So wenig Geld liegt pro Jahrgang im Schnitt am Pensionskonto

So wenig Geld liegt pro Jahrgang im Schnitt am Pensionskonto

So mancher fürchtet wegen der neuen langen Bemessungsgrundlage künftig in der Pension zu verarmen. Die Sorge könnte berechtigt sein.

Die Lücke zwischen letztem Aktivgehalt und Pension wird in Zukunft wohl um einiges höher ausfallen als bisher. Jetzt liegen die ersten Zahlen über die Gutschriften pro Jahrgang am Pensionskonto vor.

Vier Millionen Österreicher müssen um die Höhe ihrer Pension bangen. Für jeden von ihnen wurde nämlich nach der Pensionsreform 2004 ein Pensionskonto angelegt. Das Konto spiegelt die jeweils aktuelle Höhe der Pension nach der neuen Berechnungsbasis wieder. Statt der besten 15 Erwerbsjahre gilt künftig jedes Jahr seit Anfang der Berufstätigkeit, egal ob gut oder schlecht. Davon betroffen ist jeder Erwerbstätige ab dem Jahrgang 1955. Wieviel jeder einzelne bereits auf seinem Pensionskonto hat, lässt sich zwar auf neuespensionskonto.at leicht ablesen, nur die wenigsten machen davon auch Gebrauch. „Wir haben im Jahr rund 40.000 Kontoabfragen“, so Winfried Pinggera, Generaldirektor der Pensionsversicherungsanstalt (PVA)..

Frauen kriegen um die Hälfte weniger Pension

Nun hat das Sozialministerium nach langem Urgieren von Martin Kwauka, Gründer des Finanzjournalistenforums, erstmals Zahlen über den durchschnittlichen Stand der Pensionskonten preisgegeben. Die Auswertung erfolgte nach Geburtsjahrgang und getrennt nach Frauen und Männern. Das Ergebnis ist vor allem für Frauen oft katastrophal, wie auch Pinggera eingesteht. So hat eine Frau des Jahrgangs 1957 pro Monat im Schnitt 635,86 Euro am Pensionskonto (allerdings sind in diesem Alter schon viele Frauen im Ruhestand). Ein gleichaltriger Mann hat Anspruch auf 1.290,93 Euro - auch das nicht gerade üppig (siehe Tabelle).

Die großen Unterschiede bauen sich naturgemäß erst über Jahre auf. Frauen die 1982 geboren sind, haben pro Monat 358,24 Euro am Pensionskonto, Männer knapp 80 Euro mehr. Frauen mit Jahrgang 1962 haben durchschnittlich 871,22 Euro stehen. Bei Männer sind es 1.222,76 Euro. Diese Werte gelten, wenn die Person zum gesetzlichen Pensionsalter in Pension gehen. Bei Frauen Jahrgang 62 ist das noch mit 60 (ab Jahrgang 1964 steigt das gesetzliche Pensionsalter für Frauen stufenweise auf 65 an, bei Männer gilt schon heute 65 als offizielles Pensionsalter). Wer vorzeitig in Pension geht, bekommt Abzüge vom Pensionskonto. Auf der Habenseite steigt dafür der Stand des Pensionskonto mit jedem Berufsjahr abhängig vom Einkommen an. Bei einem Monatsbrutto von 2.000 Euro im Jahr 2018 kommen zum Beispiel 35,60 Euro dazu (es gibt aber eine enorme Bandbreite, siehe unten). Außerdem wird das Guthaben jährlich valorisiert: Von 2017 auf 2018 betrug die von der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung abhängige „Verzinsung“ 2,9 Prozent.

Nun liegen auch die Daten für die Erstpensionen nach der Pensionsreform vor. Frauen erhielten demnach im Jahr 2016 als Erstpension im Schnitt 1.068 Euro. Männer haben immerhin 2.166 Euro überwiesen bekommen. Männer profitieren hier teilweise noch vom besseren alten Recht (bei Geburtsjahrgängen vor 1955).

Spitzenverdiener kriegen pro Jahr 91 Euro mehr auf das Pensionskonto

Geld auf dem Pensionskonto anzuhäufen, ist wirklich eine zähe Sache. Wer nur die Mindestbeitragsgrundlage verdient (heuer 438,05 Euro) bekommt nur den Mindestbetrag von 7,80 Euro zusätzlich am Pensionskonto gutgeschrieben, Spitzenverdienern maximal 91,31 Euro. Diese Bandbreite deutet an, wo das Kernproblem des Pensionskontos liegt: Wer 40 Jahre nur den Mindestbeitrag einzahlen würde, landet am Ende nur bei 312 Euro Pension (falls er nicht Anspruch auf die Ausgleichszulage hat). Gerade bei Frauen mit gering bezahlter Teilzeitarbeit tickt eine Zeitbombe. Auch Spitzenverdiener brauchen sich keine Illusionen zu machen, allein mit der staatlichen Rente ein gutes Auskommen zu erlangen. Je höher der Aktivgehalt, umso größer später die Pensionslücke. Wer abschätzen will, mit wie viel Geld im Ruhestand auf Basis des aktuellen Gesamtguthabens am Pensionskonto und dem momentanen Gehalt zu rechnen ist, findet auf pensionskonto.at Kalkulationsmöglichkeiten.

Große Verlierer: Generation Praktikum

„Verlierer ist derzeit die Generation Praktikum. Verlorene Erwerbsjahre lassen sich nicht mehr aufholen“, mahnt Manfred Rapf, Verbandssprecher der Lebensversicherungen und Generaldirektor der s Versicherung und Vorstand der Wiener Städtischen. Ein weiterer Punkt: „Jede Teilzeitarbeit macht sich in der Pension bemerkbar und ist im laufe der Erwerbstätigkeit ebenfalls nicht mehr aufzuholen“, warnt Heinz Bednar, Präsident des Fondsverbandes und Chef der Erste Asset Management.

