Gehaltsverhandlung: Mit diesen Tipps holen Sie mehr Geld heraus

Wie Sie bei Gehaltsverhandlungen taktisch am besten vorgehen, welche Argumente Sie sich zurechtlegen sollen, wie viel Gehaltserhöhung im Schnitt gefordert, welche Alternativen es gibt, wenn Ihre Gehaltsforderungen nicht erfüllt werden und was bei Gehaltsverhandlungen in Vorstellungsgesprächen zu beachten ist.

Thema: Verhandeln
Gehaltsverhandlung: Mit diesen Tipps holen Sie mehr Geld heraus

Haben Sie in der vergangenen Zeit Überdurchschnittliches geleistet - und sind weiter hoch motiviert? Dann könnte es Zeit für eine Gehaltserhöhung sein. Doch wie am besten strategisch vorgehen, um finanziell das zu erreichen, was man möchte und welche Forderung ist angemessen?

Die wichtigsten Tipps für den erfolgreichen Gehaltspoker

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Richtiges Timing

Versuchen Sie, einen Termin zu finden, von dem Sie glauben, dass Ihr Vorgesetzter Zeit für Sie hat und nicht gleich zum nächsten Termin hetzen muss. Überfallen Sie Ihren Chef bloß nicht zwischen Tür und Angel mit dem Wunsch nach mehr Geld. Auch wenn es sich im Fahrstuhl, in der Kantine oder bei der Firmenfeier leichter ein Gespräch ergibt, kommen Sie dabei nicht auf eine Gehaltserhöhung zu sprechen. Klopfen Sie am besten bei Ihrem Boss an die Bürotüre oder schreiben ihm oder ihr ein Mail und bitten um einen Termin. Kommunizieren Sie klar, dass es dabei um Ihre berufliche Zukunft und die Gehaltsentwicklung geht.


Mehr Geld: Argumente zurechtlegen

Sie haben den Termin bekommen! Sie stehen vor Ihrem Vorgesetzten? Nur jetzt keine falsche Bescheidenheit! Rücken Sie Ihre Vorzüge ins rechte Licht und machen Sie klar, was Sie der Firma durch Ihre Mitarbeit bisher schon gebracht haben. Manchmal merken Chefs nicht, was man alles leistet: Zählen Sie daher alle Aufgaben auf, eventuell auch solche, die Sie in jüngster Zeit neu oder zusätzlich übernommen haben. Zählen Sie auch auf, was Sie besonders gut machen. Führen Sie alle Verbesserungsvorschläge an, die Sie angeregt haben und alle Fortbildungskurse, die Sie gemacht haben. Die vielen Überstunden nicht zu vergessen! Und wie schnell Sie arbeiten. Da können andere nicht mithalten. Ein bisschen Konkurrenzvergleich kann nicht schaden. Es geht schließlich um den guten Zweck: Mehr Gehalt. Vor allem für Frauen, denen Eigenlob oft schwerfällt, sollten damit nicht sparen. Nur wer von sich selbst überzeugt ist, kann auch sein Gegenüber von sich begeistern.

Seien Sie auch auf eine beliebte Taktik von Vorgesetzten gefasst: Sie beginnen Ihre Arbeit zu kritisieren. Lassen Sie sich davon nicht beirren! Das ist oft nichts anderes als ein pure Strategie, um Ihnen Forderungen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Am besten mit guten Argumenten dagegen halten.


Diese Fehler sollten Sie vermeiden

  • Die Mitleidsmasche kommt gar nicht gut an. Sie brauchen dringend mehr Geld, weil Sie ein neues Auto kaufen wollen, Ihr Kredit so hoch ist, dass Ihnen am Monatsende nichts übrig bleibt? Vergessen Sie solche Argumente gleich wieder. Sie werten sich damit höchstens selbst ab.
  • Erpressung. Nicht gut kommen auch Erklärungen wie: „Wenn ich nicht mehr kriege, gehe ich“. Oder "dann arbeite ich weniger." Niemand lässt sich gerne erpressen. So können Sie höchstens auftreten, wenn Sie bereits ein anderes Angebot in der Tasche haben, das Sie auch ernsthaft in Erwägung ziehen. Dann können Sie dem Arbeitgeber ruhig klarmachen, dass er auf Sie verzichten wird müssen, wenn für sie nicht mehr herausschaut. Aber vergessen Sie nicht: Sie bewegen sich auf einem schmalen Grat und vergreifen Sie sich bloß nicht im Ton, sonst können Sie die Sache so oder so abhaken.

Wie viel Geld fordern?

Zuerst sollte man für sich klären, in welchem Rahmen sich die Gehaltserhöhung abspielen soll. Wie viel zusätzliche Verantwortung wollen Sie dafür eventuell übernehmen, wie viel Arbeitszeit investieren? Was ist das längerfristige Ziel? In der Hierarchie aufsteigen?

Wer erfolgreich verhandeln will, muss seinen Marktwert kennen. So kann informelles Nachfragen bei Kollegen schon bei der Lagebeurteilung helfen. Informieren Sie sich auch beim Betriebsrat oder der jeweiligen Fachgewerkschaften, was in Ihrem Betrieb oder Ihrer Branche für Ihren Job gezahlt wird. So müssen Unternehmen innerhalb der Firma offenlegen, welche Tätigkeit wie bezahlt wird. Dann können Sie sich mit Ihrem aktuellen Gehalt leichter einordnen und bekommen ein Gefühl dafür, was Sie verlangen können.

