Nachhaltigkeitsziele: Mehr Gehalt für Nachhaltigkeit

Das Ziel der Klimaneutralität Österreichs bis 2040 ist eine große Herausforderung für Unternehmen. Nachhaltigkeits-Experte Peter Sattler über neue Anreize zur Dekarbonisierung.

Themen: Management Commentary, Nachhaltigkeit
Peter Sattler, Management Consultant bei Horváth & Partners Österreich

Peter Sattler, Management Consultant bei Horváth & Partners Österreich

Klimaneutralität bis 2040, danach mehr CO2 im Boden binden als neue Emissionen ausstoßen: Das ist das ambitionierte Ziel der österreichischen Bundesregierung. Auch wenn die für 1. Juli 2022 geplante Einführung der CO2-Bepreisung teuerungsbedingt verschoben wurde: Es gibt aktuell keinen Grund für Österreichs Unternehmen, sich zurückzulehnen. Die Dekarbonisierung wird immer mehr zum Pflichtprogramm.

Pandemie, Ukraine-Krieg und die dramatischen Folgen für die Energiemärkte haben die Notwendigkeit einer raschen und kompromisslosen Energiewende auch für den letzten Zauderer sichtbar gemacht. Die bisherigen Maßnahmen waren nicht genug, jetzt kommt hinzu, dass der Kreml die Energiepreise diktiert, und die Abhängigkeit von Öl und Gas aus Russland noch schmerzlicher bewusst wird.

Ein riesengroßer Fehler wäre es für Unternehmen, sich auf die aktuelle Unsicherheit auszureden, um langsamer nachhaltig zu werden. Sturheit und Resistenz gegenüber der unumkehrbaren Transformation in Europa sind keine Mittel der Wahl, ja sogar fatal. Denn dass es durch Ukraine-Krieg und Repower EU zu noch mehr Druck kommt, sich von fossilen Energieträgern loszusagen, ist offensichtlich.

Viele Industriebranchen haben sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2030 auf "Net-Zero" zu kommen, auch wenn die EU-Vorgabe dafür nach wie vor 2050 lautet. Das sollten sich Unternehmen zu Herzen nehmen. Denn Investoren, Kunden ebenso wie potenzielle Mitarbeiter bevorzugen schon heute Firmen, die besonders nachhaltig wirtschaften: für kapitalhungrige Firmen ein wichtiges Argument, um sich eine gute Position mit ökologischem Fußabdruck zu erarbeiten.

Mehr Gehalt für Nachhaltigkeit

Da die Motivation zum raschen Handeln in den Managementetagen unterschiedlich hoch ist, sind manche Eigentümer bzw. Kapitalgeber dazu übergegangen, das Erreichen konkreter Nachhaltigkeitsziele mit Gehaltskomponenten zu verknüpfen. Laut einer aktuellen Horváth-Studie – "Spotlight on Sustainability", für die 280 Topmanager branchenübergreifend befragt wurden, wird diese Strategie bereits in jedem fünften Unternehmen angewandt, bei großen Unternehmen findet diese indirekte Nachhaltigkeitsmotivation der Führungsriege zu 50 Prozent statt.

Nach Branchen betrachtet, verknüpfen vor allem Logistik- und Energieunternehmen überdurchschnittlich häufig Nachhaltigkeitsziele mit Gehaltsvariablen (47 bzw. 43%), gefolgt von der Öl- und Chemiebranche (33%). Noch stärker zeigen sich Unterschiede in der Betrachtung nach Größe. Bei Unternehmen mit zehn und mehr Milliarden Euro Jahresumsatz nimmt fast jedes zweite Nachhaltigkeitsziele in die vergütungsrelevanten Zielvereinbarungen auf (47%).

Doch auch wenn die Unternehmensperformance in punkto Nachhaltigkeit nicht als Gehaltskomponente festgeschrieben wird, muss sich das Topmanagement an Nachhaltigkeitserfolgen messen lassen, da sie in den meisten Branchen inzwischen untrennbar mit der allgemeinen Unternehmensentwicklung verknüpft sind. Die Priorität des Themas ist jedenfalls hoch und weiterhin steigend. 82 Prozent der befragten Manager bezeichnen ökologisches Wirtschaften und nachhaltige Unternehmenssteuerung als „sehr wichtig“.

Unternehmen anders steuern

Noch wichtiger als die Verknüpfung von Boni mit Nachhaltigkeitszielen ist die Entwicklung eines konkreten und anwendbaren Sustainability-Steuerungsmodells. Wie die aktuelle Studie zeigt, werden bisher erst sieben Prozent der Unternehmen mit ihren Geschäftsmodellen ganzheitlich und konsequent entlang konkreter Nachhaltigkeitsziele gesteuert. 22 Prozent orientieren sich bei unternehmerischen Entscheidungen zumindest schon an einem Sustainability-Zielbild.

Doch die Hoffnung auf eine bessere Zukunft lebt, und mit dem notwendigen Perspektivenwandel ist der Anfang gemacht. Jedes vierte Unternehmen hat gerade ein solches Zielbild verabschiedet, ein weiteres Viertel befindet sich mitten in der Ausarbeitung. Nur knapp 20 Prozent der Unternehmen haben noch gar keine Schritte unternommen, um ihr Unternehmen fit für die Energiewende zu machen. Doch die werden handeln müssen, damit sie am Ende nicht von den Kapitalmärkten ignoriert und von den Medien an den Pranger gestellt werden.

Fazit: Ein konkretes Zielbild für Nachhaltigkeit mit sinnvollen Größen hilft dem Topmanagement, den richtigen Weg zu verfolgen, und der Gesamtorganisation, die 'Sustainability Performance' der Führungsebene zu bewerten. Auch wenn die Verankerung von Nachhaltigkeitszielen in der täglichen Unternehmenssteuerung nicht immer leicht umsetzbar erscheint, sie ist heute die einzige Alternative, um am Ende klimaneutral und gesund wirtschaften zu können.


Für die Horváth-Studie "Spotlight on Sustainability" als Teil der Studienreihe "CxO Priorities" wurden 280 Topmanager branchenübergreifend in persönlichen Interviews befragt.


DER AUTOR

Peter Sattler ist Principal und Head of Green Transformation & Sustainability Management bei Horváth in Wien.E-Mail: psattler <AT> horvath-partners.com


Die Serie "Management Commentary" ist eine Kooperation von trend.at und der Unternehmensberatung Horváth & Partners. Die bisher erschienen Beiträge finden Sie zusammengefasst im Thema "Management Commentary".

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