In Zukunft 20 Prozent weniger Pension als heute

Die finanzielle Lage von künftigen Pensionisten wird sich, gemessen am Letztbezug, in vielen Fällen weiter verschlechtern. Wer heuer in Pension geht, ist von den Wirkungen der lebenslangen Durchrechnung nämlich nur teilweise betroffen, man profitiert noch von Abfederungen als Übergangsregeln. Die volle Wucht des Pensionskontos wird ab den Jahrgängen einsetzen, die erst ab 2005 zu arbeiten begonnen haben. Bei Personen, die neben Jahren mit gutem Verdienst auch viele „schlechte“ Jahre aufweisen, kann es dann zu Verschlechterungen gegenüber dem früheren Pensionsrecht von 40 Prozent kommen. Die Pensionsprofis von der Arbeiterkammer sehen die Lage nicht ganz so pessimistisch. Ihre Kalkulationen gehen durchschnittlich von einer um 20 Prozent niedrigeren Rente als derzeit aus.
An Zahlen der PVA lässt sich die schrittweise Verschlechterung ablesen: Im Jahr 2011 lag die durchschnittliche Nettoersatzrate von Arbeitern und Angestellten, die in Alterspension gingen, bei Männern noch bei 86 Prozent (Frauen bei 79,8 Prozent). Berechnungsbasis ist jeweils die erste Nettopension im Verhältnis zum letzten Nettogehalt. 2016 ist die Nettoersatzrate bei Männer bereits im Schnitt auf 83,4 Prozent gesunken, bei Frauen auf 76,6 Prozent.

Pensionen für Frauen werden steigen

PVA-General Pinggera, einer der Väter des Pensionskontos, macht aber dennoch Hoffnung – vor allem Frauen. „Die Erwerbskarrieren haben sich in den vergangenen Jahren geändert und damit werden auch Frauen in Zukunft mehr Pension beziehen.“ So hätten Frauen mittlerweile meist eine deutlich höhere Ausbildung als Generationen vor ihnen. Früher seien die Frauen zudem länger bei den Kindern zu Hause geblieben und hätten häufige Unterbrechungen ihrer Erwerbstätigkeit gehabt. Viele Frauen seien bis vor wenigen Jahren auch häufiger in Frühpension gegangen, was die Pensionshöhe ebenfalls kräftig drückte. All das hat sich vielfach geändert und kann sich auch später positiv auf die Pension der Frauen auswirken. Auch die Kindererziehungszeiten, die mit einem Verdienst von 1.506 Euro pro Monat eingestuft werden, lassen die Pension steigen. Wer daneben noch arbeitet, erhöht die Pension zusätzlich.

Mindestpension ist eine Illusion

Einfach wird es aber gerade für künftige Pensionistinnen dennoch nicht werden, glaubt VÖIG-Chef Bednar. Viele Frauen müssen sich wohl trotz besserer Lebensläufe auf eine kleine Rente gefasst machen und sind in der Pension vielleicht gezwungen etwas dazuzuverdienen. Eine Mindestpension gibt es im Übrigen nicht. „Es können beispielsweise auch nur 300 Euro Pension im Monat sein. Alles andere sind Ausgleichszahlungen, also Sozialhilfe-Maßnahmen“, erklärt Pinggera. Sich auf Ausgleichszahlungen zu verlassen, könnte jedoch riskant sein. Wie hoch diese Sozialleistungen in der Auszahlungsphase in ferner Zukunft letztlich ausfallen, lässt sich nicht abschätzen. Übrigens: Laut Plänen der Regierung sollen künftig einschneidende Kürzungen bei Witwenpension vorgenommen werden. Derzeit ist die Regierung diesbezüglich noch in der Evaluierungsphase. Weiteres Problem: Bei einer Scheidungsrate von rund 50 Prozent können gerade finanziell benachteiligte Frauen die Unterstützung des Mannes in der Pension nicht fix einkalkulieren. "Die private Vorsorge ist zudem aufgrund geringer staatlicher Förderung massiv eingeschränkt", so Bednar. So beträgt die Prämie für die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge, das derzeit nur als Versicherungsprodukt erhältlich ist, im höchstmöglichen Fall 120,09 Euro pro Jahr.

Ungerechte Berechnungsbasis bei Kindererziehungszeiten zwischen Mann und Frau

Für die Frauen rächt sich auch der unterschiedliche Karriereverlauf von Männern und Frauen durch die Kindererziehung. Denn während die Frau als Bemessungsgrundlage für die Kindererziehung 1.506 Euro angerechnet bekommt, ist es beim Mann die volle Höhe seines jeweiligen Aktivbezüge in dieser Zeit. Dazu kommt, dass Männer in dieser Zeit oft zusätzliche Karriereschritte machen. „Einen finanziellen Ausgleich zwischen den Partnern während dieser Kindererziehungszeit gibt es in der Regel nicht“, ärgert sich Finanzprofi Kwauka.

"In einem gerechten Pensionssystem würde ein Anteil des Männergehalts zur Berechnung der Pension auf die Frau übergehen", befindet Kwauka.
Ob Mann oder Frau: Wer damit rechnet, dass die eigene Pension nicht reicht, sollte privat für später Geld auf die Seite legen. "Man darf auch nicht vergessen, dass der Lebensstandard gestiegen ist", so Fondsverbandschef Bednar. Er empfiehlt daher jedem, unter anderem mittels Fonds für die künftige Rente vorzusorgen. Rapf vom Verband der Versicherungen machte sich wiederum naturgemäß für eine Vorsorge anhand von Lebensversicherung stark.

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