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Wifo-Prognose: Österreichs Wirtschaft bleibt in der Euro-Zone zurück

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Wifo-Chef Gabriel Felbermayr

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Österreichs Wirtschaft wächst etwas schwächer als durchschnittlich in den Euro-Ländern, prognostiziert das Wifo im Update seiner Mittelfrist-Prognose 2024 bis 2028. Verantwortlich sei in erster Linie eine Verschlechterung in der internationalen Wettbewerbsfähigkeit durch in Österreich höhere Lohnsteigerungen und ein höheres Preisniveau für Energie.

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Der von der Industriellenvereinigung beklagte Rückfall Österreichs in der Wettbewerbsfähigkeit wird nun auch in der neuen Mittelfristprognose des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo bestätigt. Nach einer Stagnation im Jahr 2024 dürfte das BIP demnach im Jahr 2025 um 1,5 Prozent wachsen. In den wichtigsten Exportmärkten Österreichs soll das BIP dagegen um 2 Prozent zulegen.

Bei der Inflation gemäß Verbraucherpreisindex (VPI) bleiben arbeitsintensive Dienstleistungen hauptverantwortlich für den Preisauftrieb. Nach 3,4 Prozent heuer wird sich die Inflation bis Mitte 2026 auf 2 Prozent abschwächen und damit den mittelfristigen Zielwert der EZB erreichen.

In Österreich liegt den Tarifverhandlungen üblicherweise die durchschnittliche Inflationsrate der letzten zwölf Monate, die sogenannte rollierende Inflation, zugrunde. Die Bruttoreallöhne pro Kopf werden daher auch in den kommenden Jahren noch merklich, aber abnehmend steigen, schreibt das Wifo.

Für 2024 wird ein Reallohnanstieg von 4,2 Prozent prognostiziert. Kumuliert werde so der Reallohnverlust des Jahres 2022 großteils ausgeglichen. Für die Jahre 2025 (+1,25 Prozent) bis 2028 (+0,25 Prozent) erwartet das Wifo eine Verlangsamung des Reallohnzuwachses, da sich der Abstand zwischen der rollierenden Inflation (als Grundlage der Lohnforderungen) und der erwarteten Inflation im Folgejahr verkleinern werde.

Im Vergleich zum Zeitraum 2010 bis 2019, der Periode nach der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise und vor der COVID-19-Krise, dürfte das durchschnittliche jährliche Reallohnwachstum 2024/2028 dennoch um einen Prozentpunkt höher sein. Folglich steigen auch die Lohnstückkosten markant, wenngleich in abnehmendem Tempo (2024 +8,25 Prozent, 2025 +3 Prozent, 2028 +2 Prozent).

Durch den Rückgang der Inflation laufen zwar temporäre Unterstützungsmaßnahmen für private Haushalte und Unternehmen zur Abfederung des Kaufkraftverlusts und der steigenden Energiepreise aus und entlasten damit den Staatshaushalt. Auf der anderen Seite fallen aber auch die einnahmenseitigen Effekte des Inflationsschocks weg, wie vor allem bei lohnabhängigen Einnahmen wie der Einkommen- und Umsatzsteuer. Zudem wirkt der Ausgleich der kalten Progression ebenfalls dämpfend auf die Staatseinnahmendynamik.

Demgegenüber bleiben die Belastungen durch hohe inflationsbedingte Ausgabensteigerungen für Löhne und Gehälter im öffentlichen Sektor, Pensionen, inflationsangepasste Sozialleistungen und den Zinsendienst über den Prognosehorizont bestehen, heißt es vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo). Hinzu kommen Verpflichtungen der Länder und Gemeinden aus dem neuen Finanzausgleich, um vereinbarte Ziele in den Bereichen Umwelt, Wohnen und Elementarbildung zu erreichen und den wachsenden Herausforderungen im Gesundheits- und Pflegebereich gerecht zu werden.

Aus dieser Gemengelage erwartet das Wifo über den gesamten mittelfristigen Prognosehorizont in jedem Jahr ein Budgetdefizit von 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) oder mehr. Durch die Defizite der öffentlichen Haushalte werden auch die Staatsschulden zunehmen, sodass am Ende des Prognosezeitraums der Bruttoschuldenstand bei etwa 466 Mrd. Euro liegen dürfte. Die Staatsschuldenquote wird voraussichtlich von 78 Prozent des BIP im Jahr 2024 auf 81 Prozent 2028 zunehmen - und somit erheblich über den Vorgaben des revidierten Europäischen Fiskalrahmens liegen.

Für die Geldpolitik im Euroraum erwartet das Wifo nach der Zinssenkung im Juni im Herbst noch einen weiteren Zinssenkungsschritt. Mittelfristig wird ein Rückgang des Dreimonatszinssatzes von 3,7 Prozent (2024) auf 2,5 Prozent (2028) unterstellt.

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