Naher Osten: Wie hoch der Ölpreis noch steigen könnte

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 © APA/APA/AFP/GIUSEPPE CACACE

Wird die Straße von Hormus über längere Zeit unpassierbar, würde ein extremer Anstieg des Ölpreises folgen.

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Der Ölpreis ist im Zuge der militärischen Eskalation in Nahost zum Wochenstart massiv gestiegen und notierte zeitweise mehr als zehn Prozent höher. Wie es mit dem Ölpreis weitergeht und wo es für Anleger Chancen gibt.

Profiteur der militärischen Eskalation im Nahen Osten sind vor allem Öl-Aktien. Die Titel von Shell, Chevron und Exxon Mobile legten um bis zu sechs Prozent zu. Aktuell kostet der Barrel Brent rund 80 US-Dollar.

Internationale Experten sehen für die Entwicklung des Ölpreises in den kommenden Wochen und Monaten drei Szenarien:

Szenario eins

Kommt es zu einer Entspannung und die Konfliktparteien bewegen sich rasch zurück an den Verhandlungstisch, bleibt die Ölversorgung weitgehend intakt. Der Ölpreis könnte wieder auf 70 US-Dollar zurückgehen.

Szenario zwei

Fällt nur der Export von iranischen Lieferungen aus, während Produktion und Transport von Ölproduzenten in der Region insgesamt wieder realtiv schnell wieder anlaufen, dürfte sich der Ölpreis zwischen 80 und 90 US-Dollar bewegen.

Szenario drei

Wird die Straße von Hormus jedoch über längere Zeit (mehrere Monate oder länger) unpassierbar – etwa durch Minen oder die Drohung von Drohnenangriffen – würde es zu einem extremen Anstieg des Ölpreises kommen. Über diese Meerenge laufen nach Schätzungen der International Energy Agency rund 20 Millionen Barrel pro Tag - etwa ein Viertel des weltweiten Ölhandels über den Seeweg.

Analysten rechnen bei einer Sperre der Straße von Hormus mit einem Ölpreis von 120 US-Dollar und mehr. Edgar Walk, Chefvolkswirt beim deutschen Bankhaus Metzler meint daher. „Der Kern der makroökonomischen Frage lautet daher nicht Krieg oder kein Krieg, sondern: Wie stark und wie lange werden Öl- und Gasflüsse durch die Straße von Hormus beeinträchtigt? 

Ölaktien

Die Aktie von Shell gehört traditionell zu den sensibelsten Papieren gegenüber geopolitischen Ölpreisschocks. Der Titel legte am Montag zu Handelsbeginn um sechs Prozent zu. Das Unternehmen profitiert von seiner global diversifizierten Förderstruktur. Der Konzern kann Angebotsausfälle einzelner Regionen leichter kompensieren. In Krisenzeiten wird dies von Investoren als Stabilitätsfaktor gewertet. Der Kursanstieg spiegelt daher die Erwartung dauerhaft höherer Cashflows bei steigenden Ölnotierungen wider.

Auch Exxon Mobil zählt zu den klassischen Krisengewinnern an den Märkten. Das Geschäftsmodell des US-Giganten ist stark auf großvolumige Förderprojekte ausgelegt, deren Profitabilität mit jedem Dollar steigenden Ölpreises zunimmt. In geopolitischen Spannungsphasen reagieren institutionelle Anleger häufig mit Umschichtungen in Ölmultis wie Shell, da diese mit ihren Kursgewinnen eine Absicherung gegen Energieinflation bieten.

Chevron wird von vielen Investoren als defensivster der großen US-Ölkonzerne betrachtet. Die aktuelle Rally der Aktie steht nicht nur im Zusammenhang mit kurzfristiger Spekulation, sondern mit den Erwartungen von langfristig erhöhten Energiepreisen. Marktteilnehmer gehen davon aus, dass selbst eine temporäre Blockade der Straße von Hormus ein langfristig höheres Preisniveau zur Folge haben könnte.

Ausblick

Empirisch ist die Halbwertszeit geopolitischer Schocks an Aktienmärkten häufig kurz. Aktienkurse reagieren im Durchschnitt nur moderat. Militärische Konflikte entfalten erst dann nachhaltige Effekte an den Märkten und in der Wirtschaft, wenn steigende Kurse und Unsicherheit für die weitere Entwicklung zusammenfallen. Metzler-Experte Walk: „Damit wird der Ölpreis zum Dreh- und Angelpunkt: Ein temporärer Kursanstieg ist handhabbar; eine anhaltende Verknappung des Angebots ist es nicht.“

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