Österreichs Verwaltung unter massivem Budgetdruck

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Christoph Harreiter, Leiter Government & Public Services von EY Österreich.
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Zwei Drittel der österreichischen Behörden und öffentlichen Organisationen sehen sich mit erheblichem finanziellem Druck konfrontiert. Gleichzeitig ist KI zur Effizienzsteigerung noch relativ weit unten in der Prioritätenliste.

Die österreichische Verwaltung befindet sich laut der bislang unveröffentlichten EY-Studie „Zukunft Verwaltung 2026“ in einem Spannungsfeld zwischen steigenden Anforderungen und knapper werdenden Ressourcen. So sehen sich zwei Drittel der befragten Organisationen mit einem starken oder sehr starken Budgetdruck konfrontiert.

Obwohl Digitalisierung als Zukunftsaufgabe regelmäßig genannt wird, spielt künstliche Intelligenz zur Effizienzsteigerung der Verwaltung derzeit noch eine vergleichsweise untergeordnete Rolle. Beim Ranking der wichtigsten Themen landet der KI-Einsatz im unteren Bereich der Prioritätenliste. Nur sechs Prozent der Befragten nennen die Integration von KI und den Aufbau entsprechender Kompetenzen als zentrales Zukunftsthema. Auch Automatisierung und technologische Transformation werden zwar als relevant betrachtet, stehen aber deutlich hinter Finanzierungs- und Effizienzfragen.

Christoph Harreither, Leiter Government & Public Services von EY Österreich, sieht in KI, Digitalisierung und Technologien die größten Hebel, um die Verwaltung effizienter zu gestalten. Harreither: „KI wurde als Zukunftsthema erkannt, ist jedoch in die täglichen Abläufe noch selten voll integriert.“ Diese Zahlen stehen in großem Kontrast zu der Anwendung von KI in österreichischen Unternehmen: Laut dem EY KI Readiness Check 2026 setzen bereits zwei Drittel der Unternehmen (69 Prozent) KI in ihrer Arbeit oder zumindest in Pilotprojekten ein.

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Finanzieller Druck an erster Stelle

In der Verwaltung steht bei der Frage nach den dringendsten Zukunftsaufgaben des öffentlichen Sektors die Finanzierung an erster Stelle. 29 Prozent der Befragten nennen Budget- und Finanzierungsfragen spontan als wichtigste Herausforderung. Weitere zentrale Themen sind Infrastrukturinvestitionen, Bürgernähe, Digitalisierung und Bürokratieabbau.

Den Budgetdruck der Verwaltung ordnet Harreither nicht nur als negativ ein: „Wirtschaftlicher Druck kann auch zu Innovation führen, so gesehen kann er auch Positives bewirken.“ Für die Untersuchung wurden zwischen Februar und März 2026 insgesamt 173 Vertreter:innen von Bund, Ländern, Städten, Gemeinden, öffentlichen Unternehmen sowie Kammern und Innungen befragt.

Rund drei von zehn Organisationen berichten von einem hohen oder sehr hohen Veränderungs- und Reformdruck. Abweichend davon ist die Situation bei Bund und Ländern, wo sowohl Reform- als auch Veränderungsdruck unter dem Durchschnitt liegen. So nehmen die Befragten aus der Verwaltung von Bund und Ländern diesen nur zu 17 Prozent als eher hoch wahr.

Potenzial für effizientere Förderungen

Die Studie zeigt zudem einen deutlichen Verbesserungsbedarf beim Förderwesen. Nur rund ein Fünftel der Befragten beurteilt die Prozesse rund um Beantragung, Vergabe und Reporting als effizient. Gleichzeitig sehen mehr als drei Viertel Potenzial, Förderungen durch Prozessoptimierungen und die Vermeidung von Doppelförderungen effizienter zu gestalten.

Laut Harreither sind Transparenz und einheitliche Vorgaben der Schlüssel zur Vermeidung von Doppelförderungen: „Die bestehende Transparenzdatenbank ist ein wichtiges Werkzeug. Bei der Vollständigkeit der darin erfassten Daten ist sicher noch Luft nach oben.“ Ebenso müsse man an den einheitlichen Vorgaben arbeiten – insbesondere für die Abrechnung der Förderfälle – um eine Überförderung ausschließen zu können. Der Einsatz von KI für mehr Effizienz bei der Prüfung und Aufbereitung von Förderabrechnungen werde bereits in Pilotprojekten in der Verwaltung getestet.

Österreich international nicht abgeschlagen

Martin Bodenstorfer, Partner von EY-Parthenon, betont, dass Österreich den internationalen Vergleich zu anderen Ländern nicht zu scheuen braucht: „Wir Österreicher haben einen zu kritischen Blick auf die eigene Verwaltung. Wenn ich Einblicke in die Verwaltungsarbeit von anderen Ländern bekommen habe, hatte ich nicht den Eindruck, dass unsere Verwaltung weniger kostenorientiert ist.“ Dem pflichtet Harreither bei: „Auch in Bezug auf den Digitalisierungsgrad sind wir im Vergleich zu anderen Ländern deutlich weiter. Das ist auch ein Indiz dafür, dass unsere Verwaltung effizienter ist.“

Insgesamt zeichnet die EY-Studie das Bild einer Verwaltung, die unter erheblichem finanziellen Druck steht und gleichzeitig weitreichende Transformationsaufgaben bewältigen muss. Während Digitalisierung, Effizienzsteigerung und Modernisierung vorangetrieben werden sollen, fehlen vielerorts die finanziellen Spielräume. Das Idealbild einer modernen, österreichischen Verwaltung müsse laut Bodenstorfer nah an den Bürger:innen und zugleich digital sein: „Dabei ist es wichtig, dass man die Bevölkerung, die nicht digital affin ist, nicht abhängt.“

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