Je nach individueller Situation haben sich in der Praxis fünf bis zehn Prozent mehr Gehalt als realistisch erwiesen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Halten Sie sich vor Augen: Ihre Leistung spielt eine weitaus größere Rolle alsdie Dauer der Betriebszugehörigkeit. Bei entsprechender Erfahrung sind aber auch 20 oder sogar 30 Prozent möglich. Wer allerdings zu hoch pokert, läuft jedoch Gefahr zu teuer zu werden.


Alternativen überlegen

Bleiben Sie hartnäckig und geben Sie sich nicht gänzlich geschlagen. Fragen Sie, gegebenenfalls warum Sie weniger verdienen sollten, als der Markt bereit ist zu zahlen?Wenn der Chef partout nichts herausrücken will, machen Sie im Klar, dass er damit auf Dauer nicht durchkommen wird. Nageln Sie ihn wenn möglich auf Voraussetzungen für eine Gehaltsaufbesserung fest. Am besten halten Sie die vereinbarten Leistungsziele schriftlich fest und auch gleich den Termin für die nächste Gesprächsrunde.

Überlegen Sie, ob Sie beispielsweise mit einer geringen Summe als der von Ihnen geforderten Leben können und schlagen Sie eine solche vor. Überlegen Sie auch, was Ihnen abseits von mehr Cash am Konto noch wichtig wäre. Regen Sie eine andere Form der Kompensation an: ein Firmenauto, ein Handy, eine Spesenpauschale, flexiblere Arbeitszeit, mehr Zeit im Homeoffice, mehr Freizeit, wie eine 4-Tage-Woche oder eine Ausbildung auf Firmenkosten. Seien Sie kreativ. Fragen kostet nichts.


Je umfassender das Vereinbarte rechtlich ist, umso förmlicher sollte die Gesprächsnotiz verfasst werden.

Tipp der Arbeiterkammer


Was nach dem Gespräch zu tun ist

Sie konnten im Gespräch eine Vereinbarung erzielen? Wunderbar! Halten Sie das am besten gleich schriftlich fest und fassen das Gesagte kurz zusammen. Machen Sie dazu eine Gesprächsnotiz für sich und Ihren Vorgesetzten. Verwenden Sie die Wortwahl, auf die Sie sich verständigt haben und schicken Sie Ihrem Chef die Zusammenfassung per E-mail. Die Arbeiterkammer rät: Je umfassender das Vereinbarte rechtlich ist, umso förmlicher sollte die Gesprächsnotiz verfasst werden.


Gehaltsverhandlung beim Bewerbungsgespräch

Eine Frage, die üblicherweise gleich zu Beginn des Bewerbungsprozesses aufkommt, ist die nach der Gehaltsvorstellung. Headhunter und Recruiter wollen es am liebsten gleich wissen, um keine leeren Kilometer zu machen. Das ist aber für den Bewerber ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt, denn wer kennt schon die genauen Rahmenbedingungen des neuen Jobs, - geschweige denn, ob man zu dem neuen Unternehmen kulturell passen würde?

Schmerzgrenze festlegen

Bevor man zum Vorstellungsgespräch geht, sollte man sich auch überlegen, ob man bereit ist, für kollektivvertraglich festgelegte Minimum-Gehalt zu arbeiten. Nur Achtung: KV-Gehalt ist kein All-In, das muss gesondert vergütet werden. Oder gibt es eine andere Schmerzgrenze, die Sie beim Gehalt nicht unterschreiten möchte. Besser Sie sagen "Nein", als sich am Ende zu ärgern, sich zu billig verkauft zu haben.

Definieren Sie Ihr Wunschgehalt

Wenn Sie bereit sind, im Vergleich zu anderen Kandidaten deutlich mehr zu leisten oder überdurchschnittlich qualifiziert sind, sollte auch mehr verlangen als der Durchschnitt. Bis zu 20 Prozent über dem durchschnittlichen Gehalt können da schon drinnen sein. Oder wäre auch ein durchschnittliches Gehalt für einen nicht ganz so hohen Einsatz für Sie OK? Wie Sie sich auch entscheiden, Sie sollten sich vor dem Gespräch und darüber im Klaren sein und Ihrem Gegenüber auch in dieser Frage Selbstbewusstsein zeigen. Das stärkt Ihre Position insgesamt.



Buch-Tipp für Ihre Gehaltsverhandlung

Take Aways
  • Keine falsche Bescheidenheit bei einer Gehaltsverhandlung. Wer von sich selbst überzeugt ist, kann auch sein Gegenüber von sich begeistern.
  • Rücken Sie Ihre Vorzüge ins rechte Licht und machen Sie klar, was Sie der Firma durch Ihre Mitarbeit bisher schon gebracht haben.
  • Zählen Sie alle Aufgaben auf, die Sie erledigen. Heben Sie hervor, was Sie besonders gut machen.
  • Listen Sie alle Verbesserungsvorschläge auf, die Sie bisher angeregt haben, alle Fortbildungskurse, die Sie absolviert haben, alle Jobs, die sie vorübergehend von Kollegen übernommen haben. Die vielen Überstunden nicht zu vergessen! Und wie effizient Sie arbeiten.
  • Seien Sie auf eine beliebte Taktik von Vorgesetzten vorbereitet: Diese kritisieren die Arbeit des Mitarbeiters bei Gehaltsverhandlungen gerne. Lassen Sie sich davon nicht beirren! Mit guten Argumenten dagegen halten.

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