Habsburger: Die Macht verblasst nach Ottos Tod

Die Macht der Habsburger ist Vergangenheit. Dem Adelsgeschlecht blieben immerhin Ländereien, Immobilien und touristische Attraktionen im Wert von rund 100 Millionen Euro.

Das Begräbnis des am Montag verstorbenen Otto Habsburg-Lothringen, Sohn des letzten österreichischen Kaisers Karl I., wird Zigtausende Touristen am kommenden Samstag nach Wien locken. Rund um Kapuzinergruft und Stephansdom, wo das Requiem stattfindet, wird bereits mit den Vorkehrungen für die Feierlichkeiten begonnen. „Mit dem Tod Otto von Habsburgs ist eine europäische Persönlichkeit von der Weltbühne abgetreten“, klagt sein Neffe dritten Grades, Christoph Habsburg, Gutsbesitzer in Kärnten.

Das Erbe Ottos, bis 2007 Familienoberhaupt des weltweit verzweigten Hauses Habsburg, prägt bis heute wesentlich das Gesicht Österreichs im Ausland. Neben dem historisch-politischem Vermächtnis des Adelsgeschlechts sind die kaiserliche Sammlung, wertvolle Kunstschätze und herausragende Architekturdenkmäler wie Hofburg und Schloss Schönbrunn Aushängeschilder Wiens. Die Marchfeldschlösser sind Kulturmagneten in Niederösterreich. Zwischen 10 und 30 Millionen Euro an Umwegrentabilität bringt die Marke Habsburg dem heimischen Tourismus ein.

Doch von den einst so stolzen kaiserlichen Besitztümern gehört heute nur mehr ein Bruchteil dem Habsburger-Clan. Nach dem Zerfall der Monarchie unter Kurzzeit-Kaiser Karl wurde die Herrscherfamilie mehrmals enteignet, und das Vermögen wurde nach 1945 nicht mehr restituiert. Die „kaiserliche Linie“ rund um Otto Habsburg und seinen Sohn, den jetzigen Familienchef Karl (siehe Stammbaum ), hat so gut wie keine Besitztümer mehr in Österreich. Otto und Karl suchten ihre Bestimmung in der Politik und saßen beide im Europaparlament.

Ottos Verdienste um die Einigung Europas sind nicht zu unterschätzen. Der Streit ums Geld überdauerte die Monarchie aber um Jahrzehnte: So stellte 2003 Carl Christian Habsburg, ein Neffe Ottos, als Bevollmächtigter der Familie den Antrag auf Naturalrestitution von Immobilien und Grundbesitz wie Schloss Laxenburg, den oberösterreichischen Kobernaußerwald oder Liegenschaften rund um Spitz an der Donau – Gesamtwert: rund 200 Millionen Euro – durch den NS-Entschädigungsfonds. Diese Forderung wurde 2005 von einem Schiedsgericht abgelehnt.

Lediglich die „toskanische“ Habsburger-Linie – die Trennung erfolgte 1790 unter Ferdinand III. – verfügt über mehrere Tausend Hektar Grund sowie prestigeträchtige Liegenschaften wie die Kaiservilla in Bad Ischl und Schloss Wallsee. Das Vermögen der Habsburger wurde zuletzt auf immerhin rund 100 Millionen Euro geschätzt.

Die meisten der rund 430 lebenden Habsburger, rund 280 dürften in Österreich ihren Wohnsitz haben, sind in ganz normalen Berufen tätig. Sie sind Banker, Beamte, Diplomaten, Computertechniker und Werbefachleute. „Die Familienmitglieder sind sehr anpassungsfähig an die gegebenen Umstände. Wir haben eine gewisse Ausdauer und sind bescheiden geblieben“, meint Christoph Habsburg. Mit ihren adeligen Kollegen aus den Häusern Esterházy oder Mayr-Melnhof können sie wirtschaftlich allerdings bei weitem nicht mithalten.

Ländereien in Niederösterreich und Kärnten

Christoph Habsburg selbst übergab kürzlich seinem Sohn Dominik, der auch für die Organisation der Begräbniszeremonie für Otto Habsburg mitverantwortlich ist, das Familienforstgut Dr. Gudmund Schütte im Kärntner Lavanttal mit 3.500 Hektar Land. Da die Fichtenwälder relativ hoch, auf 1.400 Meter Seehöhe, liegen, sind die Flächen nicht ganz einfach zu bewirtschaften. Deshalb hat die Familie mehrere andere Projekte initiiert, wie den ersten Windpark in Kärnten und ein Trinkwasserprojekt mit den ÖBB im Zuge des Koralmtunnelbaus. Habsburg: „Wir versuchen, unserer Zeit voraus zu sein.“

Christophs Bruder, Ulrich Habsburg, hingegen zog es in Richtung Politik. Er wollte 2010 für das Amt des Bundespräsidenten kandidieren und initiierte dafür eine Änderung der Habsburger-Gesetze. Der 69-jährige Adelsspross besitzt ebenfalls einen Gutsbetrieb, der mit 50 Hektar aber wesentlich kleiner ist als das Gut seines Bruders. Auch er gibt sich bescheiden: „Ich lebe von 1.350 Euro monatlicher Bauernpension“, sagt Ulrich Habsburg (siehe Interview ).

