
Hans Mahr in TOKIO auf der Suche nach den besten Sushi-Lokalen. Die Tipps des Japan-Kenners Johann Lafer haben dabei sehr geholfen. Da Hans Mahr aber auch ein Mann der Praxis ist, hat er auch einen Sushi-Kurs belegt.
von
Kirschblüte und das beste Sushi
Auf Okinawa, der südlichsten Insel Japans, beginnt sie schon im Jänner. Langsam zieht sie nach Norden, bis sie Ende März/Anfang April nach Tokio kommt. Die Rede ist von Sakura, der Kirschblüte, die nirgendwo auf der Welt so gefeiert wird wie in Japan. Und seien wir ehrlich, sie ist auch nirgendwo schöner, ja bezaubernder. Vielleicht sind Sie ja über Ostern dort oder planen im Sommer eine Reise (Achtung, sehr heiß!) nach Fernost – hier gibt es ein paar Tipps, wo und wie man die großartige japanische Küche genießen kann.
Bei der schieren Überzahl an empfehlenswerten Etablissements habe ich mir diesmal Verstärkung geholt. Johann Lafer, einer der wirklich Besten seines Fachs und Kenner Japans, ist mir zur Seite gestanden: „Japan hat die gesamte Weltküche beeinflusst. Dort war schon immer das Produkt der Star“, sagt er. Und das zeigt sich natürlich am klarsten beim Sushi: Reis, ein bissel besonderer Essig, Seafood, vielleicht ein Tropfen Soja, Fingerspitzengefühl, und wenn’s besonders sein soll, erfordert es einen Sushimeister. Oder eine Sushimeisterin, wie ich sie kennengelernt habe.
Mein Führer Mark tat beim letzten Tokio-Besuch geheimnisvoll: „Miyoki ist die Beste, sie liefert ihre Sushi vor allem für den Kaiserpalast, für den Tenno Naruhito selbst“, sagt er ehrfurchtsvoll.
Irgendwo in einer Nebenstraße von Ginza ein kleines Holzhäuschen, angeblich 200 Jahre alt, ohne Schild, drinnen eine kleine Sushibar, sechs Hocker davor, that’s it. Miyoki lässt ihre Finger spielen, aus unzähligen Dosen kommen vorbereitete Seafood-Streifen, da und dort etwas geheimnisvolle Würze – und fertig ist das Nigiri. „Mit vier Jahren habe ich begonnen, ich habe es bei meinem Vater gelernt“, erzählt sie. Thunfisch, Dorade, Tintenfisch, Seezunge, Lachs mit Kaviar, Seeigel, Pazifikhering, Torigai-Muschel, Aal – einfach fantastisch. Noch nie in meinem Leben habe ich besseres Sushi gegessen. Beim Gehen verneige ich mich japanisch vor ihr, ich meine das auch sinnbildlich.
Und wo geht man hin, wenn Miyoki gerade für den Kaiser tätig ist? Ich gehe am liebsten zu „Sushi Dai“ am Fischmarkt. Früher am alten „Tsukiji“, jetzt am neuen, größeren „Toyosu“. Am besten in aller Herrgottsfrühe die Fischauktion beobachten, dieses Schauspiel zahlt sich wirklich aus, und dann zum Sushi-Frühstück anstellen. Leider ist eine halbe Stunde Wartezeit normal, aber das ist es wert.
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