die andere Seite geschwungen. In der ersten Breitbandmilliarde (BBA2020) wurden Mittel über einen Zeitraum von zehn Jahren vergeben. Mit dem Fördercall im letzten Jahr (BBA 2030) wurden 900 Millionen innerhalb eines Jahres vergeben, die alleine schon zu verbauen Jahre dauern wird, und von denen bisher so gut wie nichts abgerufen wurde. Und das ist in einer Situation, wo es neben den Förderungen viele private Investitionen gibt.
Wir als A1 investierten 600 Millionen Euro 2022, vor allem in den größten Glasfaserausbau der Geschichte Österreichs. Andere bauen auch gerade sehr viel. Deshalb plädieren wir dafür, erst einmal das zu realisieren, was im Plan ist, bevor man mit weiteren Mitteln den Markt erhitzt.
Das einzige was man damit erreicht, ist, dass sie sich Erschließungspreise pro Haushalt erhöhen, und die haben sich zwischen Breibandmilliarde 1 und 2 schon um über 100 Prozent erhöht. Deswegen glauben wir, dass es der falsche Zeitpunkt ist. Das hat sogar das WIFO in einer vom BMF beauftragten Studie konstatiert.
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