Mehr Bezug zur alten Glorie hat der in Bad Ischl lebende Markus Habsburg-Lothringen. Er verwaltet die Kaiservilla, wo jeden August der Geburtstag Kaiser Franz Josephs zelebriert wird – Deutschmeister-Regiment, Salutschüsse und Nostalgiker-Aufmarsch inklusive. 30.000 Besucher zieht es alljährlich in die oberösterreichische Kaiserstadt. Über die aktuelle Macht seiner Familie im republikanischen Österreich gibt er sich keinen Illusionen hin: „Das meiste, was wir machen, ist nicht sehr bestimmend. Otto hatte in der Europapolitik durchaus Einfluss, sonst lösen wir keine politischen Erdbeben aus.“ Auch punkto der künftigen Rolle der Habsburger übt er sich in Zurückhaltung: „Man wird feststellen, ob Karl die neue Autorität wird.“ Ein leiser Zwischenton, aus dem die Enttäuschung darüber durchklingt, dass Karls Vater Otto die Kaiservilla nur einmal besucht hat – von Staatstrauer ist vor Ort jedenfalls wenig zu merken.

Der wirtschaftlich bedeutendste Habsburger in Österreich ist Alexander, der einen riesigen Gutsbetrieb in der Gegend von Ybbs-Persenbeug führt. Der 51-Jährige entstammt ebenfalls der toskanischen Linie. Das Gut zählt mit 12.735 Hektar zu den zehn größten Waldbesitzern im Land. Durch die günstige Lage und den guten Holzeinschlag erwirtschaftet der Betrieb einen Jahresumsatz von geschätzten 10 bis 15 Millionen Euro. Fischerei, Jagd, landwirtschaftliche Betriebe und Immobilien sind die Haupteinnahmequellen.

Die geschäftlichen Aktivitäten von Familienoberhaupt Karl Habsburg sind vergleichsweise bescheiden. Er ist über die Firma BG Privatinvest am bulgarischen Sender „TV Europe“ und über Stevia Communications an einem Printmedien-Projekt in Bulgarien beteiligt. Richtig vermögend ist nur Karls Frau Francesca Thyssen-Bornemisza. Die Tochter aus deutschem Stahlindustrie-Adel, die vor allem in der Kunstszene eine fixe Größe ist, kaufte beispielsweise zuletzt zwei Dachgeschoßwohnungen in Wien um mehr als vier Millionen Euro. Das Ehepaar lebt allerdings getrennt.

Für Aufsehen sorgte vergangenes Jahr ein Einbruch in ein Jagdhaus Karls in Türnitz, bei dem eine Modellschiff-Sammlung im Versicherungswert von rund 2,5 Millionen Euro gestohlen wurde.

Karls Bruder Georg ist in Ungarn als Medien-Manager im TV-Geschäft tätig und war Sonderbotschafter Ungarns bei den EU-Beitrittsverhandlungen. Georg ist Präsident des ungarischen Roten Kreuzes und hatte als Taufpaten den einstigen Papst Paul VI .

Auf Karls jugendlichem Sohn Ferdinand Zvonimir, zarte 14 Jahre, lastet nun ebenfalls Druck – er ist nun der Zweite in der Hierarchie der Familie, da noch immer nur männliche Nachkommen das jahrhundertealte Erbe antreten können.

Sissi als Kassenschlager

Wesentlich weltlicher mutet ein skurriler Coup des Spielwarenherstellers Mattel an. Nach Ottos Tod könnte daraus allerdings ein veritabler Kassenschlager werden – zuletzt wurde eine eigene Sissi-Barbie-Puppe entworfen – mit beteiligt ist der Ischler Markus Habsburg-Lothringen.

Was folglich vom Doppeladler bleibt: ein Mythos, der den Mitgliedern der Familie noch immer manche Türen öffnet; trotz Enteignungen ein durchaus stattlicher Grundbesitz; und die politische Ambitionen einzelner Mitglieder, die mit ihrem Namen kokettieren und zuweilen für Schlagzeilen sorgen. Der Traum von einer erneuten Machtergreifung, wie er von ehemaligen Herrschern in einigen südosteuropäischen Ländern erwogen wurde, ist aber ausgeträumt.

– F. Horcicka, B. Nothegger

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