Nach Lula-Sieg: Brasiliens Börse auf Talfahrt

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 © Juan Barretto/AFP

Amtsinhaber Lula gewann die Überraschung entgegen der Prognosen überraschend deutlich.

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Die Anleger hatten auf straffere Haushaltspolitik des Herausforderers Bolsonaro gewettet. Der Handel wurde zwischenzeitlich ausgesetzt.

Der Sieg von Luiz Inacio Lula da Silva bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien hat zu einem Kurssturz an den brasilianischen Finanzmärkten und einer vorübergehenden Aussetzung des Aktienhandels geführt. Der Leitindex der Börse in São Paulo, der Bovespa, fiel um zehn Prozent. Daraufhin wurde der Handel automatisch für 30 Minuten unterbrochen, wie der Börsenbetreiber B3 mitteilte.

Mit dem Kurssturz kehrt sich die Entwicklung der vergangenen Wochen um. Nach dem ersten Wahlgang, bei dem der rechte Gegenkandidat Flavio Bolsonaro vorne gelegen hatte, hatten die Kurse deutlich zugelegt.

Anleger hatten auf einen Sieg Bolsonaros und eine straffere Haushaltspolitik gesetzt. „Lula hat in seiner Politik zwar von Ausgabenkürzungen gesprochen, ist jedoch nicht ins Detail gegangen, wie diese aussehen sollen", sagte Divya Singaravelu, Chefanalystin bei Meridian 1305 Capital. Analysten der LBBW verwiesen zudem auf die politische Unsicherheit, da Bolsonaro seine Niederlage nicht anerkennt und eine Annullierung der Wahl fordert. Der Fokus der Investoren richtet sich nun auf die Ernennung des künftigen Finanzministers. Daran wollten sie ablesen, welchen finanzpolitischen Kurs die neue Regierung einschlagen wird, erläuterte Alejo Czerwonko vom Vermögensverwalter UBS Global.

Wie die brasilianische Wahlbehörde am Sonntag (Ortszeit) mitteilte, besiegte der linke Amtsinhaber Lula seinen Herausforderer. Der 80-jährige Lula tritt damit seine vierte Amtszeit an. „Neben dem chaotischen Ende des Wahltags ist Lulas Sieg an sich bereits eine Überraschung: Die jüngsten Umfragen waren äußerst knapp, doch auf Prognoseplattformen lag Senator Flavio Bolsonaro klar vorne", sagte Thierry Larose, Portfoliomanager bei der Privatbank Vontobel. Der Experte zeigte sich jedoch zuversichtlich: „Wir sind der Ansicht, dass auch eine Lula-Regierung nicht umhinkommen wird, zumindest gewisse Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung zu ergreifen."

Am Devisenmarkt wertete die Landeswährung Real zum Handelsauftakt um rund zwölf Prozent ab und fiel auf 5,53 zum Dollar. Der Real war zuletzt eine beliebte Währung für sogenannte Carry Trades. Dabei leihen sich Anleger Geld in Währungen mit niedrigen Zinsen, um es in höher verzinsten Anlagen wie dem Real zu investieren. Diese Strategie war bereits durch einen Ausverkauf beim mexikanischen Peso unter Druck geraten. Händler hatten gesagt, bei einem Anstieg des Dollar-Kurses über die Marke von 5,25 Real sei ein „Short Squeeze" wahrscheinlich, der sich über 5,33 Real noch verstärken könnte.

Der Ausverkauf erfasste auch die Anleihemärkte und Rohstoffe. So fielen die Kurse für brasilianische Staatsanleihen deutlich. Der Preis für Rohzucker, eines der wichtigsten Exportgüter des Landes, gab um fast fünf Prozent nach. Eine schwache Landeswährung verbilligt für gewöhnlich Exporte aus Brasilien und erhöht damit das Angebot auf dem Weltmarkt.

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