Triple A in Gefahr - Was eine Herabstufung der US-Bonität bedeuten könnte

Triple A in Gefahr - Was eine Herabstufung der US-Bonität bedeuten könnte

Am US-Regierungssitz in Washington brauen sich bereits die nächsten finanziellen Probleme zusammen. Immer neue Schulden zu machen, lösen die Probleme auf Dauer jedoch nicht, wie auch die Ratingagenturen wissen.

Die USA drohen auf den Kapitalmärkten die Bestnote für ihre Bonität, das Triple A, zu verlieren. Wie die Vereinigten Staaten finanziell da stehen und was Downgrading und damit ein Verlust der Top-Bewertung für die Börsen und das Land bedeuten könnte.

Die USA gehören weltweit zu den wenigen Staaten mit der höchsten Bonitätsnote. So haben ihnen die beiden renommierten US-Ratingagenturen Moody's und Fitch ein Triple A gegeben. Das ist die bestmögliche Bewertung überhaupt. Jetzt droht das Land diese Bestnote zu verlieren. Wie die Vergangenheit gezeigt hat, können schlechtere Bonitätsnoten Staaten in Finanznot bringen und weltweit Börsen erzittern lassen.

Verlust des Top-Ratings wäre plausibel
Eine Studie der Washingtoner Analysespezialisten Suttle Economics kommt nun zu dem Ergebnis, dass es plausibel erscheint, dass die USA ihr AAA-Rating im Laufe des nächsten Jahres verlieren könnten.

Shutdown beendet, Geldbedarf besteht weiter
Dafür gibt es mehrere Gründe. Aufgekommen ist das Thema erst kürzlich durch den drohenden Shutdown, während dessen große Teil der US-Bundesverwaltung ihre Tätigkeit einstellen, da man sich aufgrund des Streits über das Haushaltsbudget nicht rechtzeitig über die Verteilung der Mittel geeinigt hat. Der Shutdown wurde zwar beendet, aber die Probleme bestehen weiter.

Nächster Shutdown droht in wenigen Monaten
Nach dem Streit wird nun eine neue Schuldenobergrenze festgelegt, die ab dem 1. März 2019 gilt. „Spätestens im September wird der Staat aber wieder zusätzliche Mittel brauchen“, analysiert Martin Hüfner, Chefvolkswirt der deutschen Investmentgesellschaft Assenagon in einem Kommentar.


Es gibt kein Bewusstein dafür, dass die Schulden zu hoch sind

Eines der größten ökonomischen Probleme in den USA ist jedoch die hohe Verschuldung. Sie liegt über 100 Prozent des BIP. Das ist erheblich mehr als in anderen Staaten, die mit AAA bewertet werden. Hüfner: „Erschwerend ist dabei, dass es in der US-Finanzpolitik derzeit kein Bewusstsein gibt, dass die Schulden zu hoch sind.“

Hohe Auslandsverschuldung
Ein anderer Schwachpunkt ist die hohe Auslandsverschuldung der USA. Wichtigste Gläubiger sind China und Japan. „Wenn diese Staaten eines Tages beschließen sollten, ihre US-Anleihenbestände in größerem Umfang zu verkaufen, könnten die Vereinigten Staaten in erhebliche Schwierigkeiten bringen“, so der Assenagon-Ökonom. Auch das berücksichtigen die Rating-Agenturen.

Hohes Pro-Kopf-Einkommen, weltgrößter Binnen- und Kapitalmarkt
Auf der anderen Seite verfügt die USA über ein hohes Pro-Kopf-Einkommen. Sie verfügen zudem über den größten Binnenmarkt für Güter und Dienste der Welt und über den größten Kapitalmarkt. Der Dollar ist nach wie vor die Reservewährung der Welt.

USA kriegt leicht Kredit, um Schulden zu finanzieren
Hüfner: „Als die Russen im letzten Jahr amerikanische Anleihen verkauften, um Gold zu erwerben, hat das am Markt fast niemand bemerkt. Die USA haben keinerlei Schwierigkeiten, Kredit zu bekommen, um ihre Haushalts- und Leistungsbilanzdefizite zu finanzieren.“

2011 hielten sich die Folgen noch in Grenzen
2011 kam es bereits zu einem Downgrad bei der Bonität. Damals hielten sich die Auswirkungen der Herabstufung jedoch in Grenzen. Weder die Zinsen stiegen stärker an, noch der Dollar wertet ab. Auch die US-Aktienmärkte blieben nach kurzen Kursausschlägen unbeeindruckt. Erhebliche Bewegung gab es nur beim Volatilitätsindex VIX.


Herabstufung hätte negative Auswirkung auf die Aktienmärkte
Doch diesmal könnten die Reaktionen anders ausfallen. „So harmlos wie damals dürfte es bei einem Downgrade der USA diesmal aber nicht zugehen“, warnt der Ökonom. Das lege vor allem an der heftigen Reaktion, die durch US-Präsident Trump zu erwarten wären. „Es ist damit zu rechnen, dass er die Handelssanktionen verschärft. Dies hätte dann negative Auswirkungen auf die Aktienmärkte. Die Kursschwankungen würde steigen.“ Im Gegensatz zu 2011 könnten auch die Zinsen, also die Risikoprämien für Kredite und Anleihen, sehr wohl steigen. Die USA ist in dieser Hinsicht ökonomisch nicht unverwundbar.

Trump könnte wieder Ratingagentur-Chef unter Druck bringen
Der amerikanische Präsident würde jedoch nicht nur Außenpolitisch um sich schlagen, „er würde alles versuchen, um der Rating-Agentur zu schaden“, glaubt Hüfner. Das war schon 2011 der Fall, als S&P die Bonitätsnote der USA zurücknahm. Damals ging es so weit, dass am Ende der Chef von S&P zurücktreten musste. Es sei daher zu vermuten, dass S&P diesmal nicht den Anfang machen würde, sondern eher Moody's oder Fitch. Ruhig hinnehmen, dürfte Trump eine solche Entscheidung jedenfalls nicht. Und wenn der US-Präsident in Rage gerät, können sich leicht auch die Anleger fürchten und flüchten.

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