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In seinem Eingangsstatement skizzierte Kreutner nochmals die Zusammensetzung und Arbeitsweise der Kommission, deren Anstoß nicht zuletzt ein Tonband mit "beachtenswerten Aussagen" des Sektionschefs zu politischen Interventionen gegeben hatte. Für die Kommission habe er "namhafte Personen" aus dem Justizbereich gewonnen. Erhebungsauftrag sei gewesen, staatsanwaltschaftliche Vorgänge unter die Lupe zu nehmen, und ob es auf diese "unsachliche Einflussnahme" gegeben habe. Keine Erhebungen habe sie zum "primären Geschehen" gemacht.
Der erhebungsrelevante Zeitraum umfasste die Jahre 2010 bis 2023. Am Ende stand dann der Bericht mit Befunden und Empfehlungen. Bei ihrer Arbeit habe die Kommission über keine staatsanwaltliche oder polizeiliche Kompetenz verfügt, so Kreutner: "Die Zusammenarbeit war freiwillig." Der Arbeit der Kommission nicht gerecht werde der Begriff "Pilnacek-Kommission", denn die Kommission habe eine systemische Erörterung vorgenommen. Der Abschlussbericht sei kollegial erstellt worden, ebenso die Planung der Vorgehensweise und die Schwärzungen. Insgesamt seien Einzelgespräche mit 60 Auskunftspersonen geführt, und 10.000 Aktenseiten physisch und elektronisch gesichtet worden. Kreutner ersuchte einleitend um Verständnis, dass er zu Identität und sonstigen Details zu Auskunftspersonen nichts sagen werde.
Zur Sicherstellung der "Gleichheit und Freiheit der Bürgerinnen und Bürger in einer liberalen Demokratie wie Österreich" komme einer unabhängigen Justiz, inklusive ihrer staatsanwaltschaftlichen Institutionen, "eine geradezu konstitutive und essenzielle Rolle zu", betonte Kreutner. Wo diese Gewaltenteilung durchbrochen werde und es teilweise dem "Don-Corleone-Prinzip" ähnlich "illegitime und mitunter illegale Abhängigkeiten zwischen Personen und Institutionen" existieren, sehe man zunehmend die Grundfeste der Demokratie "in großer Gefahr", so Kreutner: "Wir erleben das zurzeit eindrücklich in manchen europäischen Staaten."
Besonderes Interesse der Fraktionen galt am Donnerstag zunächst den Erkenntnissen der Kommission zum "System Pilnacek", wie die Fraktionsführer in ihren Eingangsstatements erklärten. Für SPÖ, Grüne und NEOS ist dabei eine der "zentralen Fragen", ob es eine "Zwei-Klassen-Justiz" gegeben habe. Auch Michael Schilchegger von den Freiheitlichen erwartet weitere Erkenntnisse aus der Erörterung des Berichts, fänden sich doch darin Belege für einen "durch die ÖVP geprägten tiefen Staat". Gespannt ist der FPÖ-Abgeordnete auch auf die zweite Zeugin des heutigen Tages, eine ehemalige Mitarbeiterin von Ex-Innenminister Wolfgang Sobotka. Diese bezeichnete Schilchegger als "eine Schlüsselfigur", schließlich sei sie es gewesen, die den ehemaligen Sektionschef als eine der letzten lebend gesehen habe. Jan Krainer (SPÖ) will dabei auch der Frage nachgehen, auf welchem Wege Akten aus dem Büro von Sobotka auf den Laptop von Pilnacek gelangt seien.
ÖVP-Fraktionsführer Andreas Hanger stellte bereits im Vorfeld der Befragung die "Objektivität" der von Kreutner geleiteten Kommission in Frage. Auch am Donnerstag moniert Hanger einen problematischen "Umgang mit Beweismitteln" und kritisiert die Auswahl der von der Kommission befragten Personen. Er "hegt" sehr starke Zweifel im "Bereich der Objektivität", was Kreutner anbelangt. Die Auswahl der befragten Personen sei "nicht sehr objektiv, teilweise fragwürdig" und die Methodik "zweifelhaft" gewesen. Teilweise seien keine Protokolle sondern nur Gedächtnisnotizen angefertigt worden, auch seien Befragungen in Kaffeehäusern durchgeführt worden, kritisierte Hanger.